Donnerstag, 11.02.2010

Red-Bull-Teamchef Christian Horner im Interview

"Es wäre dumm, Schumacher zu unterschätzen"

Mit Red Bull hat das letzte Top-Team das neue Auto für die kommende Saison präsentiert. Nach der Vize-WM 2009 ist das Ziel für Sebastian Vettel klar: Er will den Titel. Ist das realistisch? Wo liegen Stärken und Schwächen des jungen Deutschen, was ist von der Konkurrenz um Michael Schuamcher zu halten und wie hat sich das Image des einstigen Party-Teams Red Bull verändert? SPOX fragte bei Teamchef Christian Horner nach.

Christian Horner (l.) bejubelt mit Sebastian Vettel den Sieg in Abu Dhabi
© Getty
Christian Horner (l.) bejubelt mit Sebastian Vettel den Sieg in Abu Dhabi

SPOX: Red Bull hat das neue Auto zehn Tage später fertig als die Konkurrenz. Was hat Sie so lange aufgehalten?

Christian Horner: Das ist die Philosophie von Adrian Newey. Er lässt sich immer so viel Zeit wie möglich, um das Auto im Windkanal zu optimieren. Das hat ja 2009 schon bestens funktioniert.

SPOX: Schon in Valencia ist aufgefallen, dass einige Teams die Höcker auf der Nase, die der Red Bull 2009 schon hatte, kopiert haben. Ferrari und Mercedes zum Beispiel.

Horner: Das ist nicht sonderlich überraschend. Wir hatten 2009 ein sehr erfolgreiches Auto, da liegt es nahe, dass andere Teams unser Konzept genau analysiert und auch einige Ideen übernommen haben.

SPOX: Ist Adrian Newey als Konstrukteur ein Genie?

Horner: Nun ja, er macht auf jeden Fall einen fantastischen Job. Aber er arbeitet auch mit einer Gruppe extrem talentierter Leute zusammen. Adrian ist schon ganz weit vorne mit seinen Leistungen, aber ohne das Team geht da nicht viel.

SPOX: Wenn das Reglement so stabil ist und Red Bull Ende 2009 klar das schnellste Auto hatte, dann muss das Ziel für 2010 eigentlich der WM-Titel sein.

Horner: Klar wollen wir das schaffen. Das ist unser Ziel. Aber die Konkurrenz von Ferrari, McLaren und Mercedes wird sehr stark sein.

SPOX: Wird die Kombination Mercedes/Michael Schumacher der härteste Konkurrent sein?

Horner: Es wäre sehr dumm, die Fähigkeiten eines Michael Schumacher zu unterschätzen. Es wird faszinierend sein, ihn bei seinem Comeback zu beobachten. Aber deshalb ist Mercedes noch lange nicht unser einziger großer Konkurrent. Die Kombination Ferrari/Fernando Alonso und die beiden britischen Weltmeister im McLaren werden ebenfalls extrem stark sein. Die Formel 1 kann sich auf eine sehr aufregende Saison einstellen. Es sind alle Zutaten für ein glänzendes Jahr vorhanden.

SPOX: Michael Schumacher wird bei seinem Comeback als Fahrer fast fünf Jahre älter sein als Sie als Teamchef.

Horner: Ich bin noch zur Schule gegangen, als Michael sein Formel-1-Debüt gefeiert hat! Er ist wirklich in einer tollen körperlichen Form. Man hat bei Kartrennen oder dem Race of Champions immer wieder gesehen, dass er nach wie vor voll konkurrenzfähig ist. Er hat das Verlangen nach Siegen noch in sich und scheint sehr gut darauf vorbereitet, es 2010 mit der jungen Generation aufzunehmen.

SPOX: Haben Sie Bedenken, dass Ihr Team darunter leidet, dass sich die Medien auf Schumacher und Mercedes stürzen?

Horner: Wir lassen gerne die Ergebnisse für uns sprechen. Wenn sich das ganze Jahr über die Medien auf ihn stürzen und wir die Rennen gewinnen, soll es mir recht sein.

SPOX: Wie schätzen sie die Lage für die jungen Fahrer wie Sebastian Vettel ein? Leiden Sie unter dem großen Schatten von Schumacher oder profitieren sie von der Chance, gegen ihn fahren zu können?

Horner: Das ist für Sebastian und die anderen jungen Fahrer eine großartige Chance. Ich bin mir sicher, dass Sebastian gegen Michael nicht anders fahren wird als gegen seine anderen Gegner.

