Eishockey

Hans Zach wird 70 und kritisiert deutsches Eishockey: "Nicht weiter als vor 30 Jahren"

SID
Hans Zach wird am Samstag 70 Jahre alt.
© getty

Die Trainer-Ikone Hans Zach wird am Samstag 70 Jahre alt. Im Leben lässt es Zach etwas ruhiger angehen, aber beim Thema Eishockey bleibt der "Alpenvulkan" temperamentvoll.

In der Karibik hatte Hans Zach keinen Kopf für die Party-Planung. Er brachte in den vergangenen Tagen bei der Royal Fishing Kinderhilfe lieber jungen Menschen das Angeln bei.

Also kümmerte sich mal wieder Slada um alles. "Die Geburtstagsfeier hat meine Frau organisiert, da brauche ich mich nicht drum zu kümmern", sagt Zach: "Wir werden in einem schönen Lokal gut essen und mit Freunden feiern - das passt alles wunderbar."

Die Eishockey-Ikone wird am Samstag 70 Jahre alt. Ein Alter, das man dem Bad Tölzer überhaupt nicht ansieht. Zach hält sich nicht nur mit Angelausflügen, sondern auch mit Bergsteigen, Radfahren und Holzarbeiten fit.

Er könne seinen Ruhestand "richtig genießen", verrät der ehemalige Bundestrainer. Doch wenn er über das Eishockey spricht, dann brodelt es noch immer im "Alpenvulkan".

Zach kritisiert DEL-Klubs

Über die Entwicklung des deutschen Eishockeys hat er eine klare und unpopuläre Meinung. "Wir sind trotz der Silbermedaille bei Olympia noch nicht weiter als vor 30 Jahren, da können alle sagen, was sie wollen", sagte Zach im Interview mit der Fachzeitschrift Eishockey-News.

Und Zach weiß auch, woran das liegt: "Die verantwortlichen Herren in den DEL-Klubs setzen ganz andere, aber falsche Prioritäten. Bei uns will keiner - bis auf wenige Ausnahmen - richtig Geld in den Nachwuchs investieren."

Zach noch immer einziger deutscher Meister-Coach

Diese Meinung hat Zach schon vor 20 Jahren lautstark vertreten und seitdem immer wieder gepredigt. Ob er jetzt noch erhört wird, ist Zach fast egal. Er verfolge den Sport "nicht als Gscheitmeier, nicht als Berater, sondern als Beobachter".

Und in dieser Rolle sieht er in der DEL zwar "fleißige deutsche Trainer", die es aber oft "zu kompliziert machen".

Auch deshalb sei er weiterhin der einzige deutsche Coach, der in der DEL-Geschichte einen Klub zum Meistertitel geführt hat (2010 mit Außenseiter Hannover Scorpions). Außerdem feierte er mit der Düsseldorfer EG drei Meisterschaften in der damaligen Bundesliga.

Zach "nicht mehr in der Lage, eine Mannschaft zu trainieren"

"Ich hatte immer einen sehr guten Draht zu den Spielern, konnte sie motivieren und hatte viel Ahnung von der Trainingssteuerung und konnte sie damit zu Höchstleistungen bringen", sagt Zach nicht ganz uneitel.

Der ehemalige NHL-Star Jochen Hecht beschrieb Zachs Coaching mal als "intensiv und laut", doch ein Choleriker sei er nie gewesen, betonte Zach: "Ich fluche selten. Ich werde verständlich."

So groß seine Leidenschaft für das Eishockey auch noch ist, hinter die Bande wird die Trainer-Ikone nicht mehr zurückkehren. Sein Intermezzo 2014 als Interimscoach der Adler Mannheim war der Schlusspunkt hinter seiner Karriere.

"Ich bin auch selbstkritisch genug, um zu wissen, dass ich gar nicht mehr in der Lage wäre, eine Mannschaft zu trainieren."

Und außerdem: "So viele Spiele könnte ich gar nicht mehr coachen, wie es Berge gibt, auf die ich noch 'rauf will."

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