Sonntag, 15.06.2008

Die peinlichsten Unfälle der Formel 1

Ampel, Dreirad, Tankanlage

München - Ampel nicht beachtet, Rotlicht übersehen, dem Vordermann draufgekracht. Typischer Versicherungsschaden. Sieht dumm aus, kann aber passieren - selbst den Besten. So wie Lewis Hamilton in Kanada.

Gerade als sich die Fahrertür öffnet, rauscht Nick Heidfeld vorbei
© xpb
Gerade als sich die Fahrertür öffnet, rauscht Nick Heidfeld vorbei

Und der McLaren-Pilot befindet sich in bester Gesellschaft. Denn auch ein gewisser Michael Schumacher würde am liebsten einige Unfall-Momente aus seinem Lebenslauf streichen.

Ampel, Dreirad, Tankanlage: Die Bilder der kuriosesten Formel-1-Unfälle

Und nicht nur der. SPOX.com hat einige der peinlichsten Anekdoten herausgepickt.

Das Frontflügel-Fiasko

Nick Heidfeld vs. Betonmauer, München 2008: Pressetermine zählen mit Sicherheit nicht zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der meisten Formel-1-Piloten. Schön, wenn man dabei immerhin ein paar Runden im geliebten Arbeitsgerät drehen kann. Peinlich, wenn das dann gehörig schief geht. So wie bei Nick Heidfeld.

Der 31-Jährige ist zu Besuch im BMW-Werk und will der Belegschaft mal zeigen, wie schön man mit seinem neuen Boliden doch bei diversen Donuts die Reifen verheizen kann. Dumm nur, dass da diese Betonmauer im Weg steht. Das Video hier.

Matchball im Kies

Lewis Hamilton, China 2007: Der Brite kann seinen Titel perfekt machen. Gleich in der der ersten Saison die WM gewinnen - und es sieht gut aus. Lewis Hamilton führt beim vorletzten Saison-Rennen in Schanghai, bleibt ganz lange draußen und ist auf dem besten Weg, sich vorzeitig den Titel zu sichern.

Doch dann das: Runde 30, glitschige Fahrbahn. Mit komplett abgenutzten Reifen schießt Hamilton in die Boxeneinfahrt - und darüber hinaus. Der Brite steckt im Kies, selbst die schiebenden Streckenposten nützen nichts. Das Rennen ist zu Ende, die WM-Chance vergeben. Mit bekanntem Ausgang.

Super Ingo - äh Christijan

Christijan Albers, Frankreich 2007: Es gab da mal einen Werbespot (hier das Video). Da ging es um besagten Ingo - und um falsches Tanken. Und sollte die damals werbende Tankstellen-Kette jemals an eine Neu-Verfilmung des Streifens denken, dann möge sie sich vielleicht bei Christijan Albers melden.

Christijan Albers im Spyker
Christijan Albers im Spyker
© Imago

Der hat schließlich ausreichend Erfahrung mit Zapfsäulen - wenn auch keine guten. Denn anstatt zu warten, bis seine Boxencrew mit dem Service fertig ist, prescht der Holländer einfach los, reißt den Tankschlauch ab und schleift ihn auf die Strecke. Wenige hundert Meter später ist das Rennen dann zu Ende, genau wie seine Formel-1-Karriere. Immerhin ein Rennen bestreitet er nach diesem Vorfall noch in der Königsklasse.

Übermut tut selten gut

Juan Pablo Montoya, Australien 2006: Altes Sprichwort, immer wieder aktuell. Besonders bei Juan Pablo Montoya. Denn der Kolumbianer neigt von Natur aus zu etwas ungestümen Aktionen. So auch in der Aufwärm-Runde zum Australien-GP 2006.

Beim Versuch, die Reifen auf Temperatur zu bringen, übertreibt es der McLaren-Pilot und dreht sich. Mitten auf der Start- und Zielgeraden. Peinlich. Glück für Montoya: Beim eigentlichen Start würgt Giancarlo Fisichella den Motor ab. Es gibt eine zweite Einführungs-Runde und Montoya kann wieder auf seinen fünften Startplatz vorfahren.

Bitte Sicherheitsabstand einhalten

Michael Schumacher vs. Juan Pablo Montoya, Monaco 2004: In der Fahrschule bekommt es jeder Schüler gefühlte 378 Mal vorgebetet: Immer den nötigen Sicherheitsabstand einhalten. Dass diese Weisheit manchmal auch auf der Rennstrecke gilt, davon können Michael Schumacher und Juan Pablo Montoya ein Liedchen singen. Beide fahren hinter dem Safety-Car her: Schumacher bremst, Montoya schiebt ihn an und Schumacher geht ab in die Leitplanken. Fazit vom Fahrlehrer: Durchgefallen, beide.

Augen auf, im Straßenverkehr!

Nick Heidfeld vs. Medical-Car, Interlagos 2002: Und noch so eine Fahrschul-Weisheit: Vorsicht bei am Straßenrand parkenden Autos, da kann schnell mal eine Tür aufgehen. Klar. Klingt nicht gerade nach einer Situation, die auf den Rennstrecken dieser Welt häufig vorkommt. Schließlich haben Formel-1-Boliden nicht einmal Türen. Aber das Medical-Car hat welche. Oder besser hatte. Denn eine davon hat Nick Heidfeld abgefahren.

