Formel 1

Alle Fahrer im direkten Vergleich

Von Alexander Mey
Im Vergleich zum Fahrerfeld 2008 fehlt diesmal nur David Coulthard
© Getty

In der Formel-1-Saison 2009 kämpfen nicht nur Ferrari gegen McLaren-Mercedes und BMW-Sauber gegen Renault. Es kämpfen auch Felipe Massa gegen Kimi Räikkönen oder Nick Heidfeld gegen Robert Kubica. Für die Fahrer sind die Duelle innerhalb des Teams die wichtigsten. Wer hat in den Teamduellen 2009 Vorteile? Eine Prognose.
 

Lewis Hamilton: Der Weltmeister ist ein begnadeter Rennfahrer, ist sehr aggressiv und furchtlos. Vor allem beim Überholen hat er den Killerinstinkt. Allerdings macht er auch Fehler und neigt unter Druck manchmal zu Nervosität. Der WM-Titel 2008 sollte ihm viel von diesem Druck von den Schultern genommen und etwas mehr Gelassenheit verliehen haben. Dafür muss er nun wohl aber zum ersten Mal mit der Situation umgehen, dass sein Auto nicht eines der schnellsten im Feld ist.

Heikki Kovalainen: Unauffällig. So lassen sich die Leistungen des Finnen im Jahr 2008 am besten beschreiben. Er hatte einige gute Qualifyings und einige gute Rennen, stand aber klar im Schatten von Hamilton. Das wird sich 2009 nur ändern, wenn er den Briten tatsächlich bei einigen Rennen schlagen kann. Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, Nico Rosberg klopft heftig an. Kovalainen muss sich steigern.

Prognose: Vorteil Hamilton

Kimi Räikkönen: Der Iceman hat zugegeben, 2008 nicht immer voll motiviert gewesen zu sein. Passiert ihm das 2009 wieder, ist er wohl raus. Die Namen Fernando Alonso und Sebastian Vettel spuken als mögliche Nachfolger durch die Gazetten. Räikkönen könnten die Slicks entgegenkommen. Sie könnten sein Qualifying-Problem mit dem Aufwärmen der Vorderreifen lösen. Bei den Wintertests war Räikkönen sehr stark. Dennoch: Er darf sich nicht annähernd so viele Fehler leisten wie 2008.

Felipe Massa: Der Brasilianer ist im vergangenen Jahr unglaublich gereift. Schnell war er schon immer, jetzt ist er auch konstant. Bei den Wintertests war Massa ähnlich stark wie Räikkönen, auch wenn dessen Platzierungen im Schnitt besser waren. Die professionelle Einstellung, die er sich von Michael Schumacher abgeschaut hat, könnte den Ausschlag pro Massa geben.

Prognose: Leichter Vorteil Massa

Nick Heidfeld: Der Deutsche steht unter großem Druck. 2009 hat er seine letzte Chance, doch noch den großen Durchbruch zu schaffen. Gelingt ihm nicht endlich sein erster Sieg, wird sein Vertrag kaum noch einmal verlängert werden. Aber die Chancen auf eine erfolgreiche Saison sind groß. Heidfeld strotzt vor Selbstbewusstsein und profitiert von den Slicks. Wie bei Räikkönen sollten auch bei ihm die Quali-Probleme damit erledigt sein. Dazu kommt seine große Erfahrung, die ihm die Umstellung auf die neuen Regeln erleichtern sollte. Heidfeld steht vor einem guten Jahr.

Robert Kubica: Der Pole ist mit Talent, Rennintelligenz und Ehrgeiz gesegnet. Er hat im Winter mehrere Kilo abgespeckt, um durch den Hybridantrieb KERS keinen Nachteil zu haben. Sollte ihn deshalb seine Kondition nicht verlassen haben, steht einer erfolgreichen Saison und damit einer Verlängerung des auslaufenden Vertrags nichts im Weg - außer vielleicht ein Angebot eines noch stärkeren Teams.

Prognose: Ausgeglichen

Fernando Alonso: Der Spanier ist der momentan beste Fahrer im Feld. Es gibt zwar noch andere, die so schnell sein können wie er, aber Alonso zeigt im unterlegenen Renault, dass er mehr aus einem Auto herausholen kann als eigentlich drin steckt. Das konnte vor ihm zuletzt Michael Schumacher. Ohne Alonso wäre Renault verraten und verkauft. Dumm nur, dass er nach der Saison wohl gehen wird, sollte sein Team nicht um den Titel fahren können.

Nelson Piquet Jr.: Er ist ein talentierter Pilot, sieht gegen Alonso aber kein Land. Das haben die Wintertests unterstrichen. Bis auf den allerletzten Tag in Jerez konnte der Brasilianer die Zeiten von Alonso nicht annähernd mitgehen. Daraus resultieren Nervosität, Verkrampfung und letztlich Fehler. Will Piquet Jr. bei Renault bleiben, muss er Anschluss an Alonso halten. Die Aussichten dafür sind aber schlecht.

Prognose: Klarer Vorteil Alonso

Jarno Trulli: Der Italiener geht mit 200 Rennen Erfahrung in die neue Saison. Das macht ihn gerade angesichts der vielen Regeländerungen zu einem ernstzunehmenden Spitzenfahrer. Seine Stärken im Qualifying sind bekannt, auch die Slicks sollten ihm entgegenkommen. Die Frage ist nur, ob Trulli ohne Hybridantrieb KERS, den Toyota nicht einsetzen will, im Rennen seine Positionen wird halten können.

