Formel 1

Die Chance seines Lebens

Von Alexander Mey
Rubens Barrichello liegt in der WM-Wertung aktuell 14 Punkte hinter seinem Teamkollegen Button
© Getty

Rubens Barrichello hat beim Brasilien-GP in Sao Paulo (17.45 Uhr im LIVE-TICKER) die Chance seines Lebens. Von der Pole-Position aus kann er zum ersten Mal bei seinem Heimspiel gewinnen und dadurch die Chance auf den WM-Titel am Leben erhalten. Sebastian Vettel braucht dafür ein kleines Wunder, aber seine Lage ist nicht aussichtslos.

Rubens Barrichello hatte nach dem Erreichen der vielleicht wichtigsten Pole-Position seiner Karriere merkwürdige Sorgen. "Das gab es in 17 Jahren noch nie, dass ich in einem Qualifying zweimal ausgestiegen bin, um zu pinkeln", stellte Barrichello fest.

Aha. Aber war es nicht doch ein bisschen wichtiger, dass Rubinho im Endspurt um den WM-Titel seine Rivalen Jenson Button und Sebastian Vettel um 13, respektive 14 Startplätze distanziert hatte?

"Ich schaue mir nicht an, was um mich herum passiert. Ich fahre so hart, wie ich kann, denn ich kann das Rennen gewinnen. Wenn alles vorbei ist, dann schalte ich den Funk ein und frage, wo Jenson und Sebastian gelandet sind", sagte Barrichello zum Thema Titelkampf.

Barrichello mit weniger Benzin

Wahrscheinlich gar keine schlechte Einstellung, denn wohin man mit zu viel Nachdenken und auf Sicherheit Fahren kommt, sieht der Brasilianer seit einigen Rennen an seinem Teamkollegen Button.

Außerdem bleibt Barrichello gar nichts anderes übrig, als voll auf Attacke zu fahren. Er hat am wenigsten Benzin von allen Fahrern an Bord und wird um Runde 20 herum zum ersten Mal tanken müssen. Zu dem Zeitpunkt muss er seine direkten Verfolger Mark Webber und Adrian Sutil schon um ein paar Sekunden abgehängt haben.

Benzinmengen: Barrichello ist am leichtesten

Das wird vor allem bei Webber nicht einfach werden, denn der Red Bull machte im Nassen und im Trockenen einen sehr starken Eindruck. "Mark wird versuchen, das Rennen zu gewinnen", sagte Teamchef Christian Horner. "Wir werden von der ersten bis zur letzten Runde alles geben."

Horner: "Sebastian hatte unglaubliches Pech"

Zugleich lieferte er eine Erklärung für das bittere Ausscheiden von Sebastian Vettel in der ersten Quali-Runde. "Sebastian hatte unglaubliches Pech. Er hätte nur diese kritische Phase überstehen und in die zweite Session einziehen müssen, dann wäre er sicher auch da vorne gewesen."

Vettel hatte das Pech, dass er in dem schmalen Zeitfenster, in dem halbwegs schnelle Runden möglich gewesen wären, immer im Verkehr festgesteckt hat. Als er dann endlich freie Bahn hatte, stand schon zu viel Wasser auf der Strecke.

Vettel mit Trocken-Set-Up unterwegs

Dazu kam, dass Red Bull bei Vettel nach Aussage des Teamchefs kompromisslos auf ein Trocken-Set-Up für das Rennen gesetzt hat und vom starken Regen im Qualifying überrascht wurde.

Das ist bitter für Vettel, aber noch nicht ganz aussichtslos. Denn sollte es im Rennen trocken oder am besten wechselhaft sein, dann kann er dank seines Set-Ups und des vielen Benzins an Bord durchaus noch weit nach vorne kommen, sollte es im Rennen eine Safety-Car-Phase geben. Und das ist nach den Erkenntnissen des Qualifyings nicht unwahrscheinlich.

Je chaotischer, desto besser für Vettel

Die Wettervorhersagen für Sonntag sehen ähnlich aus wie die für Samstag. Es kann regnen, muss aber nicht. Je chaotischer es wird, desto besser wohl für Vettel. Denn verlieren kann er von Startplatz 15, den er von Vitantonio Liuzzi wegen eines Getriebewechsels an dessen Force India geerbt hat, aus ohnehin nichts mehr.

"Es haben schon andere von solchen Startpositionen aus gewonnen. Klar ist aber auch, dass es viel schwieriger geworden ist", machte sich Vettel selbst Mut. Er muss mindestens Zweiter werden, um theoretisch im Titelrennen zu bleiben.

Button will Druck nach vorne machen

Dazu dürfte Button aber höchstens Achter werden. Aber der WM-Leader will mehr: "Es wird ein höllisches Rennen für mich, denn ich will nicht nur ein paar Punkte sammeln. Ich will ein viel besseres Ergebnis, also werde ich morgen kämpfen - und ich bin sicher, da werden auch noch einige andere von hinten das Feld aufrollen."

Button hat für ungefähr sechs Runden weniger Benzin an Bord als Vettel. Während der Deutsche also relativ sicher auf eine Einstopp-Strategie setzt, hat Button die Wahl. Allerdings muss er wie Vettel auf beide McLaren aufpassen, die mit sehr wenig Benzin und KERS von hinten Druck machen werden.

Button reicht ein Dritter Platz zum Titel

Es wird ein hochinteressantes Rennen werden, denn im Hinterfeld tummeln sich allerhand große Namen, die versuchen werden, nach vorne zu stürmen.

Wie weit sie kommen, wird Barrichello erst nach der Zieldurchfahrt erfahren. So lautet zumindest sein Plan. Er weiß nur: Wenn er gewinnt und Button nicht aufs Podium kommt, hat er in Abu Dhabi auf jeden Fall noch die Chance, mit 37 Jahren zum ersten Mal Weltmeister zu werden.

Der WM-Stand zwei Rennen vor Schluss

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung