Alex Ovechkin und die Capitals

Das neue Wir-Gefühl

Von Adrian Franke
Mittwoch, 13.05.2015 | 19:51 Uhr
Alex Ovechkin will Wiedergutmachung betreiben
© getty
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Nach dem maßlos enttäuschenden Vorjahr ist Alexander Ovechkin mit den Washington Capitals auf dem besten Weg, eine bislang unüberwindbare Hürde zu überspringen. Unter Barry Trotz hat Washington unerwartet schnell wieder in die Spur gefunden und könnte die New York Rangers im entscheidenden siebten Spiel in der Nacht auf Donnerstag schlagen. Mitentscheidend dafür: Ein neues Wir-Gefühl - und ein neuer Ovechkin.

Keiner konnte Alex Ovechkin trösten. Er, der doch als Superstar die Sbornaja zu olympischem Gold im heimischen Sotschi führen sollte, war soeben kläglich mit seinem Team gescheitert. 1:3 hieß es im Viertelfinale gegen Finnland, einen einzigen Treffer hatte Ovechkin selbst über das komplette Turnier beigesteuert. "Ich will mich bei den Fans entschuldigen. Es ist klar, dass sie enttäuscht sind, aber das Leben geht weiter", erklärte er einige Tage später, noch immer sichtlich getroffen.

Die Kritik in seiner Heimat ging so weit, dass ihn sogar Nationaltrainer Zinetula Bilyaletdinov, ein defensiver Disziplin-Fanatiker, öffentlich an den Pranger stellte: "Es ist schwer zu erklären, warum wir keine Tore erzielt haben. Vor allem Alexander Ovechkin. Er hat 40 Tore in der NHL. Ich kann es mir nicht erklären." Doch selbst die Rückkehr in die gewohnte Umgebung seiner Capitals brachte Ovechkin nur bedingt Zerstreuung.

Zum ersten Mal seit 2007 verpasste Washington nach Olympia die Playoffs. Ovechkins -35 Rating sorgte trotz seiner 51 Saisontore (Ligaspitzenwert) für ein unfassbares Medienecho und gab den Kritikern an der mangelnden Defensivarbeit des Russen mehr als genug Nahrung für den Sommer. 2014 hätte ein großes Jahr für Ovechkin werden können. Stattdessen war es vor allem von Frust geprägt.

Die unüberwindbare Hürde

Gleichzeitig war es aber zu gewissen Teilen auch ein Mikrokosmos der Kritik, die Ovechkin bislang durch seine komplette Karriere begleitet hat. Als sich die ganz große Bühne geboten hatte, war dem Ausnahmespieler der große Wurf erneut nicht gelungen.

Genau wie Olympiagold in der Heimat war auch der Stanley Cup bislang noch nie auch nur in Reichweite. Zwar dominierte Ovechkin immer wieder die Regular Season und bot mit seinen Capitals eine Show auf dem Eis, doch wenn es in die Playoffs ging, war oft deutlich früher als erwartet Schluss. In den letzten zehn Jahren steht Washington in den Playoffs bei gerade einmal vier gewonnenen Serien.

Die Conference Finals hat Ovechkin, der als einziger NHL-Spieler im letzten Jahrzehnt 400 Tore verzeichnen konnte, noch nie erreicht. So gab Team- und Line-Kollege Nicklas Bäckström die Richtung vor: "Wir sind damit natürlich längst nicht zufrieden. Wir wollen uns steigern und so weit wie möglich kommen."

Playoff-Versager? Mitnichten!

Oft kam durch das frühe Ausscheiden die altbekannte Kritik auf: Weniger Power-Play-Gelegenheiten resultieren darin, dass Ovechkin in der Postseason weniger Einfluss auf das Spiel hat. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache, Ovi ging in die laufenden Playoffs mit 1,05 Punkten pro Playoff-Spiel (fünftbester Wert aller aktiven Spieler mit mindestens zehn Spielen) sowie 0,53 Toren pro Playoff-Spiel.

