Eishockey

"LeBron James? Da platzt mir der Kragen!"

Jochen Reimer spielt ab 2017 für den ERC Ingolstadt

SPOX: Ihr Bruder Patrick spielt weiterhin in Nürnberg. Freuen Sie sich schon auf das nächste Duell, haben Sie vielleicht sogar eine Wette laufen?

Reimer: Nein. Ich spiele nun seit zwölf Jahren in der DEL, davon haben wir sechs Jahre zusammen gespielt und eben auch sechs als Gegner. Das ist nicht mehr neu. Klar werden es vier interessante Spiele. Aber das Bruder-Duell spielt sich hauptsächlich in den Medien ab. Für uns ist das eher nervig.

SPOX: Eine echte Bruderrivalität gibt es also nicht?

Reimer: Überhaupt nicht. Das ist bei uns überhaupt kein Thema. Wir machen uns eher Sorgen um unsere Mama, weil die vor solchen Spielen immer ganz aufgeregt ist. Ansonsten ist das gar keine große Sache.

SPOX: Hand aufs Herz: Sie sind ja großer USA-Fan. Wie sehr war es denn eigentlich bei Ihnen Thema, selbst mal in den USA zu spielen? Und sei es nur, um mal in den Minor Leagues die Chance zu suchen. Das war für Sie doch sicher ein großer Traum.

Reimer: Das war definitiv ein Thema. Gerade in jüngeren Jahren. Ich weiß nicht genau, warum es nicht geklappt hat, aber - und das war bei meinem Bruder ähnlich - wir sind vielleicht nicht früh genug von daheim weg gekommen. Wir sind nicht unbedingt belächelt worden, aber wir wurden vielleicht einfach übersehen.

SPOX: Sind Sie vielleicht zu spät ins Profigeschäft eingestiegen?

Reimer: Ich würde sagen, wir haben den Sprung nicht zu spät geschafft. In meinem ersten DEL-Jahr war ich 21, was jetzt nicht unbedingt spät ist. Mein Bruder war 23.

SPOX: Woran hat es dann gefehlt?

Reimer: In der Zeit davor waren wir nie so wirklich im Blickfeld. Und in dem Zeitraum wird man eben gedraftet. Daher war das vorher nie ein Thema. Als ich dann doch mal auf höherer Ebene wahrgenommen wurde, war ich schon Mitte, Ende 20. Und in den Staaten kamen dann schon wieder so viele junge Spieler nach, denen man eher eine Chance gibt.

SPOX: Gab es denn in dieser Phase konkrete Angebote aus den USA?

Reimer: Ja, ich hatte vor ein oder zwei Jahren ein Angebot aus der AHL (American Hockey League, die oberste Minor League unterhalb der NHL, Anm. d. Red.), um dort zu spielen und dann mal zu schauen. Ich habe mich jedoch eher für die Sicherheit hier entschieden.

SPOX: Und mit Sicherheit meinen Sie die finanzielle, oder?

Reimer: Genau. In der AHL ist das Gehalt auf einem Niveau, dass man sich zwar was zu essen kaufen kann, aber großartige Sprünge macht man damit nicht. Wenn man tatsächlich den Sprung in die NHL schafft, kann man sich entspannt zurücklehnen. Aber wenn nicht, dann wird es schwierig. Und da habe ich mich dann eher für die sichere Variante in Deutschland entschieden.

SPOX: Haben Sie danach noch oft über diese Entscheidung nachgedacht?

Reimer: Ich mache mir noch heute ab und zu Vorwürfe, da ich das ganz gern ausprobiert hätte. Aber jetzt ist es auch schon zu spät.

SPOX: Der Weg ist aber auch ein extrem komplizierter. Und es gibt ja auch viele Unwägbarkeiten. Schauen Sie sich nur Tom Kühnhackls Karriere an, der war quasi unterhalb der AHL angesiedelt, war im Grunde weg vom Fenster und dann kam der richtige Trainer im richtigen Zeitpunkt.

Reimer: Oh ja, bei ihm hat jeder damit gerechnet, dass er in München, Mannheim oder Köln unterschreibt für die nächsten Jahre. Und dann ist er doch drüben geblieben, hat sich durchgesetzt und lacht jetzt alle aus mit seinen zwei Stanley-Cup-Ringen. So schnell kann es gehen.

SPOX: Aber die Regel ist so ein Weg eben auch nicht.

Reimer: Richtig, es geht auch andersherum. Manche können einfach nicht loslassen, obwohl es nicht klappt. Und irgendwann sitzen sie da, sind 36, haben keinen Euro auf dem Konto und müssen schauen, wo sie bleiben.

SPOX: Abschließende Frage: Woher kommt eigentlich Ihr Spitzname "Joker"?

Reimer: Das ist witzig. Der, der mir den Spitznamen gegeben hat, war derjenige, der mich zum ersten Angels-Spiel (die Los Angeles Angels aus der MLB, Anm. d. Red.) meines Lebens mitgenommen hat - Greg Johnson. Wir haben so viele Amerikaner in der Mannschaft und "ch" können die überhaupt nicht aussprechen. Sie sagten "Joken", "Joka" - und irgendwann hat Greg gesagt: "Du bist jetzt der Joker!" Da war ich 19 Jahre alt, heute bin ich 32. Seitdem habe ich den Spitznamen.

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