Das ist der neue Red Bull
Am Mittwoch Morgen war es soweit. Sebastian Vettel und Mark Webber enthüllten in Jerez den neuen Red Bull
© Getty
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Auf den ersten Blick fallen kaum Änderungen auf. Der RB6 ist eine Evolution des erfolgreichen RB5 aus der Saison 2009
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Hier ist das Ding in voller Pracht. Altbekannt sind die markanten Höcker auf der Nase und die bis zum Heckflügel durchgehende Finne
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Von hinten gibt es keine Fotos. Klar, denn niemand will freiwillig seine Lösung für den Doppel-Diffusor verraten. Dort soll der Red Bull am meisten verbessert worden sein
© red bull
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Die Höcker auf der Nase sind im Vergleich zu 2009 noch einmal erhöht worden. Die Lufteinlässe an den Seitenkästen sind sehr klein ausgefallen
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Direkt, nachdem das Tuch vom Auto entfernt worden war, ging es für die ersten Testrunden auf die Strecke
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Mark Webber hatte die Ehre, die ersten Kilometer im neuen Auto absolvieren zu dürfen. Sebastian Vettel musste sich gedulden
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Der RB6 von oben. Hier sieht man sehr gut, dass der größere Tank im Bereich hinter dem Cockpit seinen Platz gefunden hat
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Der RB6 von oben. Hier sieht man sehr gut, dass der größere Tank im Bereich hinter dem Cockpit seinen Platz gefunden hat
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Bei noch leicht feuchter Strecke waren Bestzeiten von Webber in den ersten Runden natürlich noch nicht zu erwarten
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Das Duo, das es mit Mercedes, Ferrari und McLaren im Kampf um die beiden WM-Titel aufnehmen will. Gelingt Sebastian Vettel 2010 der große Wurf?
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SPOX: Sebastian Vettel hat 2009 endgültig den Durchbruch zum Spitzenfahrer geschafft. Wo liegen seine Stärken?

Horner: Er hat nicht nur Talent, sondern er ist für sein Alter ein sehr reifer und intelligenter Fahrer. Er wird immer noch stärker und stärker.

SPOX: Woran muss er noch arbeiten?

Horner: Seine einzige Schwäche ist, dass er erst zwei komplette Saisons absolviert hat. Ihm fehlt es noch an Erfahrung, aber er sammelt von Rennen zu Rennen mehr davon.

SPOX: Ist er manchmal zu ehrgeizig?

Horner: Nein. Er ist ein sehr hungriger und entschlossener junger Mann, der immer alles gibt. Er hat einfach sehr hohe Ansprüche an sich selbst als Fahrer.

SPOX: Vettel hat in einem Interview gesagt, dass er nicht gerne Bier trinkt. Womit haben Sie den dann nach den Siegen 2009 gefeiert?

Horner: Das ist doch ziemlich offensichtlich, oder? Mit Red Bull natürlich.

SPOX: Aber mit einem Schuss Wodka, nehme ich an.

Horner: (lacht) Davon weiß ich nun wirklich nichts.

SPOX: 2010 wird es für einen Sieg 25 Punkte geben. Zudem erhalten die besten zehn Fahrer WM-Punkte. Was halten sie davon?

Horner: Ich glaube nicht, dass der neue Schlüssel in den vergangenen Jahren viel am Ausgang der Weltmeisterschaften geändert hätte. Aber ich finde es gut, dass nun mehr Teams die Möglichkeit bekommen, in die Punktränge vorzustoßen, anstatt bei null Punkten hängen zu bleiben.

SPOX: Wie beurteilen Sie die Chancen der zahlreichen neuen Teams?

Horner: Als wir 2005 angefangen haben, hatten wir die Vorlagen von Jaguar, auf die wir aufbauen konnten. Diese Teams haben alle mehr oder weniger mit einem weißen Blatt Papier angefangen. Das ist eine gewaltige Herausforderung. Hoffentlich schaffen das alle. Denn es ist ja nicht damit getan, ein Auto zu konstruieren und zu bauen, man muss danach den Rennbetrieb über 19 Grands Prix aufrechterhalten. Das kostet eine Menge Geld. Ich wünsche allen viel Glück, aber das wird hart werden.

SPOX: Inwieweit hat sich das Ansehen von Red Bull seit den Anfängen 2005 verändert? Das Party-Team von damals gibt es in der Form ja nicht mehr.

Horner: Dieser Wandel ist im vergangenen Jahr offensichtlich geworden, als wir um den Titel gekämpft haben. Aber wir haben uns auch schon vorher immer darauf konzentriert, unsere sportlichen Ziele zu erreichen. Nach außen hat Red Bull den Vorteil, nicht den Zwängen eines großen Konzerns zu unterliegen. Wir haben keine Angst, unsere Meinung offen zu sagen oder unsere Erfolge ausgelassen zu feiern.

SPOX: Aber Sie haben zum Beispiel erst im vergangenen Jahr damit aufgehört, schöne Frauen, die so genannten Formula Unas, zu den Rennen einzuladen. Warum?

Horner: Wir wollten den Fokus in der Tat etwas mehr auf die Rennstrecke richten. Und das ist uns ja auch gelungen. Wobei man auch sagen muss, dass sich das Rennteam schon immer um nichts anderes gekümmert hat als die Leistungen auf der Strecke. Der Marketing-Aspekt ist eine andere Baustelle, aber auch eine wichtige. Red Bull hat sich im Fahrerlager dank seines Motorhomes als Integrationsfigur etabliert. Bei uns stehen jedem die Türen offen. Da ist nichts abgeschottet wie bei anderen Teams. Wir haben bei den Aktivitäten neben der Strecke immer neue Wege beschritten. Wir haben keine Angst, die Dinge etwas anders anzugehen.

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Interview: Alexander Mey

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