Wolfsburg-Boss Charly Fliegauf im Interview

"Wir gehen Mannheim auf den Sack"

Freitag, 27.03.2015 | 13:01 Uhr
Charly Fliegauf (l.) trifft mit Wolfsburg im Halbfinale auf Mannheim
© imago
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Die Grizzly Adams Wolfsburg starten gegen die Adler Mannheim in die Halbfinal-Serie der DEL-Playoffs (19.30 Uhr im LIVE-TICKER). Bei SPOX spricht Manager Charly Fliegauf über das Leben im Schatten der Wölfe, den Charme der Stadt Wolfsburg, Red Bull und die Zukunft des deutschen Eishockeys. Zudem kritisiert der 54-Jährige NHL-Stars, die nicht gerne für Deutschland spielen.

SPOX: Herr Fliegauf, während beim VfL Wolfsburg die Scheine relativ locker sitzen, müssen die Grizzly Adams mit einem eher überschaubaren Etat auskommen. Hand aufs Herz: Hätten Sie auch gerne Möglichkeiten wie Klaus Allofs?

Charly Fliegauf (lacht): Natürlich wäre es mal schön, vom Budget her ganz vorne mit dabei zu sein. Einfach um zu sehen, was man daraus machen kann. Aber wir sind mit dem, was wir haben, recht zufrieden. Skoda und VW bekennen sich zum Eishockey-Standort Wolfsburg - auch durch finanzielle Unterstützung. Klar kann man das nicht ansatzweise mit dem Fußball vergleichen, aber da holen wir einfach das Beste raus. In dieser Saison liegen wir vom Budget her ungefähr an achter Stelle.

SPOX: Gibt es eigentlich engeren Kontakt zum VfL?

Fliegauf: Ja, es gibt schon einen Austausch. Bei Spiel 4 im Viertelfinale war beispielsweise Andre Schürrle bei uns in der Halle, Marcel Schäfer schaut öfter mal vorbei. Unsere Spieler gehen natürlich auch mal zum Fußball, wenn es die Zeit zulässt. Aber es ist nicht immer so einfach, sich gegenseitig zu besuchen. Am Wochenende spielen eben beide Mannschaften.

SPOX: Das Budget ist durchschnittlich, dazu zählt Wolfsburg - mit Verlaub - nicht gerade zu den schönsten Städten des Landes. Macht Ihnen diese Kombination bei Verpflichtungen das Leben schwer?

Fliegauf: Es ist tatsächlich nicht so leicht, die Spieler für Wolfsburg zu begeistern. Da spreche ich aber eher vom wirtschaftlichen Faktor. Ansonsten ist es ein Vorurteil, dass Wolfsburg nur eine einzige Fabrik sei. Das stimmt so einfach nicht, man kann sich hier durchaus sehr wohl fühlen. Für die Familien unserer Spieler ist es beispielsweise schön. Die wohnen eng beisammen, weshalb es viel Kontakt unter den Spielern und ihren Familien gibt. Zugegeben: Für die jüngere Generation oder Singles ist es wieder anders. Die müssen dann schon mal nach Berlin fahren.

SPOX: Es kann aber auch ein Vorteil sein, wenn jüngere Spieler nicht so viele Gelegenheiten haben, um auf den Putz zu hauen.

Fliegauf (lacht): Das stimmt natürlich. Aber ernsthaft: Wir haben trotzdem einen guten Mix mit vielen jüngeren Spielern. Sie wissen, dass sie bei uns eine echte Chance bekommen. Dafür stehe auch ich als Manager.

SPOX: Das macht Wolfsburg durchaus mit Erfolg.

Fliegauf: Finde ich auch. Wir haben in den vergangenen Jahren einige deutsche Spieler herausgebracht, die bei uns quasi von der Wolldecke weg zu Nationalspielern wurden. Gut: Die sehen Wolfsburg teilweise ein bisschen als Zwischenstation, aber damit müssen wir leben. Wenn sie dann in Mannheim oder Ingolstadt landen, ist das eine Auszeichnung für uns. Es zeigt uns, dass wir einen guten Job machen und einiges für das deutsche Eishockey tun.

