Eishockey-WM: Hans Zach im Interview

"Mannschaft Spiegelbild des Trainers"

Freitag, 20.05.2016 | 18:02 Uhr
Hans Zach (r.) und Klaus Augenthaler gönnen sich ein Bierchen
© imago
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SPOX hat eine Todsünde begangen und Hans Zach beim Fischen gestört. Glücklicherweise brach der Alpenvulkan nicht aus, sondern brodelte nur ein bisschen. Der frühere Bundestrainer sprach schließlich über den Auftritt des DEB-Teams bei der WM in Russland und die Leistung von Thomas Greiss. Zudem verriet der 67-Jährige, warum Marco Sturm ziemlich schlau ist.

SPOX: Hallo Herr Zach, wir von SPOX würden Ihnen gerne ein paar Fragen zum Auftritt der deutschen Mannschaft bei der WM stellen. Haben Sie kurz Zeit zu telefonieren?

Hans Zach: Ungünstig ist es gerade schon. Ich stehe mitten in einem Fluss in Schweden, habe die Rute in der Hand und fische auf Lachse. Wunderschön ist das hier, kann ich Ihnen sagen.

SPOX: Wären Sie trotzdem kurz so nett uns...

Zach: (unterbricht) Ja, komm. Ein paar Minuten hab ich.

SPOX: Super! Haben Sie die Spiele des DEB-Teams denn überhaupt verfolgt, wenn Sie im Urlaub sind?

Zach: Ich habe alle Spiele gesehen. Was wollen Sie denn wissen?

SPOX: Zum Beispiel wie Ihr WM-Fazit aus deutscher Sicht ausfällt.

Zach: Unsere Mannschaft hat unter dem Strich eine sehr gute Leistung gezeigt, ich bin sehr zufrieden. Kämpferisch war das einwandfrei, spielerisch ebenfalls. Gerade auch das Überzahlspiel hat mir sehr gut gefallen. Das war ein rundum sympathischer Auftritt unserer Mannschaft.

SPOX: Auch beim Aus gegen Russland hat die Truppe einen tollen Fight geliefert und nicht viel falsch gemacht. Es reichte einfach nicht, weil die Russen so unglaublich stark sind, oder?

Zach: Genau. Deutschland hat sich eigentlich nichts vorzuwerfen. Um solch eine Mannschaft zu schlagen - dann auch noch in Russland - hätte ein Wunder geschehen müssen. Aber wir waren im Viertelfinale, haben uns schon lange nicht mehr so gut präsentiert. Noch mehr ist zumindest derzeit einfach kaum drin.

SPOX: Zugegeben hätte es gegen die Russen auch eine ziemliche Klatsche setzen können. Thomas Greiss hat wie im gesamten Turnier unfassbar gehalten. Was zeichnet ihn aus?

Zach: Thomas ist ein großer Rückhalt für das Team. Ich persönlich habe ihm ganz besonders fest die Daumen gedrückt. Ich kenne ihn gut, er hat seine einzige DEL-Saison unter mir gespielt. Ich war ja damals Trainer in Köln. Er strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, wird nie nervös - einfach große Klasse.

SPOX: Generell war zu spüren, dass die Jungs aus der NHL richtig Lust darauf hatten, für Deutschland zu spielen. Das war in der Vergangenheit nicht immer...

Zach: (unterbricht) Ui. Jetzt ist ein wunderschöner Lachs vorbeigeschwommen... Was meinten Sie?

Krupp im SPOX-Interview: "Am Ende zählen nur die Resultate"

SPOX: Dass die NHL-Cracks im Vergleich zur Vergangenheit richtig Bock auf die Nationalmannschaft hatten.

Zach: Das sehen Sie nicht ganz falsch. Das liegt an Marco Sturm. Er ist eine Identifikationsfigur für die Jungs, ein riesiges Vorbild. Es ist sein erstes Jahr als Trainer, es war seine erste WM hinter der Bande. Er und seine drei Assistenten haben ihre Sache genauso toll wie die Mannschaft gemacht. Wissen Sie: Die Mannschaft ist meistens ein Spiegelbild des Trainers. Sturm hat einen großen Anteil an dem guten Abschneiden.

SPOX: Sturm selbst meinte in einem Interview, dass er einiges von Hans Zach habe. Welche Eigenschaften dürfte er damit gemeint haben?

Zach: Als ich Bundestrainer war, hat er unter mir bei der WM und bei Olympia gespielt. Er wird sich dabei ein paar Dinge abgeschaut haben. Beispielsweise habe ich immer eine große Disziplin auf und außerhalb des Eis gefordert, verlangte von meinen Spielern ein einfaches Spiel. Und ich war immer ehrlich zu den Jungs. Wenn Marco Sturm viel von mir angenommen hat, spricht das dafür, dass er ziemlich schlau ist. (lacht)

SPOX: Sie haben sich immer - auch als nach Uwe Krupp Pat Cortina und Jakob Kölliker kamen - für einen deutschen Bundestrainer ausgesprochen. Warum eigentlich?

Zach: Wir sind eine deutsche Nationalmannschaft, und die braucht einen deutschen Bundestrainer. Das ist nun mal meine Meinung. Und fertig. Und man sieht doch jetzt an Marco Sturm, dass es sicher nicht falsch ist. Natürlich ist mir bewusst, dass es viele hervorragende ausländische Trainer gibt. Aber ich finde einfach, dass die Identifikation mit einem deutschen Trainer höher ist.

SPOX: Auffällig waren die vielen Tore, die Deutschland erzielt hat. Woher kam plötzlich diese offensive Power?

Zach: Weil die Mannschaft ein gutes System gespielt hat, technisch gut und in der Abwehr stark war. Dadurch haben sich Kontermöglichkeiten ergeben, die gut genutzt wurden. Philip Gogulla hat mir beispielsweise gut gefallen, auch Patrick Hager. Und die NHL-Spieler natürlich auch. Über Marcel Goc müssen wir ohnehin nicht reden. Die Mannschaft hatte insgesamt einfach einen guten Charakter.

SPOX: Wie wichtig war dieses positive Erlebnis gerade im Hinblick auf das kommende Jahr, wenn die WM in Deutschland stattfindet?

Zach: Das war sehr wichtig. Aber ich warne davor, sich darauf auszuruhen. Die Mannschaft muss dieses Turnier jetzt abhaken und weiter hart arbeiten - mit Disziplin und Teamgeist. Es gibt keine Garantie, dass wir im nächsten Jahr wieder so gut sind. Genauso gut kann es aber sein, dass, wenn alle mitziehen, im nächsten Jahr vielleicht sogar noch ein bisschen mehr drin ist.

SPOX: Und was halten Sie von...

Zach: (unterbricht): Halt! Jetzt reicht es. Sie haben mich jetzt lange genug daran gehindert, einen tollen Lachs zu fangen. Ich muss jetzt wirklich fischen.

SPOX: Verständlich! Danke und Petri Heil.

Zach: Petri Dank.

Alles zur WM in Russland

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