Timo Glock: Die Entwicklung des Deutschen verläuft rasant. Er ist nach wie vor relativ neu in der Formel 1, ist aber ein paar Jahre älter als die meisten Fahrer in ihrem zweiten kompletten Jahr. Das hat den Vorteil, dass Glock abgeklärter und reifer ist, vor allem in den Rennen. Dazu kommt, dass der 2009er Toyota nahezu perfekt auf seinen Fahrstil zu passen scheint. Ein Indiz dafür, dass Glock auch seinen Rückstand im Qualifying auf Trulli wettmachen könnte.

Prognose: Leichter Vorteil Glock

Sebastien Bourdais: Der Franzose konnte 2008 nur selten überzeugen, hat aber dank seiner Erfahrung eine zweite Chance erhalten. Ihm sollten die Slicks entgegenkommen, immerhin ist er die aus seiner US-Zeit gewöhnt. 2008 fehlte ihm vor allem in schnellen Kurven das Vertrauen in den Grip des Autos. Das wird es mit den Slicks nicht mehr geben.

Sebastien Buemi: Der einzige Neuling im Starterfeld hat zwar viele Testkilometer, allerdings die meisten davon im alten Auto. Buemi gilt als sehr talentiert, aber auch extrem ehrgeizig. Das führte in der Vergangenheit manchmal zu Fehlern, die große Titel in den Nachwuchsserien verhindert haben. Er wird Zeit brauchen.

Prognose: Leichter Vorteil Bourdais

Sebastian Vettel: Wunderkind oder nicht? In dieser Saison muss Vettel gegen einen starken Mann wie Webber beweisen, dass er das Zeug zum Superstar hat. Die Voraussetzungen sind gut. Vettel war bei den Tests pfeilschnell, die Ingenieure sind von seiner Arbeitseinstellung begeistert. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten in Qualifying und Rennen hat er bereits 2008 im Toro Rosso bewiesen.

Mark Webber: Der Australier hatte im Winter Pech. Wegen eines Beinbruchs konnte er erst im Februar ins Cockpit zurückkehren. Dennoch hat er nicht weniger Testerfahrung als sein Teamkollege. Webber wird wie gewohnt im Qualifying stark sein, ob er aber im Rennen an die Konstanz eines Vettel herankommt, ist fraglich.

Prognose: Leichter Vorteil Vettel

Nico Rosberg: Die Saison der Wahrheit für den Deutschen. Um nicht als ewiges Supertalent zu enden, muss er sich in diesem Jahr durch gute Leistungen für ein Top-Team empfehlen. Das gelingt ihm am besten, wenn er einfach nur das zeigt, was er kann. In den vergangenen Jahren neigte Rosberg manchmal dazu, mehr von seinem Auto zu fordern als es leisten konnte. Die Folge waren Fehler.

Kazuki Nakajima: Der Japaner ist ein solider Rennfahrer, mehr aber auch nicht. Hätte Williams keinen japanischen Motor im Heck, Nakajima würde dort wahrscheinlich höchstens als Testfahrer arbeiten. Mehr als konstante Mittelfeld-Platzierungen darf man von ihm nicht erwarten.

Prognose: Klarer Vorteil Rosberg

Jenson Button: Ein starker Fahrer war Button schon immer, aber unter dem Herumgegurke am Ende des Feldes litt in den vergangenen Jahren seine Motivation. Jetzt kann er plötzlich wieder ganz vorne mitfahren und zeigt das bei den Testfahrten mit einer Bestzeit nach der anderen auch. Mit Button ist 2009 wieder auf dem Podium zu rechnen.

Rubens Barrichello: Viele hatten ihn schon abgeschrieben, aber der Brasilianer erlebte bei den Wintertests seinen mittlerweile schon dritten oder vierten Frühling. Bewundernswert ist, dass er sich auch nach rund 270 Rennen noch genauso motivieren kann wie am ersten Tag. Diese Begeisterungsfähigkeit gepaart mit seiner unendlichen Erfahrung sorgen dafür, dass ihm alles zuzutrauen ist.

Prognose: Ausgeglichen

Adrian Sutil: Sutil ist ein sehr intelligenter Fahrer. Einerseits gut für ihn, andererseits ist er aber auch klug genug, um zu erkennen, dass er im Force India auf verlorenem Posten kämpft. Das schadet zwar noch nicht seiner Motivation, führt aber dazu, dass er es im Rennen ab und zu übertreibt und deshalb ausscheidet. Sutil steht vor einem weiteren schwierigen Jahr. Er muss Teamkollege Fisichella deutlich schlagen, um 2010 endlich in einem konkurrenzfähigen Auto zu sitzen.

Giancarlo Fisichella: Man hat das Gefühl, dass seine Zeit in der Formel 1 bald vorbei ist. Er ist immer noch schnell und liefert im Rennen solide Ergebnisse ab, aber das ganz große Feuer vermisst man. Vergleicht man ihn mit dem in etwa ebenso erfahrenen Barrichello, wirkt der Brasilianer wesentlich enthusiastischer - kein Wunder bei dem Auto, in dem er sitzt.

Prognose: Ausgeglichen

Formel 1: Der Rennkalender der neuen Saison

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