Formel 1

Wodka, Schneefall & Verrückte

Von Jan-Hendrik Böhmer
Regen in Silverstone: Für Sebastian Vettel (hier in China) kein Problem
© Getty

Sebastian Vettel hat die besten Chancen, den Großbritannien-GP in Silverstone (So. ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) zu gewinnen. Mit dem schwersten Auto der Spitzengruppe startet er von der Pole-Position. Brawn schwächelt. Ein Gegner wird verzweifelt gesucht.

Es wird das Rennen des Sebastian Vettel. Jedenfalls sollte es das. Denn alle Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Sie schreien förmlich: "Sieg für Sebastian Vettel."

Zweifel? Ok, dann fassen wir mal kurz zusammen: Der Red-Bull-Pilot war im Qualifying nicht nur der Schnellste, er hatte auch mit Abstand das meiste Benzin an Bord. Nämlich 61,5 Kilogramm. Keiner der Top-Ten-Piloten kann auch nur annähernd so lange fahren.

Vettel überrascht: Alle Benzinmengen in der Übersicht

Das kleine Einmaleins des Sebastian V.

In Zahlen ausgedrückt: Vettel kann mindestens drei Runden länger auf der Strecke bleiben als beispielsweise Teamkollege Mark Webber. Die Brawn-GP-Boliden (beide übrigens mit der gleichen Benzinmenge unterwegs) müssen sogar vier Runden früher an die Box.

Da drängt sich die Frage auf: Wer oder was soll den Red-Bull-Piloten eigentlich noch aufhalten? Gehen wir die Liste einfach mal durch. Ganz langsam und der Reihe nach.

Fehlerfaktor Vettel. "Vor zwei Wochen stand ich auch vorne…", sagt Vettel. Stimmt, sagen wir. Und dann kam dieser Fahrfehler. Der dritte im siebten Rennen, übrigens. Zwar hätte er Button in der Türkei nicht halten können, doch solche Ausrutscher kosteten wichtige Punkte. "Ich hoffe, dass er morgen keinen Fehler macht", sagt Teamchef Christian Horner. 

Der Start. Nicht gerade Vettels Parade-Disziplin. Mal abgesehen von Istanbul. Was also, wenn ihn einer oder - noch schlimmer - gleich mehrere Piloten in den ersten Kurven an ihm vorbeiziehen? Kein Problem. Denn um Vettel zu schaden, müsste ihn jemand so lange aufhalten, bis der Spritvorteil keiner mehr ist. Und das geht schlecht, wenn die potentiellen Bremsklötze alle selbst früher zum Tanken an die Box müssen.

Achtung, Unfallgefahr! Silverstone ist immer gut für einen Zwischenfall. Sechs Mal musste das Safety-Car in den vergangenen neun England-GP auf die Strecke. Und kracht es zum falschen Zeitpunkt, könnte es Vettels Gegnern in die Karten spielen. Etwa wenn sie während einer Zwangs-Einbremsung ihren Boxenstopp absolvieren können und damit Vettels Vorteil egalisieren. Doch das ist längst nicht alles. Auch Vettel selbst könnte es erwischen. Neben ihm steht schließlich Rubens Barrichello. Barrichello? Kollisionen? Da war doch was… 

Buttons Wiederauferstehung. "Unser Abstand zu Red Bull ist geringer, als es aussieht", sagt Jenson Button. Und: "Wenn es nicht so kalt gewesen wäre, hätten sie wohl keinen solchen Vorteil gehabt." Die britischen Fans wird es freuen. Pech für Button (und die Fans): Am Sonntag soll es nicht unbedingt wärmer werden. Und deshalb schränkt er selbst noch ein: "Es wird wohl doch sehr schwierig werden, die Red Bulls zu kriegen." Punkt.

Der Teamkollege. Mark Webber ist sauer, ziemlich sauer. Auf Kimi Räikkönen, der ihn auf seiner vermeintlichen Pole-Runde behinderte. "Ich weiß wirklich nicht, was zur Hölle Kimi da getan hat. Trinkt er etwa Wodka, träumt er - oder was?", sagte er nach dem Qualifying. Was das mit Vettel zu tun hat? Einiges. Denn Webbers Rückstand täuscht. Er hatte das Potential für die Pole und will es seinem jüngeren Teamkollegen (der in den Quali-Duellen mit 8:0 führt) unbedingt schlagen. Mit Wut im Bauch könnte er über sich hinauswachsen.

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Das Wetter. In Silverstone ist alles möglich. Es gab hier sogar schon ein Rennen, das wegen starken Schneefalls abgebrochen werden musste. Und etwas in dieser Größenordnung braucht es wohl auch, um Vettel zu bremsen.Denn dass es der 21-Jährige auch bei kalter Dusche von oben so richtig krachen lassen kann, hat er bereits mehrfach bewiesen. Und so wird es ihn kaum stören, dass für Sonntag eine Regenwahrscheinlichkeit von 80 Prozent vorausgesagt wird. Kleiner Wehrmutstropfen: Im letzten Jahr kam Vettel bei Regen nicht ins Ziel.

Verrückte. Achtung, jetzt wird es abwegig. Gefahr droht Vettel nämlich auch von einem irren Iren: Neil Horan. Der ist kein Formel-1-Pilot sondern ein von der Kirche suspendierter katholischer Priester. Und er stört gerne Spitzensportler. 2003 lief er in Silverstone mit einem "Lest die Bibel"-Schild auf die Strecke und wurde fast überfahren, bei den Olympischen Spielen in Athen schubste er den führenden Marathon-Läufer, so dass dieser nur Dritter wurde. Also: Aufpassen, Sebastian.

Wir. Ja. Wir, also SPOX, gefährden wieder einmal den sicher geglaubten Vettel-Sieg. Wie das? Kurzer Rückblick. Kollege Mey schrieb vor Istanbul: "Hoffentlich wird es langweilig! Drei Gründe für einen Vettel-Sieg". Und was ist passiert? Vettel patzt! Vermutlich haben wir deshalb den Kollegen diesmal in den Urlaub geschickt und uns gleich acht Gründe herausgesucht, warum Vettel nicht gewinnen könnte…

Die Qualifikation zum Großbritannien-GP: "Trinkt der Wodka oder was!?"

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