Bundestrainer Marco Sturm im Interview

"Einige nicht stolz, den Adler zu tragen"

Von Interview: Benedikt Treuer
Dienstag, 28.07.2015 | 10:27 Uhr
Marco Sturm ist der neue Nationaltrainer beim DEB
© imago
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Marco Sturm startet ins Trainergeschäft - und das gleich als Bundestrainer und General Manager beim DEB. Im SPOX-Interview spricht er über den Wahnsinn der Doppelfunktion, vermeidbare Absagenfluten, fehlenden Stolz in der Nationalmannschaft und das Konzept Weltspitze.

SPOX: Herr Bundestrainer...

Marco Sturm: (lacht) Die Anrede ist noch ein bisschen ungewohnt.

SPOX: Kein Wunder: Es ist nur ein gutes Jahr her, dass Sie im SPOX-Interview aussagten, Ihre Zukunft nicht im Trainer-Bereich zu sehen. Jetzt stehen Sie hier als Nationalcoach. Woher der Sinneswandel?

Sturm: Das habe ich damals so gesagt und tatsächlich auch genau so gemeint. Nachdem ich meine Karriere beendet hatte, wollte ich mit dem Trainergeschäft eigentlich nichts zu tun haben. Als Papa konnte ich aber auch nicht "Nein" sagen, als mich meine Kinder fragten, ob ich Trainer werden würde. Sie haben mich überredet. Das fing im Nachwuchsbereich an und auf einmal war der Reiz wieder da, sodass ich in den Staaten die Trainerscheine gemacht habe.

SPOX: Nach Ihrem Abschiedsspiel sagten Sie: "Wenn Deutschland ruft, ist das eine Ehre." Dachten Sie genau das, als Franz Reindl Sie vor wenigen Wochen anrief?

Sturm: Ehrlich gesagt nein. Wir waren die letzten Monate zwar ständig in Kontakt, das hatte aber mehr mit dem Scouting der deutschen Spieler in Amerika zu tun. Das Thema Bundestrainer kam ziemlich spät auf. Dass es dann so schnell ging, war auch für mich überraschend und natürlich ein perfekter Start ins Trainerleben.

SPOX: Ihr Karriereende begründeten Sie damals mit einem leeren Akku. Haben Sie sich für Ihre Doppelfunktion beim DEB vorsichtshalber schon zwei Ersatzakkus mitbestellt?

Sturm: (lacht) Die Arbeit wird nicht weniger, das stimmt, aber ich habe mich die letzten beiden Jahre gut erholt. Ich bin frisch und freue mich auf die Herausforderung.

SPOX: Jedoch mutet man Ihnen, der noch keinerlei Erfahrung als Chefcoach hat, direkt den Bundestrainerposten und das Amt des General Managers zu. Ist das überhaupt zu bewerkstelligen?

Sturm: Gerade am Anfang, wenn noch viele Eindrücke als Nationaltrainer auf mich einwirken, wird das sicher sehr stressig - ich bin schließlich auch nur ein Mensch. Franz hat es aber gut erklärt: Mein GM-Posten ist hauptsächlich auf den internationalen Bereich ausgerichtet, vor allem Amerika. Wenn jemand international nur als Bundestrainer auftritt, hat das nicht den gleichen Wert, wie jemand, der zusätzlich auch General Manager ist. Der Posten wurde im Prinzip nach dem Vorbild des General Managers in Amerika geschaffen. Dort steht der General Manager in gewisser Weise über den Trainern. In meinem Fall verantworte ich in dieser Funktion neben der Nationalmannschaft noch die U18- und U20-Auswahl. Es geht hier auch um die Außendarstellung. Ich sehe mich aber vordergründig als Bundestrainer.

SPOX: Mit ein paar mehr Aufgaben drum herum?

Sturm: Genau. Natürlich muss ich mich auch um die anderen Dinge wie die Kontaktpflege der Spieler und Vereine in Amerika, das Scouting, die Nachwuchsarbeit oder die Einbeziehung der DEL kümmern.

