Das perfekte Rennen

Von Alexander Mey
Dienstag, 30.03.2010 | 14:32 Uhr
Fernando Alonso und Lewis Hamilton glänzten beim Australien-GP in Melbourne
© Getty
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Auch in der Formel-1-Saison 2010 beurteilt SPOX-Redakteur Alexander Mey nach jedem Rennwochenende in seinem Driver-Ranking die Leistungen aller Fahrer - unabhängig von der Stärke ihrer Autos. Diesmal dabei: Michael Schumacher. Ausgabe 2: Australien-GP.

So macht die Formel 1 wieder Spaß. Ein tolles Rennen in Melbourne, auch wenn man sich als Fan nicht allzu sehr davon blenden lassen sollte. Denn der Regen zu Beginn hat seinen Beitrag zum turbulenten Rennen geleistet.

Trotzdem haben gleich einige Fahrer ein Feuerwerk abgebrannt. Entsprechend schwierig war es diesmal, jedem bei der Punkteverteilung gerecht zu werden.

Meine Wertung für den Australien-GP

Platz 1, Lewis Hamilton: Diskutabel, ich weiß. Wie kann man denn einen Mann auf Platz eins setzen, der das Qualifying so vermasselt hat wie Hamilton? Jedem, der sich das fragt, erkläre ich meinen Standpunkt gerne. Hamilton hat im Rennen so ziemlich alles gezeigt, weshalb ich Formel-1-Fan bin. Seine Überholmanöver waren mutig, sie waren spektakulär, sie waren aber trotzdem kontrolliert. Er ist in meinen Augen ein perfektes Rennen gefahren. Sehr schade, dass er sich erst vom Team hat überreden lassen, noch einmal Reifen zu wechseln, und dass er von Mark Webber von der Strecke gekegelt wurde. Wenn mir jemand im Rennen so viel Spaß macht, dann drücke ich gerne beim Qualifying mal ein Auge zu.

Platz 2, Sebastian Vettel: Er hat im Gegensatz zu Hamilton ein fahrerisch makelloses Wochenende hingelegt. Souveräne Pole-Position, toller Start im Regen, souveräne Kontrolle über das Rennen. Was will man mehr? Das Spektakuläre eines Hamilton hat eben zu Platz 1 gefehlt. Ach ja, und ein Auto, das ins Ziel kommt...

Platz 3: Fernando Alonso: Er hat mich fast so gut unterhalten wie Hamilton. Die Moral, sich nach dem Dreher in der ersten Kurve fast durch das komplette Feld zu arbeiten und am Ende noch Vierter zu werden, ist beeindruckend. Alonso ist eben ein Kämpfer. Vor allem Schumacher dürfte dumm aus der Wäsche geguckt haben, als er nach der Kollision der beiden kurze Zeit direkt hinter Alonso war und dann feststellen musste, dass der Spanier wesentlich schneller durch das Mittelfeld kam als er selbst. Eine Lehrstunde des jungen Champions für den alten.

Platz 4, Robert Kubica: Bei ihm beginnt mein Dilemma. Er ist für mich die große Überraschung des Rennens und hätte in jedem normalen Ranking einen Podestplatz sicher gehabt. Aber gegen die geballte Power auf den ersten Plätzen war sein Rennen, so überragend es im eigentlich unterlegenen Renault auch war, nicht spektakulär genug. Er hat von seinem Katapultstart profitiert und später noch vom Ausfall Vettels. Trotzdem gibt es an einer Leistung überhaupt nichts klein zu reden. In Melbourne habe ich einfach nur drei Fahrer noch einen Tick stärker gesehen als ihn.

Platz 5, Jenson Button: Bei ihm geht es mir ähnlich wie bei Kubica. Den Rennsieger nur auf Platz fünf einzusortieren, widerstrebt mir eigentlich. Sein Rennen war nicht spektakulär, aber ihn hat ausgezeichnet, dass er die Reifen mit seiner unnachahmlich schonenden Fahrweise am besten über die Distanz gebracht hat. Der Sieg war glücklich in seinem Zustandekommen, aber trotzdem absolut verdient. Auch Buttons alte Schwäche im Qualifying trat in Melbourne nicht zutage. Nur am Start hat er eben Alonso umgedreht, wenngleich ich ihm das in diesem Getümmel nicht großartig vorwerfen will.

