Formel 1

"Habe das Team im Stich gelassen"

Von Alexander Mey
Dienstag, 08.04.2008 | 13:57 Uhr
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© xpb

München - Das Bröckeln des Mythos Lewis Hamilton begann im Kiesbett des Shanghai International Circuit am 7. Oktober 2007.

Dort machte das britische Wunderkind seinen ersten schweren Fehler, warf damit letztlich den WM-Titel weg - und verpasste dem Bild des perfekten Rennfahrers, das er sich in seiner Debütsaison aufgebaut hatte, ein paar gehörige Kratzer.

Jetzt ist Hamilton in der öffentlichen Wahrnehmung auf ein Normalmaß geschrumpft. Noch immer ist er ein begnadeter Rennfahrer, aber einer mit Makeln, die ihn menschlich machen.

Harte Selbstkritik von Hamilton

Da passiert es dann auch einmal, dass man am Start zum Bahrain-GP fast den Motor abwürgt, weil man vergessen hat, einen Knopf am Lenkrad zu drücken, und bei der folgenden Aufholjagd wegen eines angebrochenen Frontflügels Fernando Alonso ins Heck knallt.

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"Das war ein Desaster", fasste Hamilton das Rennwochenende zusammen, das mit einem heftigen Abflug im Training begonnen hatte und mit dem Verlust der WM-Führung endete.

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"Ich muss mich beim Team für meine ganz schwache Leistung entschuldigen. Ich habe es im Stich gelassen", sagte Hamilton reumütig. "Wenn man einen schlechten Start hat, muss man Profi genug sein, um wenigstens das Beste daraus zu machen und ein paar Punkte mitzunehmen. Ich habe nichts davon für das Team getan."

Sonnyboy auf dem Boden der Tatsachen

Harte Worte der Selbstkasteiung von einem Mann, der bis zu besagtem China-GP 2007 nur die Sonnenseite des Business kennengelernt hatte. Sonnyboy, Frauenschwarm, Held einer neuen Fahrergeneration, legitimer Nachfolger von Michael Schumacher. So hieß es.

Doch dann kamen Kiesbett in Schanghai, Getriebeprobleme und Titelverlust in Brasilien, Spionage-Affäre, Wechsel des Teamkollegen, und zuletzt die Probleme in Bahrain.

Mutmacher für den Selbstzweifler

Hat Hamilton seine Unbekümmertheit verloren? "Klar ist er enttäuscht. Wenn er nach so einem Rennen nicht enttäuscht ist, dann ist er es nie mehr", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach dem Rennen im Premiere-Interview.

"Aber er hat einen starken Charakter", fügte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh hinzu. "Er wird das Selbstbewusstsein nicht verlieren. Er glaubt an sich selbst und weiß, dass er alles wieder auf die Reihe bekommen kann. In Spanien wird er stärker zurückkehren als je zuvor."

Wichtige Mutmacher für Hamilton, der nicht einmal nach dem Verlust des WM-Titels 2007 so niedergeschlagen wirkte wie in Bahrain. Prompt verglich ihn der heimische "Daily Telegraph" mit einem Boxer, "der auf allen Vieren durch den Ring krabbelt und seinen Mundschutz sucht."

"Wir können nicht gut verlieren"

Panik ist dennoch völlig unangebracht. Hamilton liegt mit 14 WM-Punkten immer noch nur fünf Punkte hinter dem Führenden Kimi Räikkönen. Schon in drei Wochen kann er wieder vom Deppen zum Helden aufsteigen.

"So ist der Sport, es geht immer auf und ab", sagte Hamiltons Mentor und McLaren-Teamchef Ron Dennis. "Die emotionale Achterbahn des Grand-Prix-Zirkus war noch nie anders."

Nur dass die Fallhöhe bei manchen Achterbahnen extremer ist als bei anderen. Im Falle der silbernen McLaren-Achterbahn ist sie besonders hoch.

"Wir bei McLaren können nicht gut verlieren", erklärte Dennis. "Da mache ich keine Ausnahme."

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