SPOX: Doch selbst der erfahrene Pat Cortina hatte in seiner Doppelrolle keinen Erfolg. Wenn Sie es objektiv betrachten, ist es doch eigentlich totaler Wahnsinn ist, dass man es wieder mit dieser gewagten Aufgabenverteilung probiert, oder?

Sturm: Pat Cortina hatte neben der Position des Bundestrainers zusätzlich die des Sportdirektors für alle Nationalmannschaften inne. Das sind dann doch nochmal ganz andere Aufgabenbereiche. Natürlich ist es auch für mich jetzt eine Doppelbelastung, aber genau aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass ich das Team um mich herum selbst zusammenstellen kann. Das war auch meine Forderung, denn nur so geht es. Alleine kann man das nicht schaffen. Deswegen suche ich mir Leute, denen ich voll vertrauen kann und bei denen ich weiß, dass sie ihre Aufgaben zu 100 Prozent umsetzen und voll hinter mir stehen.

SPOX: Sie kündigten bereits an, engen Kontakt zu Uwe Krupp und Hans Zach halten zu wollen. Kommen die beiden für Ihre Co-Trainer-Posten infrage?

Sturm: Auf jeden Fall, wenngleich ich mir bei dieser Suche ein wenig Zeit lassen möchte. Es ist noch alles offen. Ich habe noch viele Gespräche vor mir. Das Wichtigste für mich ist meine Mannschaft. Das gesamte Trainerteam und das Management gehören genauso dazu wie die Spieler. Uwe ist natürlich ein guter Kandidat. Ich kann mir aber auch vorstellen, mit jemandem aus der NHL zusammenzuarbeiten.

SPOX: Krupp ist aktuell Trainer der Eisbären Berlin. Gäbe es vom Verein aus Probleme, wenn er sich Ihnen anschließen wollte?

Sturm: Das sind Sachen, die wir in aller Ruhe abklären müssen. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich zeigen, welche Möglichkeiten es gibt. Uwe ist einer der wenigen guten, hochklassigen und international renommierten Trainer, die wir in Deutschland haben.

SPOX: Sie haben ihn selbst als Bundestrainer erlebt. Was nehmen Sie von seiner Arbeitsweise und dem Umgang mit den Spielern mit in Ihren neuen Trainerjob?

Sturm: Ich glaube, wir sind uns ohnehin ähnlich. Er ist fast den gleichen Weg gegangen wie ich. Seine sachliche Art mit all der Ruhe macht ihn zu einem super Eishockey-Trainer - national wie international. Auch er hat schon als Spieler große Erfahrungen gesammelt, was im Gespräch mit den eigenen Spielern ein entscheidender Vorteil ist. Ich hoffe, dass es mir nicht anders ergeht.

SPOX: "Wer, wenn nicht Marco, sollte das schaffen?", sagte Reindl unlängst. Wie gehen Sie als Trainer-Rookie mit diesen Erwartungen und dem hohen Druck um?

Sturm: Druck hat man immer, der gehört dazu. Den hatte ich auch schon die letzten 20 Jahre - vermutlich so enorm wie kein anderer deutscher Spieler in der NHL. Von daher ist es für mich nichts Neues. Ich bin ganz positiv, obwohl ich weiß, dass schwierige Aufgaben auf uns zukommen.

SPOX: Zum Beispiel die Berufung des Kaders. Pat Cortina kassierte im Sommer mehr als 20 Absagen für die WM in Prag. Wie wollen Sie das zukünftig verhindern?

Sturm: Erst einmal muss ich in Erfahrung bringen, weshalb die Jungs abgesagt haben. Das hatte mit Sicherheit mehrere Gründe. Der Kontakt zu den Spielern im Ausland muss wieder besser werden. Man muss viel reden und sich austauschen, damit beide Seiten wissen, wie die Lage ist. Eins ist aber klar: Eine WM mit so vielen Absagen darf in Zukunft nicht mehr passieren.

Seite 1: Sturm über seine Doppelfunktion und vermeidbare Absagenfluten

Seite 2: Sturm über fehlenden Stolz im Nationalteam und das Konzept Weltspitze

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