
Schluss mit Luxus
FIA-Chef Mosley malt dunkle Zukunft
Silverstone - Erst die Versöhnung mit seinem alten Kameraden Bernie Ecclestone, dann die üblichen Angriffe auf die Formel-1-Teams: Max Mosley ist wieder obenauf.
Alle Versuche, den Briten von seinem Thron als Chef des Internationalen Automobilverbandes FIA zu stürzen, sind gescheitert. Die neuen Frontlinien im Ringen um die Zukunft der Formel 1 sind die alten.
Als habe es nie Mosleys Sexvideo-Skandal, nie irgendwelche Rücktrittsforderungen, nie irgendwelche verbalen Scharmützel mit Formel-1-Chef Ecclestone gegeben. Auf der einen Seite stehen die alten Männer-Freunde Mosley (68) und Ecclestone (77), auf der anderen die Teams der Königsklasse.
Untergang des Formel-1-Universums
Mit seinen seit Jahren wiederholten Vorwürfen gegen die Rennställe und vor allem die Hersteller meldete sich der FIA-Präsident am Grand- Prix-Wochenende in Silverstone erstmals seit langem wieder zu Wort. Erneut warnte er vor dem Untergang des Formel-1-Universums.
"Leider existieren im Fahrerlager immer noch Leute, die glauben, die Welt der Formel 1 sei völlig in Ordnung und nahezu unzerstörbar", sagte Mosley der "Welt am Sonntag". "Diese Leute blicken auf die großen, luxuriösen Motorhomes und auf das viele Geld, das im Moment noch von außen in den Sport gepumpt wird." Aber diese angeblich heile Welt sei in Gefahr, "und zu glauben, dass sie automatisch und ewig hält, ist ein gefährlicher Denkfehler", meinte der selbst ernannte Retter der "PS-Welt".
Mosley setzt Teams unter Druck
Die FIA hatte im Vorfeld des Grand Prix von Großbritannien einen Brief des Briten an die zehn Teamchefs veröffentlicht. Darin lud er die Verantwortlichen ein, sich selbst ein Reglement ab 2011 zu geben. Hauptziele: Reduzierung der Kosten um 50 Prozent, Verringerung des Benzinverbrauchs und mehr Attraktivität in den Rennen.
Was auf den ersten Blick wie eine freundliche Geste wirkte, war letztlich eine Machtdemonstration. Denn die Teams sollen sich bis zum 3. Oktober unter Moderation des ehemaligen BMW-Vorstandes Burkhard Göschel, Chef der Herstellervereinigung, einigen. Sollte das nicht gelingen, würde stattdessen die FIA ein entsprechendes Regelpapier vorbereiten.
Mosley weiß, dass angesichts der unterschiedlichen Interessen ein gemeinsamer Entwurf der Teams innerhalb von drei Monaten mehr als unwahrscheinlich ist. "Ich bin überrascht über den Zeitpunkt des Briefes", meinte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, der aber im Grundsatz die formulierten Ziele begrüßte. Nur den Zeitdruck sehe er nicht.
Schulterschluss mit Ecclestone
Dass Formel-1-Boss Ecclestone Mosleys Brief begrüßte, war ein letztes Indiz dafür, dass die seit 40 Jahren währende Freundschaft wieder lebt. Vor dem Großen Preis von Großbritannien hatte es ein Versöhnungstreffen zwischen Mosley, Ecclestone und dem Chef des Formel-1-Rechteinhabers CVC, Donald MacKenzie, gegeben.
"Es ist ganz einfach. Wir haben unsere Differenzen ausgeräumt", sagte Ecclestone der Londoner Tageszeitung "Times". Und plötzlich scheint auch das Ende der Hängepartie um das "Concorde Agreement" - der Verfassung der Formel 1, in der die Zusammenarbeit der Teams, der FIA als Regelhüter und des Rechteinhabers CVC geregelt wird - möglich.
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In den Wochen zuvor hatte Ecclestone ebenso wie die meisten Automobil-Hersteller in der Formel 1 und die großen FIA- Mitgliedsorganisationen nach Bekanntwerden des Sexvideo-Skandals Ende März noch Mosleys Rücktritt gefordert. Doch der überstand auch eine Vertrauensabstimmung unter den FIA-Mitgliedern. Am Montag beginnt in London die erste Verhandlung über eine Klage des FIA-Chefs gegen die Zeitung "News of the World", die das Video veröffentlicht hatte.
Auch die Teams haben erkannt, dass sie an Mosley vorerst nicht vorbeikommen. "Man muss irgendwann akzeptieren, dass Menschen Fehler machen und dass man deshalb endgültig nicht den Stab über sie brechen darf", meinte Göschel in der "Welt am Sonntag".
Wie gut die Achse des schnöden Mammons wieder funktioniert, bekamen indes die Streckenbetreiber in Silverstone zu spüren: Das Motorsport-Mekka verliert auf Druck von Ecclestone ab 2010 das Formel-1-Rennen an Donington Park. In die Rennstrecke im Norden Englands wollen Investoren rund 130 Millionen Euro stecken. Ecclestone diktierte, Mosley applaudierte.
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