Mission impossible für Vettel

Von Alexander Mey
Samstag, 23.05.2009 | 20:20 Uhr
Sebastian Vettel liegt in der Fahrerwertung auf Platz drei
© Getty
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Kein Wunder, dass Sebastian Vettel nach Platz vier im Qualifying zum Monaco-GP keine gute Laune hatte. Der Red-Bull-Pilot ahnte wahrscheinlich schon, dass er nach der Veröffentlichung der Benzinmengen gegen Pole-Sitter Jenson Button, Kimi Räikkönen und Rubens Barrichello alt aussehen würde. Und so war es auch.

26,5 Kilogramm. So wenig Benzin hatte in der gesamten Saison noch nie ein Fahrer am Start im Tank. 26,5 Kilogramm, das sind auf dem kurzen und engen Stadtkurs in Monaco rund elf Runden. Verdammt wenig, zu wenig für einen Podestplatz von Sebastian Vettel?

Die Benzinmengen aller Fahrer im Überblick

"Heute wäre mehr drin gewesen", sagte Vettel im Premiere-Interview. "Drei Plätze weiter nach vorne wären ideal gewesen, aber leider hatte ich im letzten Run Verkehr. Ich hätte mir die Runde eigentlich gut einteilen können, aber leider stand ausgangs Rascasse Nakajima die ganze Zeit. Der hat mir den letzten Run ein bisschen versaut."

Vettel hofft auf einen Startcrash

Wahrscheinlich nicht nur den, sondern sogar das ganze Rennen. Denn eins ist klar: Gelingt Vettel kein Traumstart, der ihn auf Platz eins katapultiert, dann wird er nach seinem sehr frühen ersten Stopp ganz weit zurückfallen. Seine einzige Chance wäre, in den ersten Runden viel Vorsprung herauszufahren.

Jetzt nachlesen: So lief das Qualifying

"Ich hoffe, dass sich die ersten Drei in der ersten Kurve nicht einig werden und dass ich dann als lachender Erster aus der ersten Kurve herauskomme", sagte Vettel, gestand sich aber selbst ein: "So wird es wahrscheinlich nicht werden."

Beste Siegchancen für Button

Bleibt nach dem Start die Reihenfolge an der Spitze bestehen, wird aller Voraussicht nach kein Weg an Button vorbei führen. Mit 42,5 Kilogramm Benzin an Bord ist er fast genauso schwer wie Teamkollege Rubens Barrichello und sogar einen Tick schwerer als Kimi Räikkönen auf Startplatz zwei. Beste Voraussetzungen für den fünften Sieg im sechsten Rennen.

"Ich habe nichts zu meckern, schließlich habe ich die Pole geholt", sagte Button, bei dem nach der vierten Pole-Position der Saison langsam aber sicher etwas Routine einkehrt.

Brawn: "Jenson verblüfft uns immer mehr"

Nicht so bei Teamkollege Barrichello und Teamchef Ross Brawn. Beide waren von Buttons Pole-Fahrt überrascht.

"Ich glaube, er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, das Beste bis zum Schluss aufzuheben", sagte Brawn der "BBC". "Jenson verblüfft uns immer mehr." Barrichello sagte: "Als ich aus dem Auto gestiegen war, habe ich ihn gefragt, wie er das geschafft hat, denn ich war das ganze Wochenende über schneller, konnte letztlich aber doch nicht mit ihm mithalten."

Buttons Leistung war in der Tat unglaublich. Während der Trainings fuhr der WM-Spitzeneiter stets unauffällig, und auch in der zweiten Quali-Session, in der in der Regel die schnellsten Zeiten gefahren werden, war er nicht ganz vorne dabei.

Doch dann drehte er in der dritten Quali-Session seine schnellste Runde des Wochenendes, schneller noch als mit vermeintlich leerem Tank in Q2.

Brawn hat Angst vor den Leitplanken

Trotz der Gala-Vorstellung seiner Fahrer mit den Startplätzen eins und drei ist Brawn für das Rennen nicht übermäßig zuversichtlich: "Wir sind schnell, aber die Fahrer sind nicht so ganz zufrieden. Das Auto reagiert etwas unvorhersehbar, das müssen wir ändern, ansonsten wird es im Rennen schwierig. Die Leitplanken könnten hier in Monte Carlo unser größter Gegner sein."

Noch ist in dieser Saison kein einziger Brawn-Bolide ausgefallen. Die Zuverlässigkeit könnte also in der Tat ein gefährlicher Gegner sein.

Freude und Ärger bei Räikkönen

Gemeinsam mit Kimi Räikkönen. Der Iceman und Ferrari sind wieder da. Räikkönen muss nur eine Runde vor den beiden Brawn-Piloten zum Tanken kommen - und er hat den Speed, um die beiden unter Druck zu setzen. Schließlich fuhr er in der zweiten Quali-Runde die schnellste Zeit des Wochenendes.

"Es ist gut, wieder um Top-Positionen zu kämpfen. Ich werde mein Bestes geben und versuchen, das Rennen zu gewinnen", sagte Räikkönen. Allerdings machte er aus seiner Enttäuschung über die knapp verpasste Pole-Position keinen Hehl, denn: "Hier macht es einen größeren Unterscheid als anderswo, ob man von Startplatz eins oder zwei losfährt.

Qualifying-Duelle: Deutliches Lebenszeichen von Räikkönen

Leise Hoffnung auf KERS

Grund dafür ist der extrem kurze Sprint vom Start zur ersten Kurve. Auf den paar hundert Metern ist in Sachen Überholmanöver nicht allzu viel zu machen. Es sei denn, Ferrari kann von den Zusatz-PS durch KERS profitieren.

"Der Start wird sehr wichtig, und auf der kurzen Gerade wird KERS definitiv eine Hilfe sein, aber nicht so sehr wie woanders", sagte Räikkönen. Ob es reicht, um sich an Button vorbeizuquetschen? Wohl nur mit der Brechstange.

Verzweiflung bei Hamilton, Toyota und BMW

So viele Brechstangen, wie die großen Geschlagenen des Qualifyings brauchen, um noch in Reichweite von WM-Punkten zu kommen, gibt es in ganz Monaco nicht.

Lewis Hamilton macht sich nach seinem dummen Crash im Zeittraining und Startplatz 16 keine Hoffnungen mehr auf eine vordere Platzierung. "Ich werde mein Bestes geben, um Boden gutzumachen. Aber die Chancen auf den Sieg sind dahin."

Ebenso wie für beide Toyota- und beide BMW-Sauber-Piloten. Sie zieren die letzten vier Startplätze und können sich wohl nur noch darum balgen, wer sich in Monaco einen Tick weniger blamiert als der andere.

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