Formel 1

Das sind Sebastian Vettels letzte Strohhalme

Von Alexander Mey
In Japan hatte Sebastian Vettel schon einmal sehr viele Puffer zwischen sich und Jenson Button
© Getty

Bei aller Hoffnung, die sein Sieg beim Japan-GP in der Öffentlichkeit entfacht hat: Sebastian Vettel braucht nach wie vor ein kleines Wunder, wenn er Jenson Button noch den WM-Titel abjagen will. Aber es gibt eine ganze Menge Fahrer, die ihm helfen können.

Was kann Sebastian Vettel helfen, wenn er die 16 Punkte Rückstand auf Jenson Button in den ausstehenden zwei Rennen noch aufholen will?

Jetzt nachlesen: So lief das Rennen in Suzuka

Markige Sprüche? "Was macht der Jenson da? Will er sich zum WM-Titel zittern?" Das sagte Vettel in Suzuka.

Hohn und Spott für WM-Leader Button? "Jenson Button ist eine rasende Unsicherheit. Er wackelt schon wieder und die Konkurrenz schließt auf. Was mal wie ein souveräner Siegeszug aussah, ist längst zu einem zähen Kriechen über die Ziellinie geworden", schrieb der "Daily Mirror".

Oder ist es nicht doch vielmehr das sich ständig ändernde Kräfteverhältnis in dieser Saison, das Vettels Chancen auf die große Wende gar nicht so unrealistisch erscheinen lässt?

Red Bull zurück an der Spitze

Fakt ist: Red Bull hat ab dem Singapur-GP noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht und kann auf jeder Strecke um den Sieg kämpfen. Fakt ist auch, dass Brawn GP seit Singapur vor allem im Qualifying große Probleme offenbart.

Und es ist Fakt, dass es seit Singapur eine ganze Reihe an Teams und Fahrern gibt, die stark genug geworden sind, um die Titelkandidaten schnell einmal aus den Punkterängen zu verdrängen.

GP-Rechner: Das WM-Finale selbst durchspielen

Elf Strohhalme für Vettel

Wer sind die letzten Strohhalme, an die sich Vettel in Brasilien und Abu Dhabi klammern kann? Ein Überblick:

Mark Webber: Klar, seit der Australier selbst nicht mehr Weltmeister werden kann, muss er alles tun, um seinem Teamkollegen Vettel zu helfen. Darin hat er in Suzuka durch seinen Crash im Training aber leider völlig versagt.

So etwas darf ihm aus Red-Bull-Sicht nicht noch einmal passieren. "Wir tun alles, um Sebastian zu unterstützen", kündigte Teamchef Christian Horner an. Diesen Ruf wird Webber hoffentlich vernommen haben.

McLaren-Mercedes: Wenn die Silbernen in den eigentlich so ungeliebten schnellen Kurven von Suzuka schon aufs Podium fahren konnten, wie stark werden sie dann erst in Brasilien und Abu Dhabi sein?

Lewis Hamilton stand viermal in den letzten sechs Rennen auf dem Podium und wird sicher auch zum Saisonende noch um Siege und Podestplätze fahren. Und auch Heikki Kovalainen ist jederzeit für einen Punkterang gut.

"Suzuka unterstreicht unsere enormen Fortschritte. Wenn wir am Anfang der Saison hier gefahren wären, dann wäre das eine schmerzhafte Erfahrung geworden", sagte Teamchef Martin Whitmarsh. "Ich bin zufrieden mit der Wende, die das Team geschafft hat."

BMW-Sauber: Seit dem großen Update in Singapur schnuppern die Weiß-Blauen auf ihre letzten Tage auch noch mal an einem Podestplatz. Nick Heidfeld hätte in Suzuka ohne die Probleme beim Boxenstopp locker Vierter werden können.

Und das war noch nicht alles. "Unser Auto war richtig schnell, aber das Ergebnis ist enttäuschend", sagte Teamchef Mario Theissen. "Platz vier hätte signalisiert, wo wir hier von der Performance her stehen."