Das beweist: Der Winger ist auch in den Playoff offensiv brandgefährlich, obwohl ihm jeder Gegner besondere Beachtung schenkt. Und die Erfolgsgeschichte ist weiter denkbar: Während das olympische Gold vorerst weiter ein Traum bleibt, ist der Titel mit den Capitals, vor einem Jahr noch undenkbar, plötzlich in Reichweite.

Die Plus-Minus-Debatte ist weitestgehend längst vergessen, zum fünften Mal in den letzten acht Spielzeiten führte Ovechkin die Trefferliste an (53, zehn mehr als der erste Verfolger Steve Stamkos). Sein 395 abgefeuerten Schüsse sind ebenfalls mit weitem Abstand NHL-Bestwert.

Viel "wir", wenig "ich"

Doch Ovechkin selbst würde diese Herangehensweise vermutlich kritisieren. Der 29-Jährige geht mit einer klaren Einstellung in die Playoffs, wie er Anfang April klarstellte: "Wir sind bereit, wir sind vorbereitet, wir können es alle kaum erwarten." Viel "wir", wenig "ich". Wem das nicht klar genug war, der erhielt noch einen Nachschlag: "Vergesst die individuellen Statistiken. Darum geht es nicht. Wir wollen den Stanley Cup gewinnen. Als Team."

Weiter gab er ungewöhnlich offen zu: "Es gab früher Zeiten, in denen wir in die Playoffs kamen und dann irgendwie verloren waren. Aber wir sind jetzt reifer. Das glaube ich wirklich. Wir haben erfahrene Spieler und wir haben viel Energie. Wie gesagt: Wir glauben daran. Wir können den nächsten Schritt machen und wollen den Cup gewinnen. Und wir glauben, dass wir nach all den Lektionen wissen, worauf es ankommt."

"Wir" statt "ich" - es ist zweifellos das Motto in der Hauptstadt und führt schnell zum Kern der Capitals in diesem Jahr.

Der Umbruch fruchtet schnell

Mit Coach Barry Trotz hat ein neuer Wind im District of Columbia Einzug gehalten. Unter Adam Oates und George McPhee stagnierte das Team zuvor, das Scoring aus der zweiten Reihe war unglaublich schwach und der Defense fehlte es an Struktur und einem Gameplan. Unabhängig von jeder Kritik an Ovechkin schien das Team weit weg von einer ernsthaften Chance auf den Cup.

So machten die Capitals einen Schnitt - und trafen den Jackpot. Brian MacLellan wurde zum Geschäftsführer ernannt, Trotz folgte als neuer Head Coach. Das Team wurde innerhalb weniger Monate so stabil wie schon seit Jahren nicht mehr.

Doch auch auf dem Eis gab es sinnvolle Verstärkungen: Die Neuzugänge Matt Niskanen und Brooks Orpik haben in der Defensive voll eingeschlagen, zudem spielt John Carlson die mit Abstand beste Saison seiner Karriere. Um es auf den Punkt zu bringen: Ovechkin hat Hilfe zur Seite gestellt bekommen. "Das ist ein anderes Team, verglichen mit den letzten beiden Jahren", gab er jüngst zu: "Das ist wie Tag und Nacht."

Trotz erklärte die neue Mentalität so: "Entscheidend ist für mich - und das haben wir versucht - die komplette Saison über zu etablieren, dass wir kein Zwei- oder Drei-Mann-Team sind. Es geht um den Einsatz von 20 Individuen, aber die Stärke liegt im Team. Wir sind nicht nur Alex Ovechkin oder Nick Bäckström. Wir sind ein Team und ich glaube, das ist erfrischend für Alex."

