Montag, 01.02.2010

Formel 1

Erster Test: Schumacher schneller als Rosberg

Formel-1-Rückkehrer Michael Schumacher hat am Montagnachmittag seine ersten Testfahrten im neuen Werks-Mercedes absolviert und dabei die drittschnellste Zeit erzielt.

Michael Schumacher testet in Valencia zum ersten Mal seinen neuen Silberpfeil
© Getty
Michael Schumacher testet in Valencia zum ersten Mal seinen neuen Silberpfeil

Um 15.29 Uhr fuhr Michael Schumacher vor rund 2000 Zuschauern in Valencia erstmals im Silberpfeil aus der Box auf die Rennstrecke. Um 17.30 Uhr war der erste Testtag des 41-Jährigen dann beendet.

Insgesamt absolvierte der siebenfache Weltmeister 40 Runden und damit eine mehr als Teamkollege Nico Rosberg. Schumachers beste Zeit: 1:12,947 Minuten. Damit lag er rund sechs Zehntel vor Rosberg (1:13,543). Insgesamt belegte Schumacher den dritten Platz.

Testtage in Valencia: Alle Zeiten und Platzierungen

Die beste Zeit legte Ferrari-Pilot Felipe Massa hin (1:12,574), der mit 102 Runden auch das umfangreichste Programm herunterspulte. Auf Rang zwei fuhr Pedro de la Rosa im Sauber (1:12,784).

Allerdings sind Testzeiten im Vergleich wenig aussagekräftig: Die Teams fahren verschiendene Test-Programme und sind mit unterschiedlichen Spritmengen unterwegs.

Schumi: "Das ist ganz schön flott"

Als er seinen ersten Tag als Formel-1-Rückkehrer mit Bravour gemeistert hatte, strahlte Schumacher über das ganze Gesicht. "Es hätte nicht schöner sein können. Das war ein super Tag, das Auto hat perfekt funktioniert. Und ich fühle mich auch im Auto auf Anhieb sehr wohl. Es ist so, dass ich im Prinzip gleich loslegen könnte", sagte Schumacher.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug war nicht überrascht von Schumachers Auftritt. "Ich denke, dass er sich sehr gut vorbereitet hat. Und wir hatten ja auch angenommen, dass es funktionieren kann", sagte Haug.

Michael Schumacher hatte schnell wieder zu altem Tempo zurückgefunden. "Ich bin die erste Runde rausgefahren und habe gedacht: Uppala, das ist aber ganz schön flott. In der zweiten Runde ging´s dann. Das war im Prinzip wie 1991 für mich", sagte er.

Schumacher nimmt Abkürzung

In seiner 18. Runde war der 41-Jährige erstmals 45 Tausendstelsekunden schneller als sein fast 17 Jahre jüngerer Teamkollege Nico Rosberg, am Ende des Testtages waren es fast sechs Zehntelsekunden, was Schumacher nicht überbewerten wollte: "Niko hat heute morgen im Prinzip nur Fahrten gemacht, um das Auto zu checken."

Kurz vor Ende des Testtages wies ihn der Zeitencomputer sogar für ein paar Sekunden als Schnellsten aus - mit fast vier Sekunden Vorsprung. Da hatte er allerdings eine Abkürzung genommen, die Zeit wurde wieder gestrichen.

Rosberg in der zweiten Reihe

Rosberg hatte zwar um 10.35 Uhr die Ehre der Jungfernfahrt im ersten Werks-Mercedes seit 55 Jahren, doch schon beim Fototermin um 8.56 Uhr hatte er sich mit ernster Miene neben dem strahlend lächelnden Schumacher ein wenig komisch gefühlt. "Daran muss ich mich wirklich gewöhnen, wenn wie bei der Präsentation heute morgen 100 Kameras auf Michael gerichtet sind und eine auf mich", sagte der 24-Jährige, der aber immerhin mit dem ersten Eindruck vom MGP W01 zufrieden war.

"Man kann zwar noch nicht allzu viel sagen, aber es war okay. Man konnte gleich attackieren", meinte Rosberg, der wegen einer zu tiefen Sitzposition aber Probleme mit der Sicht hatte. Schumacher hatte sich am Vormittag Rosbergs erste Runden und auch die der Konkurrenten genau angeschaut, zwischendurch winkte er auch schon mal den zahlreichen Fans auf dem Dach des Boxengebäudes zu.

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Haug: "Unser härtester Winter"

Der siebenmalige Weltmeister war so entspannt, dass er unmittelbar vor dem Fototermin sogar noch schnell die Zeit für ein Händeschütteln mit Teammanager Massimo Rivola von seinem früheren Ferrari-Rennstall fand. Das Auto hatten zwei Minuten vor Beginn des Blitzlichtgewitters einige Mechaniker ohne große Show aus der Garage in die Boxengasse geschoben.

Am vorigen Montag bei der Team-Präsentation hatten die Stuttgarter der Öffentlichkeit nur das Design am Brawn-Weltmeisterauto von 2009 vorgestellt. Die Präsentation des neuen Autos berührte dann auch Haug. "Das ist schon nochmal etwas Besonderes. Vor allem, weil hier in sehr kurzer Zeit sehr viel dargestellt wurde. Das war unser härtester Winter", sagte Haug.

Um 10.33 Uhr röhrte in der Box zum ersten Mal der Mercedes-Motor im neuen Silberpfeil, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Valencia angekommen war. Zwei Minuten später bahnte sich Rosberg vorbei an vielen Fernsehkameras den Weg auf die Strecke zur ersten Installationsrunde, bei der alle Systeme des Autos überprüft werden.

Um 11.34 Uhr nahm der in Wiesbaden geborene Sohn des ehemaligen Weltmeisters Keke Rosberg die richtige Testarbeit auf und fuhr insgesamt 39 Runden, bevor am Nachmittag Schumacher das Lenkrad übernahm.

Fans freuen sich auf Duo

Für den Kerpener, der nach drei Jahren Pause in die Königsklasse zurückkehrt, war es der erste offizielle Einsatz als Mercedes-Werkspilot auf einer Rennstrecke seit er Anfang der 90er Jahre als Mitglied des Mercedes-Juniorteams in einem Gruppe-C-Sportwagen für die Stuttgarter unterwegs war.

1991 schaffte er dann mit Unterstützung von Mercedes bei Jordan den Sprung in die Formel 1, wo er bis zu seinem Rücktritt Ende 2006 in 250 Rennen 91 Siege holte und siebenmal Weltmeister wurde. Zuletzt hatte Schumacher sich mit privaten dreitägigen Testfahrten in einem GP2-Auto in Jerez auf sein Comeback vorbereitet.

Die Fans freuen sich, dass Schumacher wieder da ist. Über der Mercedes-Box hing ein Transparent eines spanischen Fanklubs. "Schumi, gib Gummi. Willkommen zurück", war darauf zu lesen. Ein paar Minuten später sorgte ein Rosberg-Fanklub für Ausgeglichenheit: "Nico Rosberg, World Champion with Mercedes (Weltmeister mit Mercedes)."

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