Formel 1

Verkehrte deutsche Welt

SID
webber, rosberg, sutil
© Getty

Zum ersten Mal in dieser Saison gewinnt Mark Webber das Driver-Ranking - passend zu einem fast perfekten Wochenende mit nur zwei kleinen Schönheitsfehlern. Sebastian Vettel ist hinter Nico Rosberg nur zweitbester Deutscher. Adrian Sutil ist ein Härtefall, Jenson Button geht leer aus.

Meine Wertung für den Deutschland-GP:

Jetzt Nachlesen: Das Driver-Ranking zum Großbritannien-GP

Platz 1, Mark Webber: Ich schreibe schon die ganze Saison, dass ich Webber für so gut halte wie noch nie - und er tut mir den Gefallen und bestätigt mich von Rennen zu Rennen mehr. Danke Mark! Am Nürburgring führte kein Weg an ihm vorbei. Er war der Schnellste im Qualifying und er war noch klarer der Schnellste im Rennen. Er hatte aber auch Glück. Erst am Start die Kollision mit Rubens Barrichello, die absolut unbeabsichtigt war, davon bin ich überzeugt. Dann auch noch das Touchieren von Lewis Hamilton in der ersten Kurve, das dessen Rennen zerstört hat und Webber leicht den Frontflügel hätte kosten können. Beide Aktionen hätten das Aus für Webber bedeuten können, aber an manchen Tagen hat man eben einfach einen Lauf. Eine witzige Anekdote am Rande: Drei Tage vor dem Deutschland-GP hat Mark Webber im SPOX-Interview noch angekündigt, dass sein erster Sieg bald kommen wird.

Platz 2, Nico Rosberg: Für ihn gilt das gleiche wie für Webber. Er fährt eine Hammer-Saison. Bisher hat Rosberg den Grundstein für seine guten Ergebnisse meistens im Qualifying gelegt, das hat diesmal nicht geklappt, weil er Pech mit dem einsetzenden Regen hatte. Doch dann im Rennen von 15 auf vier zu fahren - und das nicht mit dem allerschnellsten Auto. Das ist einen Applaus wert.

Platz 3, Felipe Massa: Der Brasilianer steht für den Aufschwung von Ferrari. In diesem Jahr zeigt er, dass er auch mit einem nicht perfekten Auto konstant gute Leistungen bringen kann. Der Nürburgring war das beste Beispiel. Toller Start, fehlerloses Rennen, optimale Ausbeute. Im Gegensatz zu Kimi Räikkönen holt Massa das Optimum aus dem F60 heraus. Wenngleich man sagen muss, dass Räikkönen diesmal für seinen Ausfall nicht das Geringste konnte.

Platz 4, Sebastian Vettel: Ausgerechnet beim Heimspiel konnte Vettel erstmals das Tempo seines Teamkollegen nicht mitgehen. Sowohl im Qualifying als auch im Rennen war Webber deutlich schneller. Teilweise hat er Vettel im Rennen mit den gleichen Reifen eine Sekunde pro Runde abgenommen. Auch mit einem guten Start hätte Vettel Webber an diesem Tag nicht geschlagen. Wunderkind hin oder her. Webber ist im Vergleich zu Vettel im Moment absolut gleichwertig.

Platz 5, Adrian Sutil: Bis Runde 27 war Sutil ein Siegkandidat für das Ranking. Doch dann dieser unnötige Crash mit Räikkönen, der ihm das ganze tolle Wochenende zerstört hat. Sutil war nicht unbedingt schuld an dem Crash, daher schafft er es bei mir auch locker in die Punkte. Aber es ist nicht das erste Mal, dass Sutil ein sehr gutes Rennergebnis nicht ins Ziel bringt. Langsam wird er in dieser Hinsicht der tragische Held der Formel 1.

Platz 6, Fernando Alonso: Die erste Quali überhaupt gegen Nelson Piquet Jr. verloren, in der Einführungsrunde gedreht. Es sah lange nach einem Wochenende zum Vergessen für Alonso aus. Doch dann kam dieser unglaubliche letzte Stint in einem generell fehlerfreien Rennen. Alonso drehte eine schnellste Rennrunde nach der anderen und hätte sogar fast beide Brawns noch kassiert. Keine Ahnung, wo er diese Rundenzeiten mit dem Renault hergeholt hat, aber das war schon sehr beeindruckend. Wieder einmal hat er gezeigt, warum er einer der besten Fahrer ist.

 

Platz 7, Heikki Kovalainen: Ab Platz 7 tue ich mich sehr schwer mit der Punktevergabe. Kovalainen setze ich deshalb auf diese Position, weil mir imponiert hat, wie gut er trotz alten Unterbodens und alten Frontflügels mit Hamilton mithalten konnte. Im Qualifying standen beide in der gleichen Startreihe, im Rennen hat sich Kovalainen nach tollem Start sehenswert gegen Jenson Button verteidigt. Dass er danach sukzessive zurückgefallen ist, lag zum großen Teil am Auto. Immerhin hat er am Ende den einen WM-Punkt gegen den Druck von Timo Glock festgehalten.

Platz 8, Rubens Barrichello: Bei ihm ist es mal wieder an der Zeit zu betonen, dass ich nur nach fahrerischer Leistung und nicht nach Geschwätz neben der Strecke beurteile. Und fahrerisch fand ich ihn an diesem Wochenende einen Tick besser als Jenson Button. Im Qualifying hat er ihn trotz schwereren Autos geschlagen, im Rennen hat er den Start perfekt hinbekommen und das Rennen im ersten Viertel angeführt. Danach hat er allerdings nicht mehr annähernd die für eine (erzwungene) Dreistopp-Strategie erforderlichen Rundenzeiten hinbekommen. Das ging Button, der nur in den ersten Runden durch ein paar gute Überholmanöver geglänzt hat, aber genauso. Auch wenn das, was Barrichello nach dem Rennen seinem Team an den Kopf geworfen hat, weit übertrieben war, gebe ich ihm Recht, dass er ohne die Tankpanne Dritter hätte werden können.

Härtefall 1, Lewis Hamilton: Ohne Zweifel war Hamilton stark. In allen Trainings, im Qualifying und auch am Start. Und auch ohne Zweifel hätte er bei normalem Rennverlauf aufs Podium fahren können. Aber in diesem Fall reichen Konjunktive nicht für Punkte. Warum? Erstens war seine Überlegenheit im Qualifying gegenüber Teamkollege Kovalainen angesichts eines klar schnelleren Autos - das Team spricht von einer dreiviertel Sekunde -  nicht groß genug. Zweitens ist er nach dem Pech am Start nicht mehr positiv aufgefallen. Konnte er auch nicht, weil sein Auto danach beschädigt war, aber Punkte im Ranking sind damit eben nicht drin. Dass er nachgefragt hat, ob er nicht lieber aufgeben soll, um das Material zu schonen, finde ich in Zeiten von limitierten Motoren und Getrieben übrigens legitim.

Härtefall 2, Timo Glock: Machen wir es kurz: Sein Rennen war klasse, er hat sich aus der Boxengasse fantastisch durch das Feld gearbeitet. Aber wer so ein desolates Qualifying hinlegt, darf sich nicht beschweren, wenn er am Ende leer ausgeht - sowohl in der WM-Wertung als auch im Driver-Ranking.

Meine Punkte für das Nürburgring-Wochenende:

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