Montag, 07.01.2008

Präsentation des MP4-23

Ein Nachmittag in der Oper

Stuttgart - Mercedes-Museum, Montag, 14 Uhr: McLaren-Mercedes ist wieder einmal Zweiter. Diesmal nicht auf der Strecke wie in der vergangenen Saison, sondern im Rennen um die frühste Vorstellung des neuen Autos.

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© Getty

Nur Ferrari war schneller - schon wieder. Denn genau einen Tag nach der Präsentation des Ferrari F2008 in Maranello hat man nun in Stuttgart seinen Boliden für die kommende Saison enthüllt das neue Auto in der Diashow.

Doch die Stimmung ließ man sich davon im Schwabenländle nicht verderben, im Gegenteil. Betont launig hielt Daimler-Chef Dieter Zetsche die Begrüßungsrede vor der Enthüllung des MP4-23. Wie ein geschulter Ansager im Theater oder in der Oper.

Die 23 zum 23. Geburtstag

Denn wie in einer futuristischen Oper kam man sich vor. Hohe Wände umringten das Präsentationsareal, die Daimler-Frühschicht bildete das Auditorium auf den Rängen. Auf den ganz teuren Plätzen direkt an der Bühne hatte McLaren-Mercedes mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, Ministerpräsident Günther Oettinger, dem britischen Botschafter und der kompletten Daimler-Chefetage jede Menge Prominenz aufgefahren.

Die bekam ihn dann zu sehen, den Wagen, mit dem Lewis Hamilton 2008 endlich Weltmeister werden soll. Das Auto heißt MP4-23, es trägt die Nummer 23 - und Hamilton wurde am Montag auch noch 23 Jahre alt. In Sachen guter Omen hatte man bestens vorgesorgt.

Bloß keine Querelen

"Das Auto ist heute mein schönstes Geburtstagsgeschenk", sagte Hamilton, musste aber gleich wieder etwas Wein ins Wasser gießen: "Leider habe ich nicht schriftlich, dass ich das Auto behalten darf."

Teamchef Ron Dennis würde es schon genügen, wenn Hamilton ohne viele interne Streitereien, irgendwelche Spionageaffären und Geldstrafen einfach nur den Titel nach Hause fahren würde.

Auto wird sich noch wesentlich verändern

Ob er das richtige Auto dazu hat, muss ich aber erst noch zeigen. Zwar ist der neue Bolide zu 85 Prozent ein neues Auto und angeblich schon jetzt, ohne einen einzigen Testkilometer, deutlich schneller als das Vorjahres-Modell, aber laut Geschäftsführer Martin Whitmarsh wird das präsentierte Auto nicht allzu viele Ähnlichkeiten mit dem Auto haben, das beim ersten Rennen in Melbourne am Start stehen wird. "Wir haben noch eine Menge Potenzial im Auto, das wir bei den Testfahrten ausreizen müssen", sagte Whitmarsh.

Zumindest in diesem Punkt ist man sich mit Ferrari einig, ansonsten gibt es nach wie vor genug Stoff für Diskussionen. Ferrari hat die Spionageaffäre noch immer nicht verdaut und stichelt permanent gegen die Silbernen. Ein unerfreuliches Thema, das nicht in eine festliche Opernatmosphäre passt. Folglich wurde es von silberner Seit so gut es ging tot geschwiegen.

Nur so viel versicherte Whitmarsh: "Im neuen McLaren ist kein bisschen Technologie verwendet worden, die aus der Spionage bei Ferrari stammen könnte."

Ferrari oder McLaren: Wer liegt richtig?

Beim MP4-23 seien nur kleine Schritte gemacht worden. Darunter vergleichsweise unwesentliche aerodynamische Veränderungen, vor allem an den Seitenkästen. Wichtiger ist da schon eine veränderte Gewichtsverteilung - der Schwerpunkt liegt etwas weiter vorne, um das Fehlen der Traktionskontrolle zu kompensieren. Nicht minder bedeutend wird eine geringfügige Verlängerung des Radstands, vor allem deshalb, weil Ferrari mit einer Verkürzung genau den entgegen gesetzten Weg gegangen ist.

Ob sich einer der beiden Wege als Quantensprung herausstellen wird, ist fraglich, denn: "Solche Sprünge sind in der Formel 1 extrem selten", sagte Whitmarsh. McLaren glaubt nicht, diesen Sprung geschafft zu haben. "Und wir hoffen, dass unsere Gegner das auch nicht erreicht haben", sagte der McLaren-Geschäftsführer.

"Ich werde nicht die Nummer eins sein"

Vorausgesetzt, die Top-Teams gehen mit annähernd gleichem Entwicklungsstand in die Saison, dann hofft McLaren, mit Hamilton und Neuzugang Heikki Kovalainen eine titelreife Fahrerpaarung zu haben.

Zumindest eine gleichwertige, denn von der Maxime der Gleichbehandlung wird Ron Dennis trotz der schlechten Erfahrungen mit Fernando Alonso nicht abrücken. "Ich werde nicht die Nummer eins sein", beteuerte Hamilton. Kovalainen bekräftigte: "Ich wäre nicht hierher gekommen, wenn ich nicht die gleichen Chancen hätte wie Lewis."

Da liegt erneut eine Menge Zündstoff in der Luft. Zur Eskalation a la "Krieg der Sterne" soll es aber auf keinen Fall kommen, denn: "Heikki und ich sind schon seit Jahren gute Freunde", sagte Hamilton.

Na dann auf ein friedliches neues McLaren-Jahr. Das Neujahrskonzert hat es mit der Präsentation des neuen Autos ja schon einmal gegeben.

Alexander Mey

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