Formel 1

Der Neue mit dem Vettel-Fluch

Von Alexander Mey
Dienstag, 24.03.2009 | 09:35 Uhr
Sebastien Buemi startet bei Toro Rosso an der Seite von Sebastien Bourdais
© Getty

Sebastien Buemi ist der einzige Neuling im Formel-1-Fahrerfeld 2009. Zudem ist Buemi der erste Schweizer seit 14 Jahren, der den Sprung in eins der Cockpits eines Formel-1-Teams schafft. Die Vorfreude ist groß, aber auch der Druck. Immerhin tritt Buemi das schwere Erbe von Sebastian Vettel bei Toro Rosso an.

Er ist der Neue. Sebastien Buemi. 20 Jahre alt, Schweizer, wohnhaft in Manama, Bahrain. Er ist ein Exot. Während viele andere Formel-1-Fahrer extra in die Schweiz ziehen, um dort in Ruhe zu leben, kehrte Buemi den Alpen den Rücken.

"Ich bin im vergangenen Jahr nach Bahrain gezogen. Ich bin zwar stolzer Schweizer, aber ich wollte mal etwas anderes ausprobieren", erklärt Buemi im Gespräch mit SPOX. "Mein Onkel und seine Familie leben dort, und Bahrain liegt global gesehen ziemlich zentral. Außerdem ist das Wetter dort sehr gut."

Kurze Reisewege, Nähe zu den Liebsten - und immer Urlaubswetter. Buemi lässt es sich in Bahrain gut gehen, könnte man meinen, aber das stimmt ganz und gar nicht.

Buemi: "Das wird verdammt aufregend sein"

Buemi gilt als extrem ehrgeizig, nahezu besessen davon, im Motorsport ganz nach oben zu kommen. Jetzt hat er es geschafft, er wird am 29. März in Melbourne für Toro Rosso seinen ersten Grand Prix bestreiten.

"Das wird ohne Zweifel verdammt aufregend sein. Zum ersten Mal in der Startaufstellung eines Formel-1-Rennens zu stehen, davon träume ich schon, seit ich ein kleiner Junge bin", beschreibt Buemi. Wird er nervös sein? "Kann ich mir nicht vorstellen. Dazu habe ich viel zu viele Sachen, an die ich denken muss."

Keine Titel in den Nachwuchsklassen

Ablenkung tut gut, besonders für einen Mann wie Buemi, dem man nachsagt, er setze sich manchmal zu sehr unter Druck und könne daher sein wahres Können nicht immer zeigen.

Möglicherweise ist das ein Grund, warum Buemi in den Nachwuchsklassen keine großen Titel aufzuweisen hat. Zweiter in der Formel BMW, Zweiter in der Formel 3, Sechster in der GP2: Keine Meriten, die mit denen seiner Vorgänger Lewis Hamilton, Nico Rosberg oder Sebastian Vettel vergleichbar wären.

Freundschaft mit Vettel

Vor allem mit Letzterem wird er aber verglichen werden, und zwar ständig. Immerhin hat Vettel 2008 mit dem Auto, in dem Buemi jetzt sitzt, sogar ein Rennen gewonnen.

"Vettel ist ein sehr talentierter Fahrer und hat im vergangenen Jahr einen fantastischen Job gemacht. Er hat viel für das Team getan und es wird sehr schwer werden, das zu wiederholen", sagt Buemi. "Klar werde ich mit ihm verglichen werden, aber damit kann ich leben."

Vielleicht auch deshalb, weil Buemi Vettel schon seit vielen Jahren kennt. Die beiden sind schon gegeneinander Kart, Formel BMW und Formel 3 gefahren. "Wenn ich einen Freund in der Formel 1 habe, dann ist es Sebastian", sagt Buemi.

Mehr Bestzeiten als alle anderen

Kann er seinem Freund auch sportlich nacheifern? Teamchef Franz Tost hält jedenfalls viel von seinem Youngster: "Er hat sich von Test zu Test gesteigert und sein technisches Feedback wurde immer besser. Ich bin sehr zuversichtlich."

Kurios: Während der Wintertests hat kein Fahrer mehr Tagesbestzeiten erzielt als Buemi, der im Januar und Februar wochenlang im aerodynamisch weit überlegenen 2008er Toro Rosso Fahrpraxis sammelte.

Die Tests sollten ihm helfen, sich an die Abläufe im Team und an die in einem Formel-1-Auto wirkenden Kräfte zu gewöhnen.

Surer: "Buemi kann einen guten Job machen"

Ob das reicht, um auf Anhieb in die Fußstapfen erfolgreicher Landsleute zu treten, ist fraglich. Immerhin blickt die Schweiz auf bekannte Formel-1-Fahrer wie Marc Surer, Jo Siffert und vor allem den Vize-Weltmeister von 1974, Clay Regazzoni, zurück.

"Ich weiß über die Geschichte der Schweizer Formel-1-Fahrer sehr gut Bescheid. Als ich klein war, habe ich Clay Regazzoni sogar einmal getroffen. Außerdem kenne ich Marc Surer ziemlich gut", sagt Buemi.

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Denn der Premiere-Experte hat die Karriere seines Landsmanns sehr intensiv verfolgt und ist sich sicher: "Er ist sehr talentiert, auf Anhieb schnell und immer konzentriert bei der Arbeit. Er kann von Beginn an einen guten Job machen."

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