Sturm mit Pepita-Hut zu Olympia

SID
Montag, 05.09.2016 | 12:50 Uhr
Marco Sturm muss bei Olympia 2018 womöglich auf Tom Kühnhackl verzichten
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Mit geballter NHL-Power hat sich die deutsche Nationalmannschaft für Olympia 2018 qualifiziert. Doch die Übersee-Profis werden nach derzeitigem Stand nur Zuschauer in Pyeongchang sein.

Mit dem Olympia-Ticket in der Tasche lieferte Franz Reindl gut gelaunt das Bonmot des Abends. "Hut ab vor Marco, deshalb hat er ja auch den Hut auf", sagte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) schmunzelnd, als er nach der erfolgreichen Qualifikation für die Winterspiele 2018 über seinen Bundestrainer Marco Sturm sprach.

Nach dem entscheidenden 3:2-Sieg gegen Gastgeber Lettland hatten die Spieler ihrem Coach den berühmten Pepita-Hut der Trainerlegende Xaver Unsinn aufgesetzt - die Auszeichnung, die der ehemalige NHL-Star eigentlich für den besten Akteur auf dem Eis vorgesehen hatte.

"Es war für den ganzen Trainerstab", berichtete Sturm, "für die - laut Spieler - gute Arbeit." Die legendäre Kopfbedeckung des 2012 verstorbenen "Mister Eishockei" war nicht die einzige Belohnung, die der Chefcoach nach seinem wichtigsten Sieg nach gut einem Jahr im Amt erhielt. Sein Vertrag verlängerte sich automatisch um ein Jahr bis 2018. "Das ist zweitrangig", meinte Sturm: "Entweder will dich ein Verband oder nicht. Da ist es egal, ob es noch irgendeine Option gibt."

"Es ist etwas besonderes"

Innerhalb von vier Monaten hat der deutsche NHL-Rekordspieler in seinem neuen Job nicht nur den Absturz der Nationalmannschaft gestoppt, sondern sie wieder in die Weltelite geführt: erst im Mai in St. Petersburg ins WM-Viertelfinale, jetzt in Riga nach dem historischen Sotschi-Aus zurück aufs olympische Eis. Für Sturm geht der Traum von den vierten Winterspielen in Erfüllung, die NHL-Spieler um Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl werden dagegen nach derzeitigem Stand in Pyeongchang nur Zuschauer sein.

Denn die stärkste Eishockey-Liga der Welt bereitet ihren Rückzug von Olympia vor. Die milliardenschweren Klubbesitzer haben erklärt, dass sie ihre Spieler nicht nach Südkorea schicken, wenn nicht das Internationale Olympische Komitee (IOC) alle Kosten übernimmt. Und in knapp zwei Wochen veranstaltet die NHL in Toronto ihr "Ersatz-Olympia". Der World Cup of Hockey mit allen Stars der Liga, erstmals seit 2004 wiederbelebt, wird in Nordamerika als das einzig wahre Turnier der Besten verkauft - wer braucht da noch Olympische Spiele?

"Ich habe selber Olympia gespielt, es ist etwas Besonderes", sagte Sturm, der 1998, 2002 und 2010 unter den fünf Ringen auf dem Eis stand: "Die Spieler wollen dabei sein, jeder will dahin." Für die Deutschen ist der World Cup ab 17. September ohnehin kein Olympia-Ersatz. Christian Ehrhoff, Dennis Seidenberg, Leon Draisaitl, Tobias Rieder und der in Riga aus persönlichen Gründen fehlende Thomas Greiss dürfen im Team Europe mitspielen. "Das ist ein bisschen komisch - ohne deutsche Nationalhymne", meinte Verteidiger Ehrhoff.

"IOC muss etwas beitragen"

Tom Kühnhackl, der gegen Lettland fünf Minuten vor Schluss das Siegtor erzielte, fände es "schade", wenn ihm der Flug nach Südkorea verweigert würde. "Sowas erlebt man nicht oft", sagte der 24-Jährige, der in der Familie einen Olympia-Helden hat: Vater Erich gewann 1976 in Innsbruck mit der DEB-Auswahl sensationell Bronze.

Reindl hofft noch auf eine Einigung und setzt auf die Gespräche am Rande des World Cups in Toronto. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagte der DEB-Präsident, stellte aber auch klar: "Die Kosten sind enorm, da muss auch das IOC etwas beitragen. Wenn sie die Besten wollen, kostet es was."

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