Formel 1

Vettel stürzt (vorerst) den König

Von Jan-Hendrik Böhmer
Kommt es zwischen Sebastian Vettel (l.)und Jenson Button noch zum direkten WM-Kampf?
© Getty

Mit einer überzeugenden Leistung hat Sebastian Vettel den Großbritannien-GP gewonnen - und bei den Fans die Hoffung auf eine spannende WM geschürt. Denn erstmals in dieser Saison war Red Bull an einem gesamten Wochenende auch Gewichts-bereinigt das dominierende Team. Doch war das bereits die Trendwende in der WM?

Wenn es nach Red Bull geht, ja. "Wir mussten nicht einmal ans Limit gehen", sagt der dortige Motorsportberater Dr. Helmut Marko bei "RTL". "Unser Auto ist eine Sensation."

So lief das Rennen: Vettel ist der König von England

Offensichtlich. Denn es ist nicht vom Tisch zu weisen, dass sich Red Bull mit dem neuen Aerodynamik-Paket von Chefdesigner Adrian Newey enorm verbessert hat. "Adrian hat hervorragende Arbeit geleistet", bestätigt Teamchef Christian Horner.

Ferrari lobt Red Bull

Und auch von der Konkurrenz kommt Lob. "Red Bull hat dieses Wochenende einen sehr großen Schritt gemacht", analysiert Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.

Doch ist die WM dadurch schon jetzt wieder offen? "Offen nicht, aber es hat genau das gebraucht, was wir heute gesehen haben: Es muss jemand schneller sein als Brawn", sagt Premiere-Experte Marc Surer. "Und so, wie das Auto heute ging, ist alles möglich."

Brawn kündigt Revanche an

Das hört man bei Brawn nur ungern - und relativiert. "Wir bauen leistungsmäßig sicher nicht ab", meint Rubens Barrichello - immerhin Dritter im Rennen. "Wir hatten bei den kühlen Bedingungen nur Probleme die Reifen auf Temperatur zu bekommen."

Auch Teamchef Ross Brawn will nicht von einer Trendwende reden. "Es ist ja nicht so, dass wir plötzlich richtig schlecht waren. Auch wenn wir von Red Bull diesmal eine schöne Abreibung bekommen haben", so der Brite. Doch damit habe man gerechnet. 

"Wir haben gewusst, dass Red Bull in der Türkei und besonders hier in Silverstone stärker sein würde, weil ihrem Auto die Streckencharakteristik besser liegt", erklärt Brawn-Geschäftsführer Nick Fry. "Schon am Nürburgring werden wir wieder stärker sein."

Entwicklungsvorteil bei Red Bull?

Der Grund für den Optimismus: Während Silverstone als klassische Aerodynamikstrecke eindeutig Red-Bull-Territorium war, sollte der Deutschland-GP mit seinem Verlangen nach mechanischem Grip wieder dem Brawn entgegenkommen. Und anschließend geht es zur Hitzeschlacht an den Hungaroring - Pobleme mit dem Aufwärmen der Reifen solle es hier nicht geben. Brawn-Tenor: Wir sind weiter auf WM-Kurs.

Dennoch will man in der Zwischenzeit nicht auf der faulen Haut liegen. "Wir werden uns das genau ansehen und Gegenmaßnahmen ergreifen", so Brawn.

Ob der finanziell verhältnismäßig schwache Brawn-Rennstall dabei allerdings mit dem Entwicklungs-Tempo eines durch den Erfolg angespornten Red-Bull-Teams mithalten kann, ist fraglich. Zwar ist Brawn für seine Geniestreiche bekannt, doch bei Red Bull hat man ob des Erfolges Lunte gerochen und könnte noch einmal zusätzliche Ressourcen frei machen.

Machtübernahme vertagt

Teamchef Horner kündigt jedenfalls weitere Verbesserungen an: "Langsam aber sicher kommen wir näher." Und das ist auch nötig, denn nur wenn Red Bull auch auf vermeintlichen Brawn-Strecken die Nase vorn hat, dann ist der WM-Titel in Reichweite.

Denn: "Wenn wir wirklich noch eine spannende WM sehen wollen, dann muss jemand in der Lage sein, Brawn bei jedem Rennen zu schlagen", sagt Surer.

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