Formel 1

Stuck: "Das ist Heidfelds Henkersmahlzeit"

Von Alexander Mey
Das deutsche Quintett: Sebastian Vettel, Timo Glock, Adrian Sutil, Nick Heidfeld, Nico Rosberg (v.l.)
© Imago

Exklusiv Nick Heidfeld, Sebastian Vettel, Timo Glock, Nico Rosberg und Adrian Sutil. Das sind sie, die fünf deutschen Hoffnungsträger für die kommende Formel-1-Saison. Aber wer von ihnen trägt die größten Hoffnungen, wer fährt um seine Existenz? SPOX nimmt gemeinsam mit Formel-1-Experte Hans-Joachim Stuck das Quintett unter die Lupe.

Nick Heidfeld (BMW-Sauber)

Statistik: GP-Starts: 150, Siege: 0, Pole-Positions: 1, WM-Punkte: 200 (Steckbrief)

Ausgangslage: Nick Heidfeld geht in seine zehnte Formel-1-Saison. Im vergangenen Jahr hatte Heidfeld vor allem im Qualifying große Probleme mit den Reifen und fiel daher deutlich gegen seinen Teamkollegen Robert Kubica ab. Dank einer Steigerung im letzten Saisondrittel sicherte sich Heidfeld auch für 2009 wieder einen BMW-Sauber-Vertrag, aber der 31-Jährige fährt auf Bewährung, denn sein Kontrakt läuft nur für die kommende Saison.

Das sagt Stuck: Das ist Heidfelds Henkersmahlzeit. Er muss sich beweisen und seinen ersten GP-Sieg einfahren. Mehr noch: Wenn er in diesem Jahr nicht mehrere Rennen gewinnt und sich gegen Kubica durchsetzt, dann würde es mich sehr wundern, wenn er noch einmal einen Spitzen-Vertrag bekommt. Und es wird schwierig werden, gegen Kubica zu bestehen. Der Pole ist eine harte Nuss. Er tickt anders als Heidfeld und gehört zu einer neuen Generation. Heidfeld ist für mich nach wie vor ein Siegfahrer, aber um den WM-Titel zu kämpfen, wird schwierig. Für mich ist das eine Frage des Alters und hat mit Leistung gar nichts zu tun. Die jungen Leute machen einfach Druck. Es gibt für BMW nach der Saison schließlich auch Fahrer zu verpflichten wie Rosberg oder Vettel.

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Sebastian Vettel (Red Bull Racing):

Statistik: GP-Starts: 26, Siege: 1, Pole-Positions: 1, WM-Punkte: 41 (Steckbrief)

Ausgangslage: Vettel wird vor der Saison zur großen deutschen Formel-1-Hoffnung hochstilisiert. Trotz des großen Hypes um seine Person gelingt es ihm aber bisher noch, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Mit seinem Wechsel von Toro Rosso zu Red Bull wächst auch seine Verantwortung. Bei den Testfahrten war der 21-Jährige sehr schnell und deutete an, dass er auch 2009 wieder für einige Highlights gut sein kann. (Vettel im SPOX-Interview)

Das sagt Stuck: Vettel erinnert mich in vielen Dingen an Niki Lauda. Er hat damals auch die Formel 1 durch seine Herangehensweise ein bisschen umgekrempelt. Vettel ist mental sehr stark, eloquent, ein harter Arbeiter. Er ist einer der Piloten, von denen ich weiß, dass sie sich intensiv mit Mentaltraining beschäftigen. Robert Kubica ist auch so jemand. Ich  mache mir um Vettel überhaupt keine Sorgen, er wird jedem Druck standhalten. Wenn der Red Bull gut ist, wird er schon in diesem Jahr ganz vorne dabei sein. Er hat ohne Zweifel eine große Karriere vor sich.

