
Formel 1
Mosley vor weiterem Punktsieg
London - In der monatelangen öffentlichen Schlammschlacht um ein pikantes Sexvideo steht der umstrittene FIA-Chef Max Mosley vor einem weiteren Punktsieg.
Der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes FIA kann im Londoner Prozess gegen die Zeitung "News of the World" schon vor den Schlussplädoyers am 14. Juli mit einem Urteil zu seinen Gunsten rechnen.
Nach der gewonnenen Vertrauensabstimmung in der FIA-Generalversammlung hat der Brite damit offensichtlich einen weiteren Gegner in die Knie gezwungen.
Zuvor hatte sich der 68-Jährige schon mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone versöhnt. Der Sturz des Verbandschefs, der zunächst nur eine Frage der Zeit erschien, ist längst vom Tisch.
Intime Details
Allerdings musste Mosley in der Auseinandersetzung mit "News of the World" vor dem Königlichen Gerichtshof so manch intimes Detail preisgeben, das er der weltweiten PS-Gemeinde wohl lieber erspart hätte.
Das auflagenstärkste Sonntagsblatt der Insel hatte den Sex- Skandal Ende März ins Rollen gebracht, als es über Mosleys Rollenspiele mit fünf Prostituierten in einer Souterrainwohnung in Londons noblem Stadtteil Chelsea berichtete. Eine der Frauen filmte das Geschehen heimlich, die von der Zeitung ins Internet gestellten Ausschnitte des Videos wurden 1,4 Millionen Mal angeklickt.
Domina verschlägt's die Sprache
Brisant allerdings war vor allem der Vorwurf des Boulevardblattes, Mosley habe nach einem Nazi-Thema bei den Rollenspielen verlangt. Deshalb hätten die Frauen NS-Uniformen und KZ-Häftlingskleidung getragen.
Doch im Saal 13 des Gerichts konnten die Anwälte von "News of the World" diese Darstellung nicht erhärten.
Die Verteidigung der Zeitung machte keine gute Figur, die als Kronzeugin geladene Domina konnte überraschend wegen "zu hoher psychischer und emotionaler Belastung" nicht aussagen. Die anderen vier Frauen wollten lediglich ein "Gefangenen-Szenario" bestätigen.
Alles "völlig harmlos"
Mosley, der Sohn des früheren britischen Faschistenführers Sir Oswald, hatte den Nazi-Vorwurf stets bestritten. Richter Sir David Eady muss nun entscheiden, ob er Mosley nicht nur Schadenersatz zuspricht, sondern auch - wie vom FIA-Chef gefordert - erstmals in der englischen Rechtsgeschichte eine Strafe gegen die Zeitung wegen Verletzung der Privatsphäre verhängt.
Der Brite indes muss nach seinen Aussagen im Gerichtssaal einen wohl irreparablen Schaden an seinem einstigen Ruf als Gentleman verbuchen. Peinlich genau gab er Auskunft über seine Vorliebe für sado-masochistische Spielchen, die er über ein knappes halbes Jahrhundert vor seiner Frau geheim gehalten habe. All das sei "völlig harmlos", betonte Mosley.
Weitere Amtszeit nicht ausgeschlossen
Seine politische Karriere dürfte auch die blumigen Einzelheiten aus dem Prozess überstehen. Längst hat der zu Beginn der Affäre noch stark angeschlagene Mosley wieder das Heft des Handelns in der Hand. Die Rücktrittsforderungen einflussreicher FIA-Mitglieder wie des ADAC sowie aus der Formel 1 hat er überstanden, die Allianz mit seinem langjährigen Weggefährten Ecclestone steht nach kurzen Dissonanzen wieder.
Seit mehr als 14 Jahren regiert Mosley nun die FIA und den Motorsport, eine weitere Amtszeit nach 2009 hatte er öffentlich eigentlich ausgeschlossen. Doch schon auf dem Höhepunkt des Skandals hatte Ecclestone geunkt: "Das Problem ist, wenn er bis 2009 bleibt, wird er noch einmal antreten. Ich bin mir dessen hundertprozentig sicher, nein, eine Million prozentig sicher."
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