Mittwoch, 14.05.2008

Stuck sieht Heidfeld unter Druck

"Heidfeld könnte sein Cockpit verlieren"

München - Seitdem die Formel-1-Saison begonnen hat, herrscht bei BMW-Sauber eitel Sonnenschein - zumindest sportlich. 

Heidfeld, Brille, Aus, Ersatz, Kubica
© Getty

Die Ergebnisse stimmen, der Speed des Autos stimmt, eigentlich gäbe es keinen Grund, irgendein Haar in der Suppe zu suchen. 

Wäre da nicht die wachsende Unruhe abseits der Strecke. Was wird aus der Fahrerpaarung Heidfeld/Kubica in der kommenden Saison? So lautet die Frage, die immer häufiger durchs Fahrerlager geistert.

Es geht um alles 

"Wir entscheiden im Sommer über unsere Fahrer für die kommende Saison", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen am Rande des Türkei-GP.

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Dann geht es vor allem für Nick Heidfeld um alles. Denn der Deutsche steht gewaltig unter Druck. Im Qualifying sieht er gegen Robert Kubica in dieser Saison kein Land, weil er die Reifen nicht optimal nutzen kann.

In den Rennen holt er zwar immer auf, doch von Startplätzen im Mittelfeld aus kann er nicht mehr die Ergebnisse einfahren, die er und das Team von ihm erwarten.

Eine Trendwende muss her, denn Heidfeld läuft im Kampf um seine Zukunft bei den Weiß-Blauen die Zeit davon.

Schlagkräftige Truppe gesucht

SPOX.com sprach mit BMW-Sauber-Kenner Hans-Joachim Stuck über die Zukunft des Deutschen und erfuhr: Die Lage ist verdammt ernst. 

"Wenn das so weitergeht, könnte Heidfeld sein Cockpit verlieren", sagt Stuck klipp und klar. "Ich kann mir gut vorstellen, dass BMW-Sauber für die kommende Saison, wenn man noch weiter vorne mitfahren will, eine schlagkräftigere Truppe braucht."

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Kontakte zu Superstars 

Planungen in diese Richtung existieren bereits, davon ist Stuck überzeugt: "Mario Theissen weiß ja, wie das Geschäft funktioniert. Er hat sicher schon Verbindungen zu irgendwelchen Superstars geknüpft. Da sind bestimmt im Geheimen schon Gespräche geführt worden."

Potenzielle Kandidaten, die im Vergleich zu Heidfeld einen Schritt nach vorne bedeuten würden, gibt es nicht viele. Im Prinzip kommen nur das Ferrari-Duo Räikkönen/Massa, das McLaren-Duo Hamilton/Kovalainen und Fernando Alonso in Frage.

BMW-Kenner Hans-Joachim Stuck
BMW-Kenner Hans-Joachim Stuck
© Getty

Aber da winkt Stuck ab: "Ich bin persönlich kein großer Alonso-Fan. Ich denke nicht, dass er zu BMW passt, auch wenn er einer der besten fünf Fahrer ist."

Wer dann? Ferrari und McLaren-Mercedes haben im Moment keine Veranlassung, einen ihrer Fahrer abzugeben. "Aber da finden sich in der Formel 1 schon Mittel und Wege", orakelt Stuck.

"Vettel ist überbewertet"

Eine Alternative gäbe es noch: Nico Rosberg. Der Williams-Pilot flirtet zwar insgeheim mit Ferrari, aber dort scheinen Räikkönen und Massa relativ fest im Sattel zu sitzen. Rosberg will so schnell wie möglich Rennen gewinnen. BMW-Sauber liefert ihm die Möglichkeit dazu, Williams nicht.

Und Rosberg wäre im Vergleich zu Ex-BMW-Junior Sebastian Vettel die deutlich bessere Alternative, meint Stuck: "Vettel ist für mich ein wenig überbewertet. Er muss noch eine Menge lernen."

Auf dem Zenit des Könnens

Dazu bleibt Vettel auch noch etwas Zeit. Im Gegensatz zu Heidfeld, der mit 31 Jahren schon auf dem Zenit seines Könnens angekommen ist.

"Heidfeld hat ja eine gewisse Vergangenheit. Er ist aus deutscher Sicht wichtig, aber er ist eben nicht der Superstar", sagt Stuck. "Er ist außerdem nicht mehr der Jüngste und Kubica ist trotz seiner Jugend schon verdammt stark und geht sehr konsequent zu Werke. Das ist für Heidfeld eine schwierige Situation. Durch den Druck, Kubica schlagen zu müssen, ist er relativ verkrampft."

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Langfristige Planung mit Kubica

Sollte Heidfeld wirklich auf der Abschussliste stehen, könnte es sein Glück werden, dass Kubica mit einem Wechsel zu Ferrari in Verbindung gebracht wird. Sollte der Pole nämlich zu den Roten gehen, bliebe Heidfelds Cockpit unberührt.

Doch daran glaubt Stuck nicht: "Es würde mich sehr wundern, wenn Mario Theissen Kubica nicht schon langfristig ans Team gebunden hätte."

Eine These, für die einiges spricht. Offenbar hat BMW-Sauber eine Option auf eine Vertragsverlängerung mit Kubica bis 2010, die bis September gezogen werden muss. Da passt es sehr gut, dass Theissen die Fahrer für 2009 im Sommer bekanntgeben will.

Außerdem ist Kubica Theissens Entdeckung. Er hat den Polen 2006 völlig überraschend als Testfahrer aus dem Hut gezaubert, bis dahin kannten Kubica nur Motorsport-Insider.

"Kubica hat das Zeug zum Weltmeister"

Ihn jetzt zu einem direkten WM-Konkurrenten abzugeben, sähe dem stets kühl kalkulierenden Theissen nicht ähnlich.

So sieht es auch Stuck: "Ich würde an Theissens Stelle Kubica nicht einmal durch einen Räikkönen ersetzen. Der Pole hat absolut das Zeug zum Weltmeister."

Und Heidfeld? Hat er das Zeug dazu, sich seinen Traum vom WM-Titel zu erfüllen?

Wenn überhaupt, dann nur in einem Top-Auto wie dem BMW-Sauber. Diesen Platz zu behalten, muss also Heidfelds erstes Ziel sein.

Das ist im Moment viel wichtiger als irgendwelche Träumereien vom WM-Triumph.

Alexander Mey

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