Formel 1

"Nur einer von drei hat überlebt"

SID
Sir Jackie Stewart zusammen mit Niki Lauda
© Getty

Sir Jackie Stewart ist eine der schillerndsten Figuren der Formel-1-Geschichte. 27 Siege fuhr der dreimalige Champion für diverse Teams ein und gab der berüchtigten Nordschleife einst den Namen "Grüne Hölle". Doch als größten Sieg bezeichnet er, "dass ich noch immer Geburtstag feiern kann." Am Donnerstag wird er 70.

Während seiner Zeit hinter dem Lenkrad hat Stewart insgesamt 57 tödliche Unfälle von Kollegen und Freunden miterlebt. "In der Formel 1, Formel 2, Indianapolis, Sportwagen-WM, und so weiter. Unsere Überlebenschance war damals, statistisch, 2:3, das heißt: Einer von drei hat überlebt", sagt Stewart dem Fachblatt "Motorsport aktuell".

Da ist es nicht verwunderlich, dass Stewart, der einst der Nordschleife des Nürburgrings ihren Spitznamen "Grüne Hölle" verpasste, neben dem Rennwagen einer der engagiertesten Kämpfer für mehr Sicherheit war.

Ritterschlag mehr wert als sportliche Erfolge

Vielleicht hat auch das dazu beigetragen, dass er 2001 von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen wurde. "Das war ein sehr stolzer Augenblick für mich. Das bedeutete mir mehr als mein erster Sieg und war wichtiger als der Gewinn des WM-Titels oder meine Erfolge als Teambesitzer", sagte Stewart damals.

Dabei wäre sein Leben vielleicht ganz anders verlaufen, wenn er nicht als Kind einen schwachen Knochenbau gehabt hätte. "Aber beim Fußball habe ich mir dauernd irgendwas gebrochen", sagte Stewart, der sich danach erfolgreich als Tontaubenschütze versuchte.

Der 1939 im schottischen Dorf Dumbeck bei Dumbarton geborene Sohn eines Tankstellenbesitzers war Junioren-Weltmeister, WM-Sechster bei den Senioren und beinahe Olympia-Teilnehmer 1960 in Rom (Ersatzmann im britischen Team).

Erste starts unter Pseudonym

Seine große Liebe war aber immer der Rennsport, die er nach einigen schweren Unfällen seines Bruders Jimmy zunächst aber vor der Familie geheim hielt. 1963 fuhr Stewart noch unter dem Pseudonym "A.N. Other" (Irgendjemand).

Aber schon zwei Jahre später debütierte er in der Formel 1, stand im zweiten Rennen als Dritter erstmals auf dem Podest und gewann in seiner Premierensaison auch seinen ersten Grand Prix - in Monza, bei seinem erst achten Start.

Vier Minuten Vorsprung auf der berüchtigten Nordschleife

Es folgten die WM-Titel 1969, 1971 und 1973 sowie 26 weitere Siege. Der letzte am 5. August 1973 ausgerechnet auf der von ihm wegen mangelnder Sicherheit oft scharf kritisierten Nordschleife, wo er am 4. August 1968 im dichten Nebel mit vier Minuten (!) Vorsprung auch einen seiner größten Triumphe gefeiert hatte.

Der Entschluss zum Rücktritt war schon im März 1973 gereift, nachdem er einen schweren Trainingsunfall in Kyalami unverletzt überstanden hatte. Seinen Abschied zum Jahresende teilte er zunächst nur seinem langjährigen Teamchef Ken Tyrrell mit, nicht aber seiner Frau. "Helen hätte sonst gewollt, dass ich sofort aussteige", sagte er.

Verzicht auf das 100. Rennen

Stewarts Abschiedsvorstellung, bereits als feststehender Weltmeister, hätte eigentlich sein 100. Rennen beim Saisonfinale in Watkins Glen werden sollen. Nachdem dort aber Freund und Teamkollege Francois Cevert im Training tödlich verunglückt war, verzichtete Stewart auf den Start und trat mit 99 Grand Prix ab.

Als Berater, Repräsentant und TV-Kommentator blieb er der Formel 1 aber bis heute treu. Von 1997 bis 1999 betrieb er gemeinsam mit Sohn Paul, wie er selbst Legastheniker, sogar ein eigenes Team, das er später an Ford verkaufte. Und auch als Teamchef durfte er zumindest einen Sieg bejubeln - von Johnny Herbert 1999 auf dem Nürburgring.

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