
Teams wollen Trainings aufpeppen
Showrennen um 1 Million Dollar
Der Singapur-GP hat eine Lawine ins Rollen gebracht. Angeregt vom großen Lob für das erste Nachtrennen der Formel-1-Geschichte, beraten die Teams nun über ein komplettes Umkrempeln der Rennwochenenden.
Im Mittelpunkt der Diskussion steht wieder einmal der Trainingsfreitag, über dessen Ablauf schon seit längerer Zeit Unzufriedenheit herrscht.
Im Gespräch sind mehrere Ideen. Die radikalste ist wohl die, den Freitag komplett zu streichen und die Rennwochenenden nur noch auf zwei Tage anzusetzen. Dagegen hätten aber sicher die Veranstalter einiges, immerhin brauchen sie so viel Zeit wie möglich, um ihre Unkosten wieder reinzuholen.
Freitag als normaler Testtag
Etwas weniger radikal ist die Idee, aus dem Freitag vor den Rennen einen ganz normalen Testtag zu machen.
Die Vorteile wären, dass die Fans acht Stunden lang fahrende Autos auf der Strecke bestaunen könnten und dass die Teams immer auf den Strecken spezifisch testen könnten, auf denen das kommende Rennen stattfindet.
Nachteil: Es ginge wie im Moment am Freitag um nichts. Die Fans hätten keinen Wettbewerb als Anreiz, um an die Strecke zu kommen.
Teams schlagen Showrennen vor
An diesem Punkt kommt die neueste Idee ins Spiel. Die Team-Vereinigung FOTA kam in Singapur mit dem Vorschlag um die Ecke, die Freien Trainings in ihrer jetzigen Form abzuschaffen und stattdessen ein Zeitrennen um eine Siegprämie zu veranstalten - ein Showrennen im Prinzip.
"Lasst uns das Training auf 45 Minuten verkürzen, allen Teams eventuell einen völlig anderen Reifen geben als den, der im Rennen verwendet wird, und daraus einen Wettkampf machen", schlägt McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh gegenüber "Autosport" vor. "Jeder versucht, mit den Reifen die schnellste Runde zu fahren, und der Sieger bekommt eine Million Dollar."
Der Vorteil: "Die Presse hätte etwas, worüber sie schreiben kann, und wir hätten eine schöne Einstimmung aufs GP-Wochenende, die völlig unabhängig vom eigentlichen Rennen ist", sagt Whitmarsh.
"Offene Diskussion"
Eine nette Idee, allerdings stellt sich die Frage, wie ernsthaft die Teams solch ein Rennen angehen würden. Schließlich sind eine Million Dollar für die Top-Teams nicht viel mehr als Peanuts.
Zu Ende gedacht ist die Idee aber ohnehin noch nicht, sie ist auch nur eine von mehreren. "Das Gute ist generell, dass die Leute realisieren, dass wir etwas tun müssen und wir eine offene Diskussion darüber führen", sagt Whitmarsh.
Di Montezemolo hasst Stadtkurse
Schlagworte
Eine offene Diskussion führt auch Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Allerdings geht es ihm nicht um eine Reform des Trainings, es geht ihm um die Auswahl der Rennstrecken.
Di Montezemolo hasst Stadtkurse. "Wenn wir auf Strecken fahren, wo man besser einen Zirkus veranstalten könnte als ein Formel-1-Rennen, dann kann alles passieren, weil der Ausgang vom Safety-Car bestimmt wird", sagte er der "Gazzetta dello Sport". "Das ist demütigend."
Sein Appell: "Wenn wir auf diesen Kursen, auf denen man nicht überholen kann, weitermachen, sehe ich eine schlechte Zukunft für die Formel 1 voraus."
Nachtrennen in Suzuka?
Nachtrennen muss aber nicht gleich Stadtkurs sein. Auf der Suche nach weiteren Austragungsorten in Asien war Malaysia ein Thema. Von dort kam allerdings eine Absage. Man werde zwar die Startzeit des Rennens nach hinten verschieben, brauche aber weiterhin Tageslicht. Die Installation einer Flutlichtanlage sei zu teuer.
Bleibt Suzuka. Premiere-Experte Jacques Schulz brachte bei SPOX den ehemaligen Austragungsort des Japan-GP ins Gespräch: "Die haben sowieso gerade die ganze Boxenanlage abgerissen und bauen neu. Wenn die Veranstalter Bernie Ecclestone anbieten, ein Nachtrennen zu veranstalten, sind sie sofort wieder im Rennkalender."
Es tut sich etwas in den Köpfen der F-1-Verantwortlichen. Noch sind viele Ideen nicht ausgereift, aber es scheint sicher, dass sich das Gesicht der Königsklasse deutlich verändern wird. Vielleicht sogar schon 2009.
Massa oder Hamilton? Wer holt den Titel? Der Grand-Prix-Rechner von SPOX.
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