Mercedes-Präsentation mit Michael Schumacher

Schumi: "Eine Petition an Angela Merkel"

Von Für SPOX in Stuttgart: Alexander Mey
Montag, 25.01.2010 | 16:06 Uhr
Michael Schumacher und Nico Rosberg präsentieren ihr neues Fahrzeug, den MGP W01
© Getty
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Großer Bahnhof für Michael Schumacher, Nico Rosberg und das Mercedes-Team bei der Präsentation im Mercedes-Museum in Stuttgart. 600 Gäste und 200 Medienvertreter waren gekommen, nur um Schumi im silbernen Overall zu sehen. Die Lackierung des neuen Autos war dabei fast schon Nebensache.

Ein einziges Mal hat Michael Schumacher gezuckt. Einmal wurde er aus der Reserve gelockt an einem ansonsten von endlosem Strahlen dominierten Vormittag in Stuttgart.

"Sehen Sie nun bei Mercedes die große Chance zu zeigen, dass Sie auch auf saubere Weise gewinnen können?", fragte der Kollege der englischen "Daily Mail" auf der Pressekonferenz. Schumi stutzte kurz, warf dem Kollegen einen bitterbösen Blick zu und sagte: "Sieben Titel und 91 GP-Siege erreicht man nicht mit unsauberen Siegen. Das sollten Sie bedenken, wenn Sie solche Fragen stellen."

Es war nur eine Randnotiz im Gesamtbild der bodenständigen, aber durchaus selbstbewussten Präsentation an historischer Mercedes-Stätte. Aber sie steht als Symbol dafür, dass das Märchen Schumi-Comeback kein reiner Spaziergang werden wird.

Neues Auto ist noch nicht fertig

Umrahmt von allerlei Prominenz wie Box-Weltmeister Vitali Klitschko, David Coulthard, Ralf Schumacher, Willi Weber und der kompletten Mercedes-DTM-Entourage, traten Schumacher und Rosberg gegen 11.15 Uhr hinter ihrem neuen Silberpfeil ins Scheinwerferlicht. Danach folgten Fotos, Fotos - und noch mehr Fotos.

Dann kamen die Fragen. Zu Schumachers Fitness, zu seinem Alter, zum Kampf der beiden Teamkollegen, zum deutschen Nationalteam - und natürlich zum neuen Auto, das noch nicht in Stuttgart zu sehen war. Der alte Brawn von 2009 mit neuer silbern-mintfarbener Lackierung war nämlich eine Mogelpackung.

Warum? "Ganz einfach, weil das neue Auto noch nicht fertig ist", sagte Ross Brawn. "Wir haben nur vier Tests vor der Saison, da ist jeder Tag kostbar. Wer sein Auto eine Woche vor Testbeginn fertig hat, ist zu früh dran."

Achillesferse sind die großen Tanks

Achillesferse aller neuen Autos wird der erheblich vergrößerte Tank sein, der wegen des Nachtankverbots bis zu 175 Liter Benzin fassen muss. "Ich gehe davon aus, dass alle neuen Autos länger sein werden, um den größeren Tank unterzubringen", erklärte Brawn, der schon seit Frühjahr 2009 am neuen Auto bastelt. Nur eine Entwicklungs-Woche hat das Team der Arbeit am alten Auto im Titelkampf geopfert.

Ob das schon zu viel war oder ob Ross Brawn wie im vergangenen Jahr allen anderen bei den Tests einen Schreck einjagen wird, wird sich ab dem 1. Februar in Valencia zeigen. "Wir arbeiten im Moment in einem Vakuum. Wir wissen rein gar nichts über den Leistungsstand der Konkurrenz. Wir werden erst bei den ersten Tests einen Eindruck bekommen", sagte Brawn.

Trotzdem sind die Fahrer sehr zuversichtlich. "Das ist die Chance, auf die ich gewartet habe. Hoffentlich habe ich ein Siegerauto. Das sieht im Moment noch ganz gut aus", sagte Rosberg. Schumacher ergänzte: "Wir haben alle Zutaten, um Weltmeister zu werden. Aber die müssen wir erst einmal richtig zusammen bekommen."

Rosberg hatte Zweifel wegen Schumi

Da saßen sie nun, Schumacher und Rosberg, einträchtig nebeneinander. Aber wird das auch so bleiben, wenn es auf die Strecke geht? Wird Rosberg nicht doch nur eine Nummer zwei hinter dem großen Schumacher sein? Seine eigentlich vorgesehene Startnummer 3 hat er schon an den siebenmaligen Champion abgetreten, weil der - abergläubisch wie er ist - keine gerade Nummer haben wollte.

Brawn wiegelt ab: "Wir haben im letzten Jahr gezeigt, dass wir beiden Fahrern die gleiche Unterstützung geben. Das wird sich in diesem Jahr nicht ändern. Beide bekommen absolut gleichwertiges Material."

Trotzdem hatte Rosberg zunächst bedenken: "Ich hatte schon einige Zweifel in mir, weil ich wusste, dass Michael und Ross sehr gute Freunde sind. Aber ich hatte sehr gute Gespräche und bin nun überzeugt, dass ich gleichen Voraussetzungen haben werde."

Jungfernfahrt geht an Rosberg

Einen Punktsieg hat der 24-Jährige immerhin schon errungen. Er wird am 1. Februar in Valencia die Jungfernfahrt im neuen MGP W01 absolvieren. Nachmittags soll dann Schumacher seine ersten Eindrücke sammeln können. Die Besetzung an den beiden folgenden Tagen steht noch nicht hundertprozentig fest, aber im Moment ist vorgesehen, dass Rosberg am zweiten und Schumacher am dritten Tag fahren wird.

Der Nacken wird dem 41-Jährigen dabei keine Probleme mehr bereiten, da sind sich alle sicher. Und ein Blick aus der Nähe auf seinen Stiernacken lässt vermuten, dass sie damit richtig liegen. "Michael erreicht jetzt schon wieder die Trainingswerte, die er vor einigen Jahren erreicht hat. Er ist ein außergewöhnlicher Athlet", sagte Brawn.

Deutsches Nationalteam mit Schumacher, Rosberg und Heidfeld

Der Brite war es, der Schumacher direkt nach der vergangenen Saison überzeugt hat, es noch einmal mit einem Comeback zu versuchen. "Ross und ich hatten schon häufiger Kontakt, daher wusste ich, was er wollte, als er mich nach der Saison anrief. Wir hatten schon vorher häufiger darüber gesprochen, aber ich war damals noch nicht bereit", sagte Schumacher.

Zu Honda-Zeiten 2008 hätte Brawn Schumacher schon gerne in einem seiner Autos gesehen. Aber damals wäre es ja langweilig gewesen, so ganz ohne Mercedes, ganz ohne deutsches Nationalteam. Schumacher, Rosberg, Mercedes - und auch noch Heidfeld, dessen Verpflichtung als Ersatzfahrer nur noch eine Frage von Tagen ist.

"Nationalstolz ist berechtigt", sagte Daimler-Vorstand Dieter Zetsche in seiner Präsentationsrede. "Es gibt nicht viele deutsche Weltstars. Jetzt tun sich mit Schumacher und Mercedes zwei davon zusammen."

Schumi: "Die deutsche Flagge silbern machen"

Ein bisschen viel Pathos vielleicht für den einen oder anderen. Aber fest steht, dass die Kombination eine unglaubliche Medienwirkung erzeugt.

"Wenn wir alle Anfragen für diese Präsentation hätten erfüllen wollen, hätten wir auf die andere Straßenseite ins Stadion gehen müssen", scherzte Zetsche.

Das Schlusswort hatte Schumacher, der große Star. Und er richtete gleich mal einen Appell an die Bundeskanzlerin: "Vielleicht sollten wir eine Petition an Angela Merkel senden, die deutsche Flagge silbern zu machen."

Live-Ticker: So lief die Präsentation

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