Formel 1

"Kritik an Lewis ist lächerlich"

Von Alexander Mey
Lewis Hamilton humpelte auf dem Nürburgring eine Runde lang an die Box zurück
© xpb

McLaren-Mercedes feierte am Nürburgring eine kleine Wiederauferstehung - nur leider hat es im Rennen kaum jemand bemerkt. Die Plätze acht und 18 täuschen darüber hinweg, dass es für die Silberpfeile der größte Tag der Saison hätte werden können. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug  blickt im Gespräch mit SPOX auf den Deutschland-GP zurück und verurteilt die "lächerliche" Kritik an Lewis Hamilton.

Vor dem Start zum Deutschland-GP war die silberne Welt noch in Ordnung. Mit einer Ehrenrunde historischer Silberpfeile vor den voll besetzten Tribünen am Nürburgring feierte Mercedes den 75. Geburtstag der silbernen Renner.

Und die Party ging weiter. Fünf Mercedes-betriebene Autos auf den ersten sieben Startplätzen, vor der ersten Kurve die Plätze eins und vier für Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen. Der neue Unterboden und der neue Frontflügel an Hamiltons Auto schienen voll eingeschlagen zu haben.

Neuer McLaren konnte Potenzial nicht zeigen

Doch dann war es vorbei mit der Herrlichkeit. Hamilton kollidierte beim Einlenken in die erste Kurve leicht mit Mark Webber. Dessen Frontflügel schlitzte den Hinterreifen von Hamiltons McLaren auf - aus, vorbei. Hamilton humpelte an die Box, das Rennen war gelaufen.

"Leider konnten wir im Rennen nicht zeigen, was unser neues Aerodynamik-Paket wirklich gebracht hätte", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug im Gespräch mit SPOX. "Dazu ist auf der ersten Runde mit dem zerstörten Reifen der Unterboden viel zu sehr beschädigt worden. Danach war kein großer Speed mehr möglich."

Webber entschuldigt sich für Startcrash

Ärgerlich, vor allem, weil Hamilton überhaupt nichts für die Kollision mit Webber konnte. "Ich mache Mark überhaupt keinen Vorwurf, aber er war natürlich schon emsig unterwegs", sagte Haug. "Erst kollidiert er mit Barrichello, dann touchiert er noch Lewis. Für ihn ist es gut ausgegangen. Lewis hat es diesmal leider erwischt. Das war sehr unglücklich. Mark hat mir nach dem Rennen aber eine E-Mail geschickt und sich entschuldigt."

Ein feiner Zug von Webber, aber er ändert nichts daran, dass McLaren-Mercedes die Gelegenheit verpasst hat, den ersten Podestplatz der Saison einzufahren.

"Wenn Lewis als Erster durch die erste Kurve kommt, ist sehr viel möglich. Denn dank KERS hätte er sich immer sehr gut verteidigen können und es wäre unwahrscheinlich gewesen, dass Lewis im ersten Stint überholt worden wäre", sagte Haug und bilanzierte: "Red Bull hätten wir nicht schlagen können, ein Podium wäre aber allemal drin gewesen."

Haug nimmt Hamilton in Schutz

Nachdem das Thema erledigt war, setzte Hamilton einen Funkspruch in Richtung Box ab, der später für Aufregung sorgte. Der Weltmeister wollte das aussichtslose Rennen aufgeben, um den Motor und das Getriebe zu schonen.

Eine Einstellung, für die er heftig kritisiert wurde. Dafür hat Haug überhaupt kein Verständnis: "Lewis wegen vermeintlicher Lustlosigkeit zu kritisieren, ohne genau zu wissen, was los ist, ist lächerlich. Da wird nach irgendetwas gesucht, was man bemängeln kann."

Haug lobte Hamilton sogar für seine Übersicht: "Ein kluger Fahrer muss diese Frage stellen und ich rechne ihm hoch an, dass er auf diese Idee kommt. Dass wir ihm dann sagen, dass wegen Regens oder Safety-Car noch viel passieren kann und er deshalb weiterfahren soll, ist eine ganz andere Sache."

McLaren-Mercedes in Ungarn mit KERS

Nach der Pleite vom Nürburgring will McLaren-Mercedes in Ungarn zeigen, was das neue Aerodynamik-Paket leisten kann. Dann übrigens auch wieder mit KERS, das laut Haug gerade auf den engen Kursen, auf denen viel gebremst wird, den größten Vorteil bringt.

Ehrgeizige Zielvorgaben will der Sportchef vor dem nächsten Rennen trotzdem nicht machen, denn: "Mein Motto lautet: Man sollte immer auf der Strecke besser aussehen als in der Pressemitteilung. Dann ist man gut unterwegs. Wenn es umgekehrt ist, hat man ein Problem."

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