Wer gewinnt "Game 7"?

Von SPOX
Dienstag, 16.05.2017 | 14:32 Uhr
Auf ihm ruhen die Hoffnungen: NHL-Star Leon Draisaitl
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Am Dienstag (JETZT live auf DAZNund im LIVETICKER) trifft die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft auf Lettland. Im letzten Gruppenspiel der Vorrunde entscheidet sich, ob das Team von Bundestrainer Marco Sturm das Viertelfinale erreicht. Wie gut sind die Letten? Reicht ein Sieg in Overtime? Und wer würde im Viertelfinale warten? SPOX beantwortet die wichtigsten Fragen.

Deutschland vs. Lettland - worum geht's?

Ganz platt gesagt: Es geht um alles. Schon vor dem Beginn des Turniers war darüber spekuliert worden, dass es im letzten Gruppenspiel gegen die Letten um den Einzug ins Viertelfinale gehen könnte - und so ist es auch gekommen. "Spiel 7" ist vor allem in den Playoffs in den USA ein geflügeltes Wort, diesmal passt es auch auf die Eishockey-WM.

In diesem siebten Spiel entscheidet sich wohl auch, ob die Heim-WM letzten Endes als Erfolg angesehen werden kann: Der Verband und auch Sturm hatten zwar im Vorlauf immer versucht, die Erwartungen nicht allzu groß werden zu lassen und "ein gutes Turnier" nicht allein vom Ergebnis abhängig zu machen. Sollte man jedoch gegen die Letten ausscheiden, wäre die Enttäuschung enorm groß, vor allem nach dem guten Start ins Turnier mit dem sensationellen Auftaktsieg über die USA.

Die Ausgangsposition:

Ein Blick auf die Tabelle der Vorrundengruppe A verrät: Lettland und Deutschland stehen mit jeweils neun Punkten auf den Plätzen vier und fünf. Heißt: Der Sieger kommt ins Viertelfinale, sei es ein Sieg in regulärer Spielzeit, in der Overtime oder nach Penalties. Der Verlierer fährt nach Hause.

Angesichts dreier Weltklasse-Mannschaften in der Gruppe (Russland, USA, Schweden) und dreier nicht so starker Teams (Italien, Dänemark, Slowakei) war mit diesem Szenario fast gerechnet worden. Die Letten haben die drei machbaren Partien für sich entschieden und gegen die drei "Großen" verloren, am Montag setzte es eine klare Pleite gegen die Sbornaja. Deutschland hat die nicht eingeplanten drei Punkte gegen die USA wieder durch den Penalties-Erfolg gegen die Slowakei und die Overtime-Niederlage gegen Dänemark wieder liegen lassen.

Allerdings wäre man auch bei zwölf Punkten noch nicht durch gewesen: Am Ende zählt der direkte Vergleich. Ein Sieg nach 60 Minuten hätte Lettland also ohnehin genügt.

RangTeamSpieleSiegeSieg n.V.Sieg n.P.NiederlageNiederlage n.V.Niederlage n.P.ToreGegentoreDifferenzPunkte
1Russland6501000325+2717
2USA65001002611+1515
3Schweden64001012511+1413
4Lettland63003001114-39
5Deutschland62012101620-49
6Dänemark71114001322-97
7Slowakei60103021024-144
8Italien7000610632-261

Deutschlands Leistungsträger:

Wer das Spiel gegen Italien gesehen hat, weiß: Leon Draisaitl wurde nicht ohne Grund vermisst. Der 21 Jahre alte Leistungsträger der Edmonton Oilers war nach seinem Playoff-Aus kaum auf deutschem Boden aufgesetzt, da schnallte er sich am Samstagabend auch schon die Schlittschuhe an und war bester Spieler auf dem Eis. Vor allem die Abstimmung mit Christian Ehrhoff klappte bereits wunderbar. Nach dem WM-Aus von Tobias Rieder lasten die Hoffnungen auf ihm, die zwei freien Tage werden seine Batterien wieder etwas aufgeladen haben. "Er hat noch einiges im Tank, und das wird er zeigen", betonte Sturm.