Und zwar so: Im Warm-Up zerlegt es Arrwos-Pilot Enrique Bernoldi. Sieht schlimmer aus als es ist, dennoch eilt sofort das Medical-Car zur Unfallstelle. Genau wie Nick Heidfeld. Der allerdings kriegt die Kurve nicht richtig und kracht in die soeben geöffnete Fahrertür. Tür weg, Frontflügel weg, das wird teuer. Hier das Beweis-Video.

Vorsicht, Bremse!

Michael Schumacher vs. Mechaniker, Imola 2000: Mechaniker leben gefährlich. Selbst beim Rekordweltmeister. Etwa beim GP von San Marino im Jahr 2000. Denn da rutscht Schumi bei einer Boxenstopp-Übung im Warm-Up mit dem Fuß von der Bremse und nimmt den Mechaniker am Wagenheber aufs Korn.

Hier das Video zum Imola-Zwischenfall 

Der wiederum stoppt seinen Fall etwas ungelenk mit dem Gesicht auf der Ferrari-Nase und kommt vor dem Boliden zum Liegen. Keine Angst, dem Mann ist nix passiert - und Schumi gewinnt auch noch das Rennen. "Er wurde im Kampf um die Pole-Position bezwungen, warf einen Mechaniker beim Aufwärmen um, startete schwach und war trotzdem der Erste beim Champagner", schrieb "The Mirror" anschließend. Treffend zusammengefasst.

Das schnellste Dreirad der Welt

Michael Schumacher vs. David Coulthard, Spa 1998: Regenchaos in Belgien, noch vier Rennen zu fahren, es geht um die Weltmeisterschaft. Michael Schumacher hat sieben Punkte Rückstand auf Mika Häkkinen, doch der Finne scheidet beim Neustart nach der Massenkarambolage bereits in der ersten Runde aus.

Das Video: So kam es zum schnellsten Dreirad der Welt 

Michael Schumacher in Spa 1998
Michael Schumacher in Spa 1998
© Getty

Die Chance für Schumacher: Wenn er das Rennen gewinnt, hat er die WM-Führung. Und alles läuft bestens. Schumacher liegt in Führung und dominiert das Rennen. Doch dann das: Mitten im Regenchaos knallt Schumi David Coulthard beim Überrunden ins Heck, weil dieser angeblich abrupt gebremst hat. Ferrari kaputt, das schnellste Dreirad der Welt geboren. Beide Fahrer scheiden aus - und geraten in der Boxengasse aneinander.

Die Falsche Entscheidung

Michael Schumacher vs. Jacques Villeneuve, Jerez 1997: Michael Schumacher und die WM-Entscheidungen. 1994 war es eine umstrittene Kollision mit Damon Hill, die ihm letztendlich den Titel brachte. Drei Jahre später soll es mit Jacques Villeneuve ähnlich klappen. Denn: Schumi liegt in der WM vorn. Scheiden beide aus, ist er Weltmeister.

Also versucht Schumacher in der Haarnadel den herannahenden Villeneuve abzudrängen (das Video) - und scheitert. Schumacher raus, Villeneuve Weltmeister und zu allem Überfluss bekommt Schumi später für die Kollision alle WM-Punkte aberkannt und Heinz-Harald Frentzen wird Vize-Weltmeister. Mittlerweile hat Schumacher übrigens mitgeteilt, dass er den gesamten Vorfall am liebsten ungeschehen machen würde.

Böse Boxengasse

David Coulthard & Roberto Moreno, Australien 1995: Saisonfinale in Adelaide. Eigentlich geht es um nix mehr. Michael Schumacher ist Weltmeister, Benetton ist Weltmeister. Es geht im Prinzip nur noch darum, sich mit Anstand aus der Saison zu verabschieden. Auch für David Coulthard, schließlich ist es sein letztes Rennen für Williams. Und es sieht gut aus: Startplatz zwei, im Rennen kurzzeitig sogar die Führung.

Doch dann diese blöde Boxeneinfahrt. Runde 19. Coulthard kommt rein, zu schnell. Ab in die Mauer. Rennen beendet (das Video). Und wer jetzt denkt. Ha, Coulthard. Das kann auch nur dir passieren, der irrt. Denn nur zwei Runden später tat es ihm Roberto Moreno gleich (das Video). Der Mann ist danach übrigens kein einziges Formel-1-Rennen mehr gefahren, dafür bis 2007 (mit fast 49 Jahren) immer wieder in den USA noch ChampCar.

Kung-Fu-Fighting

Nelson Piquet vs. Eliseo Salazar, Hockenheim 1982: Die blanken Fakten klingen noch nicht sonderlich spannend: Weltmeister Nelson Piquet liegt beim Rennen in Hockenheim komfortabel in Führung. So komfortabel, dass er bereits in Runde 18 den langsamen Eliseo Salazar überrunden soll. Kein Problem. Eigentlich.

Aber Salazar überseiht den heranfliegenden Piquet und kegelt ihn raus. Rennen vorbei, doch die beiden sind noch lange nicht fertig. Piquet stürmt in bester Kung-Fu-Manier auf den bedröppelt dreinblickenden Salazar zu und geht auf ihn los (hier das Video vom Crash). Später stellte sich übrigens heraus, dass Piquet ohnehin wenig später mit einem Motorschaden ausgefallen wäre...

Jan-Hendrik Böhmer

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Breitere Reifen, breitere Autos. Wir die Formel 1 durchs neue Reglement spannender?

Michael Schumacher wurde 1997 mit einem zwei Meter breiten Ferrari Weltmeister in der Formel 1
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