Platz 6, Felipe Massa: Gegen sein Ergebnis ist absolut gar nichts zu sagen. Platz drei von Startplatz fünf aus, Massa war mit seinem zweiten Rennen nach dem Comeback zu Recht sehr zufrieden. Einschränkend muss man zu ihm sagen, dass er im Qualifying die Ferrari-Probleme mit der Reifentemperatur schlechter in den Griff bekommen hat als Alonso. Und es sieht natürlich nicht gut aus, wenn man in den letzten Runden vom Teamkollegen attackiert wird, der nach der ersten Kurve Letzter war und sich durch das ganze Feld arbeiten musste.

Platz 7, Nico Rosberg: Das größte Lob an ihn ist, dass er im Laufe des Rennwochenendes den Spieß gegen Schumacher völlig herumgedreht hat. In allen Trainings war Schumi überlegen, aber pünktlich zum Qualifying stand Rosberg vor ihm. Ohne allerdings selbst fehlerfrei gefahren zu sein. Er hat zugegeben, zwei Startplätze verschenkt zu haben. Dafür war er im Rennen grundsolide unterwegs und hat am Ende sogar noch mit der zweitschnellsten Rennrunde aufhorchen lassen.

Platz 8, Adrian Sutil: Neben Vettel ist er der große Pechvogel des Rennens. Diesmal war er auf einem sehr guten Weg, sich endlich einmal für ein starkes Wochenende mit Punkten zu belohnen. Im Zuge der Boxenstopps lag er kurz vor seinen Motorproblemen sogar in Führung. Sowohl im Qualifying als auch im Rennen war der Speed da und deutlich besser als bei Teamkollege Liuzzi. Ein Platz unter den Top 6 wäre locker drin gewesen, aber die Technik spielte nicht mit. Trotzdem ein tolles Wochenende von Sutil.

Platz 9, Michael Schumacher: Er hat in Australien einen Schritt nach vorne gemacht, ganz klar. In den Trainings war er konstant schneller als Rosberg, im Qualifying wurden ihm Alonsos unabsichtliche Behinderung und - kein Witz - ein Abreißvisier zum Verhängnis. Das blieb am Auto hängen und störte die Aerodynamik - verrückt. Im Rennen musste er sich nach dem Startunfall bei der Aufholjagd ganz schön von Alonso düpieren lassen und kam zu lange nicht an Alguersuari vorbei. In den letzten Runden, als es um die WM-Punkte ging, hat er aber immerhin Killerinstinkt bewiesen und neben Alguersuari auch noch de la Rosa geknackt. Sonst wäre er ganz leer ausgegangen.

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Platz 10, Rubens Barrichello: Ein Vorbild an Konstanz. Sowohl im Qualifying als auch im Rennen hat er das Optimum aus dem Williams herausgeholt, ohne dabei großartig spektakulär aufgefallen zu sein. Er macht vieles richtig und lässt seinen jungen Teamkollegen Hülkenberg entsprechend schlecht aussehen.

Härtefall 1, Vitantonio Liuzzi: Es gefällt mir selbst nicht, dass ich ihm keinen Punkt geben kann. Er ist zwar nicht so schnell wie Sutil, aber er macht keine Fehler und fährt für Force India die WM-Punkte nach Hause. Das ist sehr lobenswert und auch ein bisschen überraschend. Aber alles in allem habe ich ihn fahrerisch nicht stärker gesehen als einen der zehn Piloten vor ihm.

Härtefall 2, Mark Webber: Gegen sein Qualifying ist nichts zu sagen, das war stark. Nicht ganz so stark wie das von Vettel, aber überhaupt kein Grund, ihm im Ranking keine Punkte zu geben. Im Rennen kam er mir aber übermotiviert vor. Mal hatte er ein sehr schönes Überholmanöver dabei, dann hat er - wie zum Beispiel im ersten Duell mit Hamilton - zu viel riskiert und sich selbst wieder um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Und der Abschuss von Hamilton drei Runden vor Schluss ging natürlich gar nicht. So etwas darf einem Routinier wie Webber nicht passieren.

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