Timo Glock (Toyota)

Statistik: GP-Starts: 22, Siege: 0, Pole-Positions: 0, WM-Punkte: 27 (Steckbrief)

Ausgangslage: Timo Glock hat die erste komplette Saison bei Toyota genutzt, um sich einzuleben und im Team zu etablieren. Er überzeugt die Ingenieure vor allem durch seinen unglaublichen Fleiß. Nach Problemen in der ersten Saisonhälfte 2008 holte der 27-Jährige auf seinen starken Teamkollegen Jarno Trulli auf und setzte mit dem zweiten Platz in Ungarn ein Ausrufezeichen.

Das sagt Stuck: Glock ist überreif für einen GP-Sieg. Er ist im richtigen Moment zu Toyota gegangen, hat sich im vergangenen Jahr gut eingelebt und scheint jetzt ein richtig gutes Auto zu haben. Er ist auf jeden Fall ein Siegfahrer, wobei ich offen zugebe, dass ich der größte Glock-Fan der Welt bin. Er steht zu Unrecht im Schatten anderer deutscher Piloten. Er hat das Pech gehabt, dass ihn Vettel mit seinem Monza-Sieg übertrumpft hat. Aber dort hätte Glock in einem Toro Rosso auch gewonnen. In meiner persönlichen Hackordnung steht er sogar noch vor Vettel, weil er einfach viel mehr Erfahrung hat. Ich glaube, Glock wird sich als der Jüngere im Toyota-Team gegen Jarno Trulli durchsetzen.

Nico Rosberg (Williams)

Statistik: GP-Starts: 53, Siege: 0, Pole-Positions: 0, WM-Punkte: 41 (Steckbrief)

Ausgangslage: Nico Rosberg hängt nun schon im vierten Jahr bei einem Team fest, das schlicht und ergreifend nicht die finanziellen Mittel hat, um gegen die Top-Teams zu kämpfen. Dank seines Talents erreicht der 23-Jährige zwar immer mal wieder Achtungserfolge, der große Durchbruch steht aber aus.

Das sagt Stuck: Rosberg ist gegen Vettel und Glock der weinende Dritte. Man kann nur hoffen, dass der Williams in diesem Jahr ein bisschen besser funktioniert, damit er sich für Höheres empfehlen kann. Er muss unbedingt irgendwo unterkommen, wo er sein fraglos vorhandenes Talent unter Beweis stellen kann. Er hat 17 Bewerbungsfahrten vor sich, wobei die Ausgangslage gar nicht schlecht ist. Denn es ist wesentlich leichter, in einem schlechten Auto ein paar Mal nach vorne zu fahren als in einem guten Auto konstant Top-Leistungen zu bringen.

Adrian Sutil (Force India)

Statistik: GP-Starts: 35, Siege: 0, Pole-Positions: 0, WM-Punkte: 1 (Steckbrief)

Ausgangslage: Für Adrian Sutil gibt es auch in der kommenden Saison wohl meistens nur einen Gegner, seinen Teamkollegen Giancarlo Fisichella. Denn den ganz großen Sprung nach vorne verspricht sein neues Auto nicht, auch wenn dank des Mercedes-Motors zumindest der Anschluss an Toro Rosso gelingen könnte. WM-Punkte sind dennoch unwahrscheinlich, von Podestplätzen ganz zu schweigen.

Das sagt Stuck: Sutil steht vor einem weiteren Lehrjahr, in dem er sich klar gegen Fisichella behaupten muss. An ihm wird er gemessen und ihn muss er schlagen. Manchmal muss er vielleicht etwas vorsichtiger sein, damit er weniger Ausrutscher hat. Sutil gehört auch zu denen, die es können, er muss nur die Chance bekommen, es zu zeigen. Als Deutscher ist er immer für deutsche Hersteller interessant. Er ist ein guter Typ, kann gute Interviews geben. Er ist auf einem guten Weg, 2010 ein besseres Cockpit zu finden, zumal ich einige Piloten wie Barrichello, Trulli oder Heidfeld sehe, die nach der Saison eventuell Plätze freimachen könnten. Außerdem hoffe ich, dass wir im Zuge der Sparmaßnahmen wieder mehr Teams und somit auch mehr freie Cockpits bekommen.

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