Montag, 28.04.2008

Die Lehren des Spanien-GP

Der Mann aus Stahl

München - Was hat Heikki Kovalainen mit Robert Downey Jr. gemeinsam? Cineasten werden es ahnen: Beide verkörpern das perfekte Bild des Mannes aus Stahl.

kovalainen, unfall
© Getty

Doch während der Schauspieler freiwillig die Rolle des Comic-Helden Iron Man übernommen hat, hätte Kovalainen sicher gerne auf das Austesten seiner Unzerstörbarkeit verzichtet.

Mit rund 230 km/h war der McLaren-Mercedes-Pilot nach einem Felgenbruch frontal in die Reifenstapel gerast, das Auto war fast völlig unter der Absperrung verschwunden.

Die Bewegtbilder des Unfalls jetzt bei SPOX.TV

Mittlerweile ist zum Glück klar, dass der Finne keine ernsthaften Verletzungen davongetragen hat. Teamchef Ron Dennis sprach von einer leichten Gehirnerschütterung und schloss Knochenbrüche aus.

F1-Ergebnis-Header
© Getty

Per McLaren-Pressemitteilung meldete sich am Montagnachmittag der Finne nun selbst zu Wort. "Ich habe noch leiche Kopfschmerzen und einen steifen Hals, aber ansonsten geht es mir gut", wird Kovalainen zitiert.

An den Unfall selbst habe er allerdings keine Erinnerung mehr: "Ich weiß nicht mehr, wie der Unfall passiert ist oder danach."

Kovalainen war bewusstlos

Neuesten Erkenntnissen zufolge war Kovalainen nach dem Aufprall einige Zeit bewusstlos und wurde erst wieder wach, als die Rettungskräfte dabei waren, das Wrack seines Autos unter den Reifen hervorzuzerren.

Dennoch soll der Finne schon beim nächsten Rennen in der Türkei wieder im Auto sitzen, vorausgesetzt, die Ärzte geben das Okay. "So etwas weitestgehend unbeschadet zu überstehen, spricht für den Sicherheitsstandard", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Zur Unfallursache konnte Haug bislang nur spekulieren: "Wir nehmen an, dass sich ein Trümmerteil zwischen den Reifen und die Felge gebohrt hat."

Dennis sprach von einem Stein, der den Bruch der Felge ausgelöst haben könnte. Ähnlich wie bei Lewis Hamiltons schwerem Abflug auf dem Nürburgring 2007. Beide Unfälle sahen fast gleich aus.

Die weiteren Lehren des Spanien-GP:

Räikkönen langweilt sich im überlegenen Ferrari

Kimi Räikkönen fuhr in Barcelona locker und leicht zum Sieg. Ferrari war überlegen - und hätte sogar noch überlegener sein können. "Mit Sicherheit hätten wir etwas schneller fahren können, aber es gab keinen Grund, Druck zu machen, wenn man es nicht muss", sagte der Iceman nach seinem zweiten Saisonsieg.

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Eine verbale Ohrfeige für die Konkurrenz, die der Finne wahrscheinlich nicht einmal als Seitenhieb gemeint hatte. Er hat einfach beschrieben, wie er sich im Rennen gefühlt hat.

Das macht es für McLaren und Co. auch nicht besser. Premiere-Experte und Ex-Weltmeister Keke Rosberg war sich sicher: "Beide Ferrari sind mit Sparflamme gefahren, die hätten viel schneller sein können."

Ferrari-Berater Michael Schumacher warnte vorsorglich schon einmal vor Überheblichkeit und sagte: "Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass wir jedes Rennen gewinnen werden. Die Konkurrenz schläft nicht. Sie ist uns dicht auf den Fersen."

Weit weg oder doch ganz nah dran?

Was denn nun? Ist Ferrari weit vorne, wie Rosberg sagt, oder geht es eng her, wie Schumi behauptet?

Da ist man sich auch bei McLaren-Mercedes nicht so ganz sicher. "Wir alle scheinen sehr eng beieinander zu liegen", sagte Lewis Hamilton, der im Ziel nur vier Sekunden Rückstand auf Sieger Räikkönen hatte.

Vier Sekunden, die aber kaschieren, dass die Roten in Barcelona bei weitem nicht am Limit waren. "Sie waren extrem schnell", musste auch Hamilton eingestehen.

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"Ferrari ist derzeit die Messlatte", gab Norbert Haug zu. Aber er machte sich auch Mut: "Es ist aber nicht so, dass man über diese Messlatte nicht drüber springen kann."

Es gilt die alte Floskel: Die Saison ist noch lang. Allerdings werden die Silbernen einen langen Anlauf brauchen, wenn sie die Messlatte nicht reißen wollen.

Himmelssturm gebremst

Zum ersten Mal in dieser Saison hat BMW-Sauber die Erwartungen nur erfüllt und nicht übertroffen. Zum ersten Mal gab es keinen Podestplatz, kein ungläubiges Staunen.

Allerdings hab es auch keine Enttäuschung. Abgesehen von Nick Heidfeld natürlich, der im Lotteriespiel Safety-Car eine Niete zog und ohne Punkte blieb.

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Aber das Auto ist noch immer genauso konkurrenzfähig wie bei den Übersee-Rennen. Robert Kubica und Lewis Hamilton fuhren das ganze Rennen über fast identische Rundenzeiten und auch Heidfeld war bis zu seiner Stop-and-Go-Strafe wegen Tankens bei geschlossener Boxengasse auf dem Vormarsch.

"Wir haben gesehen, dass Ferrari die Nase vorn hat, aber der Abstand ist erfreulich gering. Ich glaube, wir können uns auf eine spannende Saison einrichten."

Gleiche Selbstwahrnehmung wie bei McLaren-Mercedes, gleiches Problem: Keiner weiß wirklich genau, wie viele Karten Ferrari beim Doppelsieg von Barcelona aufgedeckt hat.

Alexander Mey

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