Formel 1

Bei Brawn liegen die Nerven blank

Von Alexander Mey
Sonntag, 12.07.2009 | 20:30 Uhr
Rubens Barrichello lag im ersten Renndrittel vor Mark Webber in Führung
© xpb

Red Bull hat beim Deutschland-GP auf dem Nürburgring schon den zweiten Doppelsieg in Folge gefeiert. Spätestens jetzt sind sowohl Sebastian Vettel als auch Mark Webber zurück im Rennen im den WM-Titel. Das weiß auch Brawn GP. Jenson Button wird schon nervös. Bei Rubens Barrichello liegen sogar die Nerven blank. Er greift das Team hart an.

21 Punkte Vorsprung in der Fahrerwertung, 20,5 Punkte Vorsprung in der Konstrukteurs-Wertung. Eigentlich kein Grund zur Panik, aber bei Brawn GP liegen nach der Schlappe beim Deutschland-GP die Nerven blank.

"Wir sind natürlich ein bisschen besorgt, kein Wunder nach einem sechsten und einem fünften Platz", sagte Button. "Zumindest hat nicht Vettel gewonnen, denn ein Sieg von ihm wäre ein Desaster gewesen."

Jetzt nachlesen: So lief das Rennen auf dem Nürburgring

Teamchef Ross Brawn musste feststellen: "Wir müssen beim nächsten Rennen antworten, sonst werfen wir die Meisterschaft weg."

Barrichello verliert die Fassung

Wer nach diesen Aussagen schon die Alarmglocken bei Brawn GP läuten hört, der sollte sich bei dem, was Rubens Barrichello direkt nach dem Rennen sagte, besser die Ohren zuhalten. Er fühlte sich von strategischen Fehlern des Teams um den Sieg betrogen.

"Das war eine gute Demonstration des Teams, wie man ein Rennen verliert", schimpfte Barrichello. "Ich bin unglaublich sauer darüber, wie das heute gelaufen ist. Ich habe alles richtig gemacht, aber das Team hat das Rennen für mich verloren. Wenn das so weitergeht, dann verlieren wir die WM noch."

Barrichello: "Das ist doch alles nur Blabla"

Barrichello regte sich unheimlich darüber auf, dass die Tankanlage bei seinem zweiten Boxenstopp nicht funktionierte und er so noch einmal zum Tanken kommen musste. Es hat ihn aber sicher zusätzlich gewurmt, dass er nach seinem dritten Stopp hinter Teamkollege Button zurückgefallen ist.

"Am liebsten würde ich mich sofort ins Flugzeug setzen und nach Hause fliegen. Ich habe gar keine Lust, mit irgendjemandem aus dem Team zu reden. Das ist doch alles nur Blabla und das interessiert mich nicht", legte Barrichello nach.

Gemüter haben sich wieder etwas beruhigt

Im Nachhinein redete er dann doch noch mit Teamchef Brawn und gab danach zu Protokoll, er verstehe nun, warum er das Rennen nicht habe gewinnen können. In Wahrheit setzte es wohl eine Standpauke von Brawn.

Denn mit den Aussagen von Barrichello konfrontiert, sagte der Teamchef: "So spricht ein frustrierter Rennfahrer. Rubens ist im Rennen die elftschnellste Rundenzeit gefahren. Damit kann man nicht gewinnen, egal mit welcher Strategie."

Überbewerten wollte Brawn Barrichellos Wutausbruch aber auch nicht: "Er ist sehr frustriert, aber das sind wir auch. Rubens ist ein sehr wichtiges Mitglied des Teams und genießt Rückhalt. Der geht nicht durch ein paar hitzige Worte nach dem Rennen kaputt."

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Red Bull eröffnet Titelkampf

Brawn GP sollte sich ohnehin davor hüten, sich selbst zu zerfleischen. Denn das ist ein Job, den Red Bull gerne erledigen möchte. Nach zwei Doppelsiegen in Folge hat das Team Lunte gerochen.

"Dieser Doppelsieg ist ein brillantes Team-Ergebnis. Er bringt uns zurück in die Jagd um beide Meisterschaften", sagte Teamchef Christian Horner.

Nehmen sich Vettel und Webber gegenseitig Punkte weg?

Red Bulls Problem ist nur, dass Vettel (47 Punkte) und Webber (45,5 Punkte) in der Fahrerwertung quasi gleichauf liegen. Es könnte also sein, dass sie sich im Kampf gegen Button gegenseitig im Weg stehen.

Darauf hofft Button zumindest. "Vettel hat Webber in der Meisterschaft nun genau hinter sich. Sie werden sich gegenseitig Punkte wegnehmen", sagte der WM-Leader.

Vettel: "Mark war heute unschlagbar"

Noch ist bei Vettel und Webber aber keine Spur von teaminternem Kleinkrieg. Vettels Glückwunsch an den Teamkollegen wirkte ehrlich.

"Gratulation an Mark, er war heute einfach unschlagbar", sagte Vettel. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich rundum glücklich bin. Natürlich wollte ich hier gerne gewinnen, aber Mark war der Bessere und hat es verdient."

Eins steht fest: Zu Beginn der zweiten Saisonhälfte ist die Stimmung bei Red Bull deutlich besser als die bei Brawn GP. Hoffentlich bleibt das noch ein bisschen so, denn dann können sich alle Fans auf einen spannenden WM-Endspurt freuen.

So steht es in den beiden WM-Wertungen

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