BMW-Sauber kann auch in Brasilien und Abu Dhabi aus eigener Kraft die Top Ten in der Startaufstellung erreichen und dann um Punkte kämpfen. Hat das Brawn-Duo weiterhin im Qualifying Probleme, sind Heidfeld und Kubica mögliche Stolpersteine.

Toyota: Jarno Trulli und Timo Glock fahren die ganze Saison über schon in einer Wundertüte. Mal funktioniert das Auto sehr gut, mal geht gar nichts. Die Tatsache, dass Toyota aber auf so unterschiedlichen Strecken wie in Singapur und in Suzuka stark war, macht Mut für die kommenden Rennen.

"Ich hoffe, dass Timo und Jarno in dieser Saison erneut auf dem Podium stehen werden", sagte Teamchef Tadashi Yamashima. Vettel hofft das auch.

Kimi Räikkönen: Leider für Vettel ist Ferrari seit dem Europa-GP nur noch ein Ein-Mann-Team. Folglich ist auch nur Kimi Räikkönen ein Kandidat für einen Platz zwischen ihm und Button. Dafür allerdings ein sehr zuverlässiger.

In fünf der letzten sechs Rennen landete Räikkönen unter den Top Vier. Der Iceman ist der Grund dafür, dass Ferrari immer noch Chancen auf Platz drei in der Konstrukteurs-WM hat. Um den werden die Roten bis zum Schluss gegen McLaren-Mercedes kämpfen.

Eine gute Nachricht für Vettel, Ferrari wird sich also nicht hängen lassen. "Wir verlassen Suzuka guter Dinge und werden in den letzten zwei Rennen versuchen, den dritten Platz nicht zu verlieren. Das wird nicht einfach, aber wir geben nicht auf", sagte Teamchef Stefano Domenicali.

Kimi Räikkönen: Sebastian Vettels letzte Hoffnung

Nico Rosberg: Ähnlich wie Räikkönen ist Rosberg ein Muster an Konstanz. In Suzuka hat er trotz eigentlich schwachen Autos Barrichello und Button Punkte weggenommen.

In Sao Paulo, vor allem aber auf dem Stadtkurs in Abu Dhabi wird sein Williams deutlich stärker sein. "Abu Dhabi sollte uns sehr gut liegen. Das Layout ist ähnlich wie in Singapur, wo wir sehr stark waren. Brasilien wird irgendwo zwischen Singapur und Suzuka liegen. Punkte sind möglich", sagte Technikchef Sam Michael.

Fernando Alonso: Alonso wurde in Suzuka durch die Strafe im Qualifying deutlich unter Wert geschlagen. Sein Renault war schnell genug für die Top Ten in der Startaufstellung und einen Platz in den Punkterängen.

"Wir müssen uns jetzt auf die beiden ausstehenden Grands Prix konzentrieren und sicherstellen, dass wir im Qualifying gut abschneiden", sagte Alonso. "Wenn uns das gelingt, werden wir mit Sicherheit noch einige WM-Punkte holen und einen positiven Saisonausklang haben."

Adrian Sutil: Zumindest für das kommende Rennen in Brasilien ist Sutil wieder ein Kandidat für WM-Punkte. "Das ist ein ähnlicher Strecken-Typ wie in Suzuka, wo unser Auto konkurrenzfähig war", sagte Sutil.

Schlechter sieht es in Abu Dhabi aus. Dieser Kurs ähnelt eher dem von Singapur. Und dort war Force India unter ferner liefen.

Vettel muss erst einmal alles gewinnen

Fazit: Alles in allem gibt es theoretisch also elf Fahrer, die sich zwischen Vettel und Button schieben können. Natürlich werden das nicht alle schaffen, aber die Auflistung zeigt, dass Vettels Unterfangen vielleicht gar nicht so hoffnungslos ist wie es auf den ersten Blick aussieht.

Unter einer Voraussetzung natürlich: Vettel selbst und auch Red Bull dürfen sich nicht mehr den kleinsten Fehler erlauben und müssen sowohl in Brasilien als auch in Abu Dhabi voll auf Sieg fahren.

Stand in Fahrer- und Konstrukteurs-WM

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung