Mittwoch, 07.05.2008

Timo Glock exklusiv

Probleme, Stress und AC/DC

München - Vier Rennen ist die zweite Formel-1-Karriere des Timo Glock mittlerweile alt - Punkte konnte im er bisher allerdings nicht sammeln. Doch das ist für den 26-Jährigen trotz aufkeimender Ungeduld kein Grund zur Panik. Jedenfalls noch nicht.

Timo Glock, Formel 1, Krise, Interview, Ungeduldig, Kritik, Trulli
© Getty

"Das hat nichts damit zu tun, dass wir einen schlechten Job gemacht hätten", erklärt Glock. Trotzdem wird er langsam ungeduldig. Denn: "Ich ärgere mich natürlich über mich, wenn mir ein oder zwei Zehntel fehlen", so der Toyota-Pilot.

Bei SPOX.com spricht Glock außerdem über Segelflugeinlagen, seine Probleme im Qualifying und einen möglichen NASCAR-Auftritt.

SPOX: Halbjahresbilanz bei Toyota. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Timo Glock: Sehr positiv. Ich habe mich sehr schnell im Team eingewöhnt. Die ersten Rennen waren zwar nicht so toll, aber das hat nichts damit zu tun, dass wir einen schlechten Job gemacht hätten. Ohne die Segelflugeinlage in Australien hätten wir auch da schon ein ganz gutes Rennen gehabt und relativ locker in die Punkte fahren können. Auch in Bahrain ist es ganz gut gelaufen.

SPOX: Haben Sie sich die Rückkehr in die Formel 1 trotzdem einfacher vorgestellt?

Glock: Ich habe schon gewusst, dass es schwierig wird. Was mich wirklich überrascht hat, ist, dass man wirklich überhaupt nicht überholen kann. Es ist teilweise echt unmöglich. Umso mehr kommt es darauf an, im Qualifying vorne zu sein.

SPOX: Und dort haben Sie noch die größten Probleme.

Glock: Im Kampf um die Top Ten ist es einfach verdammt eng. Wenn man dann wie ich wenig Erfahrung hat, dann fehlen eben die entscheidenden ein bis zwei Zehntel auf den Teamkollegen. Jarno Trulli ist mehr als 150 Rennen gefahren, der weiß ganz genau, was er wann tun muss. Man kann aber nicht sagen, dass ich meilenweit hinter Trulli herhinke. Da geht es nur um Feinheiten.

SPOX: Gibt es ein spezielles Problem?

Glock: Nein, es geht eher um eine Summe von Kleinigkeiten. Trulli kann mit einem untersteuernden Auto, wie wir es haben, einfach etwas besser leben als ich. Das macht es für mich im Moment etwas schwieriger. Aber darauf stelle ich mich schon ein.

Kann Glock Teamkollege Trulli noch einholen? Jetzt durchrechnen! 

SPOX: Werden Sie langsam ungeduldig?

Glock: Teilweise ja. Ich ärgere mich natürlich über mich, wenn mir ein oder zwei Zehntel fehlen. Ich habe mich aber gut genug unter Kontrolle, um nicht auf negative Gedanken zu kommen und mich zu stark unter Druck zu setzen.

SPOX: Sind das Problem für den Rückstand vielleicht gar nicht Sie sondern Ihr unglaublich starker Teamkollege Trulli?

Glock: Das höre ich nicht zum ersten Mal. Viele sagen, seit ich da bin, ist Trulli endlich wieder aufgewacht. Das freut mich natürlich. Denn es ist letztlich gut für das Team.

SPOX: Sie sind bei Toyota nicht nur im Auto sondern auch bei zahlreichen PR-Events eingespannt. Spaß oder Stress?

Glock: Bis jetzt war es ein guter Mix, der Spaß gemacht hat. Ich hätte mich schon gemeldet, wenn es mir zu viel werden würde. Letztlich gehört auch das zum Job. Wir haben viele Partner, die es verdient haben, dass man sich um sie kümmert.

Timo Glock, Formel 1, Krise, Interview, Ungeduldig, Kritik, Trulli
© Getty

SPOX: Bekommen Sie die Termine vorgeschrieben oder dürfen Sie mitreden?

Glock: Ab und zu kann ich schon Wünsche äußern.

SPOX: Zum Beispiel?

Glock: Ich würde gerne einmal ein NASCAR-Auto von Toyota fahren. Wäre schön, wenn wir das einmal hinbekommen würden.

SPOX: Haben Sie in der Pause nach den Übersee-Rennen Gelegenheit gehabt, ein paar Tage in Ihrer neuen Heimat Köln zu verbringen?

Glock: Nicht wirklich. Mehr als vier oder fünf Tage habe ich nicht in der neuen Wohnung verbracht. Die Stadt konnte ich überhaupt noch nicht kennenlernen.

SPOX: Den Dom haben Sie aber schon einmal gesehen, hoffe ich.

Glock: Ich war sogar schon oben auf dem Turm.

SPOX: Was halten Sie von Karneval?

Glock: Keine Ahnung, ich habe noch nie mitgemacht. In diesem Jahr hatten wir zu der Zeit einen Test. Wenn es aber mal passt, dann schnappe ich mir die ganze Toyota-Mannschaft und dann geht es los (lacht).

SPOX: Ab in die Rock-Disco nehme ich an. Sie hören gerne Musik von AC/DC.

Glock: Ja, aber nur als Vorbereitung fürs Rennen. Damit mache ich mich heiß.

SPOX: Sie versetzen sich vor den Rennen sogar in eine Art Trance.

Glock: Das habe ich mir mal so angeeignet und es funktioniert ganz gut. Allerdings ist es in der Formel 1 schwierig, dieses Ritual konsequent durchzuziehen, weil doch noch viele Leute kurz vor dem Rennen etwas von einem wollen.

SPOX: Ab wann sind Sie vor einem Rennen nicht mehr ansprechbar?

Glock: Das ist unterschiedlich. Generell habe ich auch mit Interviews in der Startaufstellung kein Problem. Aber es kommt auch vor, dass ich mal nein sage.

SPOX: Die nächste Strecke in der Türkei kennen Sie aus der GP2-Serie. Inwieweit hilft das bei der Vorbereitung auf das Rennen?

Glock: Viel kann man da nicht mitnehmen. Das wichtigste ist, dass ich den Streckenverlauf kenne. Der Rest geht nach der Erfahrung aus den Tests und den ersten Rennen sehr schnell.

SPOX: Ist 2008 ein Lehrjahr?

Glock: Natürlich ist es ein Lehrjahr. Man kommt nicht einfach in die Formel 1 und fährt allen um die Ohren. Außer man heißt Lewis Hamilton. Aber der hatte auch ganz andere Voraussetzungen als ich. Aber trotzdem will ich Trulli schon in diesem Jahr schlagen, nicht erst 2009.

SPOX: Sollte das nicht klappen,...

Glock: ...dann geht die Welt auch nicht unter. Dann werde ich nur bei Interviews vielleicht ein bisschen mürrischer (lacht).

Interview: Alexander Mey

Diskutieren Drucken Startseite
Trend

Breitere Reifen, breitere Autos. Wir die Formel 1 durchs neue Reglement spannender?

Michael Schumacher wurde 1997 mit einem zwei Meter breiten Ferrari Weltmeister in der Formel 1
Ja
Nein
Interessiert mich nicht

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.