Formel 1

Fujiyama und der Sturz vom Gipfel

Von dpa
Mercedes, McLaren, Ferrari
© Getty

Fuji - Im Land des Lächelns wollen die Silberpfeile endlich wieder Spaß haben, doch das heiße Team-Duell in Fuji zwischen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton (97 Punkte) und Weltmeister Fernando Alonso (95) könnte die hausgemachte Krise bei McLaren-Mercedes weiter verschärfen.

Am Fuße des heiligen Berges will Alonso seinen Teamkollegen Hamilton nach über fünf Monaten vom WM-Gipfel stürzen - auf die brodelnde Stimmung im britisch-deutschen Formel-1-Rennstall setzt Ferrari.

Nur nach einem Doppel-Ausfall des Briten und des Spaniers beim Großen Preis von Japan wären die roten Rivalen Kimi Räikkönen (Finnland/84) und Felipe Massa (Brasilien/77) wieder richtig im Rennen. "Es sind 13 Punkte bis zum Führenden, das ist noch eine Menge, wir sind zur Stelle", sagte Räikkönen vor dem drittletzten Saison-Lauf in Japan.

Hoffen auf den Glanz 

Unterdessen hat McLaren-Mercedes die Spionage-Affäre ad acta gelegt, denn nichts soll den möglichen WM-Triumph trüben. "Erst müssen wir den Titel holen, und sollte uns das gelingen, dann hoffe ich, dass von Glanz und nicht von Schatten die Rede sein wird", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Nach Ansicht des Präsidenten des Automobil-Weltverbandes (FIA), Max Mosley, ist die Affäre auch nach der Rekord-Geldstrafe in Höhe von 100 Millionen Dollar für das britisch-deutsche Team und dem Abzug aller Konstrukteurspunkte noch nicht ausgestanden. "Sie könnten für 2008 gesperrt werden", sagte Mosley.

Keine Angst vor Sperre

Haug ist sicher, dass dies nicht passiert. "Die FIA wird unser für 2008 geplantes und gebautes Auto auf Inhalte der Konkurrenzdokumente untersuchen. Wir hatten ihr diese Prüfung bereits für unser aktuelles Auto angeboten, allerdings wurde davon kein Gebrauch gemacht. Wir wissen, dass sowohl unser 2007er als auch unser 2008er Fahrzeug mit ausschließlich eigenen Ideen und Plänen gebaut wurde, beziehungsweise gebaut werden wird."

Nun will sich McLaren-Mercedes ausschließlich auf den WM-Kampf konzentrieren. "Jetzt ist es unser Ziel, beim letzten Rennen einen Vorsprung ins Ziel zu tragen", sagte Haug. Nur dank der Kronzeugenregelung darf McLaren-Mercedes in diesem Jahr überhaupt noch fahren. Mosley habe den Fahrern Straffreiheit versprochen für den Fall, dass sie aussagen, sagte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. "Hätte er ihnen die Punkte weggenommen, hätte er dieses Versprechen gebrochen."

Ferrari hat Titel schon sicher

Deshalb wird spätestens beim Finale am 21. Oktober in Brasilien feststehen, welcher Fahrer das erste Jahr nach dem Rücktritt von Rekordweltmeister Michael Schumacher dominiert. Sollten Hamilton und/oder Alonso beim ersten Grand Prix in Fuji seit 30 Jahren ihren Vorsprung auf mindestens 21 Zähler ausbauen, würde der Titelträger auf jeden Fall aus dem Silberpfeil-Lager kommen.

Es wäre der erste WM-Titel für McLaren-Mercedes seit 1999. Im Rennen um den Konstrukteurstitel steht der Sieger seit dem McLaren-Verzicht auf die Berufung gegen das Spionage-Urteil mit Ferrari fest.

Nick und der Fujiyama

Am Sonntag haben die Formel-1-Piloten statt des Riesenrades von Suzuka nun den weltberühmten Vulkan im Blick. "Ich hoffe, dass ich den Fujiyama wenigstens ein Mal zu sehen bekomme. Es soll ja Leute geben, die schon x-Mal dort waren, aber der Gipfel hat sich jedes Mal in Wolken versteckt", meinte Nick Heidfeld. Der BMW-Pilot aus Mönchengladbach ist als Fünfter mit 56 Punkte bester Deutscher in der Fahrerwertung.

Wie seine deutschen Kollegen Ralf Schumacher (Toyota/Kerpen), Nico Rosberg (Williams-Toyota/Wiesbaden), Adrian Sutil (Spyker/Gräfelfing) und Sebastian Vettel (Toro Rosso/Heppenheim) muss er den 4,563 Kilometer langen Kurs 67 Mal umrunden. Fast ein Drittel der Strecke bildet die Höchstgeschwindigkeitsgerade mit 1,475 Kilometer Länge. Die Autos erreichen bis zu 315 km/h. Zumindest ergaben dies entsprechende Berechnungen am Computer. "Fuji wird eine neue Herausforderung", prophezeite BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Eine weitere technische Herausforderung wartet auf Theissen und seine Kollegen: Nach einem Bericht des Fachmagazins "auto, motor und sport" werden die Formel-1-Fahrzeuge bereits in drei Jahren mit einem so genannten Hybrid-Antrieb an den Start gehen. 80 weitere PS sollen dann aus gespeicherter Bremsenergie kommen. Die Zusatzleistung soll über einen Knopf am Lenkrad abrufbar sein.

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