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Im Tor stehen wird der zweite nachgerückte NHL-Star: Goalie Philipp Grubauer soll die Letten stoppen, zumal Thomas Greiss immer noch angeschlagen ist. Grubauers Washington Capitals hatten Spiel sieben in den NHL-Playoffs gegen Pittsburgh verloren, das soll ihm nicht noch einmal passieren. In Sachen Leistung muss er sich vor US-Held Greiss nicht verstecken, und vielleicht ist es für das Team auch gar nicht schlecht, dass der nach seiner "Instagram-Affäre" nicht im Mittelpunkt steht und Teamkollegen so weiter unnötige Fragen beantworten müssen.

Lettlands Leistungsträger:

Große Namen aus der NHL sucht man bei den Letten vergebens: Nur ein einziger Spieler aus Nordamerika steht im Kader - und Verteidiger Oleg Yevenko spielt bei den Cleveland Monsters, also unterklassig. Brandgefährlich ist das Team aber trotzdem, zumal es enorm eingespielt ist: Gleich 15 Mann stehen bei Dynamo Minsk unter Vertrag. Mit Angreifer Charles Lignet (Eisbären Berlin) ist zudem ein Mann aus der DEL dabei.

Einen überragenden Scorer in der Offensive, auf den es sich zu konzentrieren gilt, sucht man daher auch vergebens: Linkshänder Andris Dzerins ist mit drei Toren bester Schütze, die Statistik weist keinen Spieler mit fünf Scorerpunkten aus. Dafür absolviert Keeper Elvis Merzlikins (fünf Einsätze) vom HC Lugano ein sehr starkes Turnier: Seine Fangquote von 94.63 Prozent wird nur vom Russen Andrei Vasilevski überboten.

Direkter Vergleich:

Das letzte Aufeinandertreffen ist noch gar nicht lange her: Vor dem Turnier konnte man bei Testspielen in Ravensburg und Bietigheim schon sehen, wie eng beide Teams beieinander liegen. Das erste Spiel gewann Lettland mit 4:3 in Overtime, vier Tage vor Turnierbeginn siegte das DEB-Team nach zwei Toren von Fred Tiffels mit 3:2.

In der WM-Qualifikation für 2018 hatte Deutschland im vergangenen September die Nase vorn. Damals gewann man mit Draisaitl und Grubauer im Kasten mit 3:2 und sicherte sich das Ticket für Pyeongchang. "Die Letten wollen Revanche, wir haben sie damals rausgeschmissen", weiß Sturm. Es dürfte auch am Dienstagabend ähnlich eng werden - nicht umsonst spielen der Zehnte (Deutschland) und der Zwölfte der Weltrangliste gegeneinander.

Statistiken:

Einen klaren Vorteil hat Deutschland in der Offensive: Bei den bisherigen Torschüssen (177:155) und Toren (16:11) liegt man vorn. Im Powerplay hat das DEB-Team 18 Überzahlsituationen in fünf Treffer umgemünzt, Lettland (22 mal Überzahl, sechs Tore) geht es ähnlich. Auch im Penalty Killing sind beide Teams ähnlich gut (17 Mal Unterzahl, drei Gegentore bei Lettland, 20/4 bei Deutschland).

Ein X-Faktor muss natürlich die Lanxess Arena sein: Über 18.500 Zuschauer im Schnitt wollten bisher die deutschen Spiele sehen, das ist natürlich Spitzenwert. Lettland lockte bisher 11.746 Zuschauer pro Partie in die Halle. Die größere und für den Gegner ungewohnte Kulisse könnte Deutschland in die Karten spielen - zumal die deutschen Fans natürlich brennen werden.

Der Gegner im Viertelfinale:

Wer auch immer gewinnt, bleibt Vierter in der Gruppe A, zumal Schweden mit 13 Punkten bereits vier Punkte enteilt ist. Heißt: Im Viertelfinale geht es gegen Topfavorit Kanada, Gruppensieger der Gruppe B in Paris. Gegen den zweifachen Titelverteidiger bräuchte es da schon ein Wunder. Allerdings sind auch die Kanadier nicht unbesiegbar: Gegen die Schweiz verlor man sensationell 2:3 in Overtime.

Prognose:

Beide Teams sind in etwa gleichstark einzuschätzen. Deutschland hat auf dem Papier die besseren Topspieler und natürlich die Zuschauer hinter sich, aber Lettlands Trainer Bob Hartley, Stanley-Cup-Sieger von 2001, ist ein Trainerfuchs mit einer Menge Erfahrung, sein Team tritt als geschlossene Einheit auf. Am Ende setzt sich Deutschland aber dank Draisaitl in Overtime durch und bekommt das Traum-Viertelfinale gegen Kanada.

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