"Er war eine wahre Offenbarung"

Der Erfolg bestätigt den erfahrenen Coach. Ovechkin wirkt in diesem Jahr wie befreit und kann sich auf sein Spiel konzentrieren. Es dürfte kaum ein Zweifel daran bestehen, dass sowohl die Capitals, als auch ihr Superstar ihren Coach gefunden haben. Ovechkin spielt nicht nur physisch knallhart, er scheut sich auch nicht davor, defensiv zu arbeiten - und die eigenen Kritiker so zu widerlegen.

Eine solche Entwicklung geht auch am Team nicht spurlos vorbei, Ovechkin genießt intern inzwischen ein noch höheres Standing als zuvor. Verteidiger Karl Alzner, der immerhin seit 2008 mit Ovechkin zusammenspielt, hat die Veränderung ebenfalls festgestellt: "Die Leute merken jetzt, dass er ein insgesamt komplettes Spiel spielen kann. Das ist enorm wichtig für uns."

Weiter führte Trotz aus: "Wenn man Alex kennen lernt, wird einem klar, dass er ein wirklich guter Spieler ist, der sich auf alles voll auf dich einlässt. Du erklärst ihm einfach das Warum, und dann siehst du die Ergebnisse. Er war eine wahre Offenbarung."

Ovechkins Versprechen

Darüber hinaus dürfen sich die Capitals auf Trotz verlassen, der das Team bislang in den Playoffs herausragend eingestellt hat. Gegen die New York Islanders (4-3) nutzte Washington seine physischen Vorteile, und gegen die Rangers gelang es dem Team bislang, die langen Pässe effektiv zu verteidigen.

Doch um die Durststrecke zu beenden und endlich in die dritte Playoff-Runde einzuziehen, ist ein Sieg in Spiel sieben gegen New York nötig, Die Geschichtsbücher sind nicht wirklich auf der Seite der Capitals: Seit 2008 ist es die neunte Playoff-Serie für Washington, die in ein Game 7 geht. Die bisherige Bilanz: Drei Siege, fünf Pleiten.

Dem neu gewonnen Selbstvertrauen in der Hauptstadt tut das aber keinen Abbruch. Nachdem die Rangers im packenden, umkämpften Spiel sechs mit einem 4:3 das Entscheidungsspiel erzwungen hatten, erklärte Ovechkin umgehend: "Wir werden zurückkommen und diese Serie gewinnen. Wir werden unser Spiel spielen und zurückkommen. Mir ist egal, was die anderen denken. Mir ist nur wichtig, was wir als Gruppe und als Team denken. Jeder kann den Unterschied machen."

Drehen die Capitals den Spieß um?

Für Ovechkin könnte es der entscheidende Karriere-Moment sein - und sein Versprechen deutet darauf hin, dass er sich dessen bewusst ist. Endlich könnten seine Capitals das Team sein, welches den höheren Seed aus den Playoff wirft, nachdem es in der Vergangenheit für Washington fast immer andersherum lief.

Die Caps würden endlich nicht enttäuschen, sondern überraschen - und hätten die Chance auf den Stanley Cup. Auf der anderen Seite würde das Aus, zumal die Capitals nach dem vierten Spiel schon mit 3:1 geführt hatten, die alten Kritiker wieder auf den Plan bringen.

Ob fair oder nicht: Für Ovechkin wird es auch in diesem Jahr wieder nur Extreme geben. Auch wenn schon jetzt klar ist, dass Trotz und MacLellan den Fans neue Hoffnung gegeben haben. Und Washington auch im kommenden Jahr als ernsthafter Contender in die Saison gehen dürfte.

"Das ist scheiße. Was soll ich denn sonst sagen?" Es scheint eine halbe Ewigkeit her zu sein, als Alex Ovechkin die aus seiner Sicht komplett verkorksten Winterspiele prägnant zusammenfasste. 2014 wird mit großer Wahrscheinlichkeit als das bitterste Jahr seiner Karriere in Erinnerung bleiben. Doch womöglich folgt darauf endlich der große Triumph.

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