Sonntag, 03.02.2008

Die Lehren der Tests in Barcelona

Von Haien und Hirschen

München - Drei Tage der Wahrheit sind vorüber, sechs weitere werden noch folgen. In Barcelona haben die meisten Formel-1-Teams ihre ersten gemeinsamen Tests mit den neuen Autos abgeschlossen.

red bull, coulthard, flügel
© Imago

Erkenntnisse gab es einige. Nicht nur, dass McLaren-Mercedes unter den rassistischen Pöbeleien einiger spanischer Chaoten gegen Lewis Hamilton leiden mussten, nur weil er 2007 ein hartes Duell gegen ihren Helden Fernando Alonso hatte.

Auch sportlich gab es viel Bemerkenswertes. SPOX.com fasst die Brennpunkte der drei Tage auf dem Circuit de Catalunya zusammen.

Der blaue Hai

Für die spektakulärste aerodynamische Neuerung sorgte Red Bull. Am Freitag tauchte das Team plötzlich mit einer auffälligen Finne an der Airbox des Autos auf. Sie sieht nicht nur spektakulär aus, sie soll auch den Luftstrom zum Heckflügel, gerade beim Anbremsen einer Kurve stabilisieren. Im Prinzip handelt es sich bei der Finne um eine radikale Weiterentwicklung der bisher üblichen eckigen Finne an der Spitze der Motorabdeckung. Kurios: Red Bull fuhr zwar am Sonntag durch Mark Webber Bestzeit, allerdings mit der alten Motorabdeckung ohne Haifischflosse.

Williams bricht Tests ab

So gut Williams im Januar in Valencia in die Testsaison des Jahres 2008 gestartet war, so viele Probleme hatte das Team von Nico Rosberg in Barcelona. Am Freitag musste Williams die Tests abbrechen, nachdem der neue Frontflügel, den man mitgebracht hatte, am Auto von Kazuki Nakajima gebrochen war. Zwar setzte Williams am Samstag die Arbeit noch fort, doch den Sonntag schenkte man sich, nachdem die Probleme kurzfristig nicht komplett gelöst werden konnten. "Darum haben wir entschieden, in die Fabrik zurückzukehren, damit wir bis zum nächsten Test in einer Woche in Jerez eine Lösung parat haben", erklärte Technikchef Sam Michael den Verzicht.

McLaren nutzt die Ferrari-Abstinenz

Das einzige Spitzenteam, das nicht in Barcelona war, war Ferrari. Die Roten haben auf den Test verzichtet, weil es für sie schon am Montag in Bahrain weitergeht. Gut für die Silberpfeile, die ohne die Konkurrenz der bislang bärenstarken Scuderia zu großer Form aufliefen. Am Freitag fuhr Lewis Hamilton Bestzeit, am Samstag markierte er sogar die schnellste Rundenzeit für 2008er Autos. Am Sonntag unterstrichen Heikki Kovalainen und Hamilton die Leistungen des Wochenendes mit den Plätzen zwei und drei. McLaren-Mercedes scheint bereit, den Kampf mit Ferrari fortzusetzen.

Vettel lässt aufhorchen

Ein Deutscher fuhr in Barcelona Bestzeit - Sebastian Vettel. Am Samstag enteilte er im alten Toro Rosso nicht nur der gesamten Konkurrenz, er fuhr in 1:21,679 Minuten auch die schnellste Zeit des Wochenendes. Allerdings konnte er sich nicht entscheidend von seinem Teamkollegen Sebastien Bourdais absetzen. Auch der Franzose fuhr konstant stark. Am Sonntag war Bourdais als Siebter sogar stärker als Vettel (10.).

Das Hirschgeweih zeigt Wirkung

BMW-Sauber hat sich zumindest halbwegs von dem leichten Valencia-Schock erholt. Nachdem Nick Heidfeld Alarm geschlagen hatte, dass das Auto viel zu langsam und zu schwer zu fahren ist, haben sich die Weiß-Blauen auch dank der Optimierung des neuen Flügels mit Hirschgeweih auf der Nase in Barcelona stabilisiert. Heidfeld und Robert Kubica fuhren konstant unter die Top Fünf. Wirklichen Kontakt zu McLaren, gegen die man 2008 um Siege kämpfen will, hatte BMW-Sauber aber nur am Sonntag. Deshalb sagt Teamchef Mario Theissen trotz der Steigerung in der "Bild am Sonntag": Wir sind mit der Rundenzeit noch nicht zufrieden." Immerhin die Zuverlässigkeit passt, das war vor der Saison 2007 noch ganz anders.

Alonso küsst Renault wach

Zum ersten Mal hat der Spanier am Wochenende den neuen R28 getestet - und er war von Beginn an ganz vorne dabei. Zwar fehlt Renault nach Alonsos Aussage noch fast eine Sekunde auf die Spitze, aber vieles spricht dafür, dass er zumindest gegen BMW-Sauber um Podestplätze wird kämpfen können. Sorgen tut er sich etwas um das Wegfallen der Traktionskontrolle. Gerade ein Mann wie Alonso, der sehr aggressiv fährt, bekommt ein Problem mit seiner Fahrweise. "Im vergangenen Jahr sind wir mit Vollgas aus den Kurven herausgefahren, jetzt müssen wir dabei sehr dosiert mit dem Gaspedal umgehen. Das bedeutet, dass ich meinen Fahrstil massiv ändern muss." Für einen zweimaligen Weltmeister sollte das aber machbar sein.

Alexander Mey

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