SPOX: Sorgen bereiten Ihnen schon seit Jahren die Zuschauerzahlen. In dieser Saison kamen zu den Heimspielen in der Hauptrunde durchschnittlich 2.421 Fans. Damit belegt Wolfsburg den letzten Platz in der DEL.

Fliegauf: Das ist ein Wermutstropfen, das muss ich zugeben. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens ist es nicht so einfach, Leute von außerhalb der Stadt zu uns zu locken. Zweitens darf man den Schichtbetrieb nicht vergessen. Wenn wir spielen, dann haben zwei Schichten schon mal keine Möglichkeit, in unsere Halle zu kommen. Und drittens ist das Freizeitangebot in Wolfsburg riesengroß, auch wenn man es nicht glauben will. Beim Fußball müsste das Stadion jedes Mal ausverkauft sein, so wie die diese Saison spielen. Das ist nicht der Fall. Trotzdem bleibt festzuhalten: In Sachen Zuschauer haben wir Nachholbedarf. Wir werden in Zukunft versuchen, noch mehr Aufmerksamkeit auf uns zu lenken.

SPOX: Die Zuschauerzahlen passen nicht, dafür stimmen die Ergebnisse auf dem Eis. Wolfsburg steht zum dritten Mal in Folge im Halbfinale. Wie ist das möglich?

Fliegauf: Das sportliche Ergebnis der letzten drei Jahre ist in der Tat sehr gut und war realistisch gesehen so nicht zu erwarten. Ausschlaggebend dafür ist die Konstanz auf der Position des Trainers mit Pavel Gross. Zudem haben wir es geschafft, zumindest einen wichtigen Teil der Mannschaft zusammenzuhalten. Obwohl es für einige Spieler Möglichkeiten gab, woanders mehr Geld zu verdienen.

SPOX: Sie mussten dennoch einige Abgänge verkraften.

Fliegauf: Stimmt schon, gerade auf dem deutschen Sektor mussten wir Leute ziehen lassen, bei denen es uns sehr wehgetan hat und weshalb wir teilweise die Struktur der Mannschaft ein wenig verändern mussten. Dennoch gab es keinen kompletten Umbruch. Die Nachhaltigkeit ist da und das macht uns stolz.

SPOX: Die Grizzlies sind in den vergangenen drei Jahren in der Hauptrunde auf den Plätzen zehn, sechs und sieben gelandet und kamen trotzdem immer ins Halbfinale. Was zeichnet ein klassisches Playoff-Team wie Wolfsburg aus?

Fliegauf: Die Konstellationen müssen manchmal einfach passen.

SPOX: Das war in den bisherigen Playoffs der Fall.

Fliegauf: Man muss ehrlich sein: Die Pre-Playoff-Serie gegen Krefeld hätte auch anders ausgehen können. Diese erste Runde ist sehr schwierig. Die Serie ist mit dem Best-of-Three-Modus kurz, da kann es ganz schnell vorbei sein. Es war auf des Messers Schneide, das Heimrecht hat uns geholfen.

SPOX: Gegen München war es im Viertelfinale alles andere als eng. 4:0 - Sweep.

Fliegauf: Niemand konnte erwarten, dass wir wie geschnitten Brot durch das Viertelfinale marschieren würden. Nüchtern betrachtet ist München von der Finanzkraft her die Nummer eins der Liga. Deshalb war es schon eine Sensation, auch von der Art und Weise her. In München haben wir in beiden Spielen keinen Gegentreffer bekommen.

SPOX: Im Gegensatz zu den Bullen hatte man das Gefühl, dass bei Wolfsburg eine echte Einheit auf dem Eis stand.

Fliegauf: Das ist eines unserer Attribute. Wir können nur dann erfolgreich sein, wenn die Mannschaft geschlossen auftritt. Wir kommen aus einer Arbeiterstadt und sind eine Arbeitermannschaft. Wir hatten nie die überragenden Techniker, sondern waren immer ein starkes Kollektiv.

SPOX: Da wir gerade über die Serie gegen München sprechen. Wie bewerten Sie generell das Engagement von Red Bull im Eishockey?

Fliegauf: Ich finde es sehr gut, dass sich so ein riesiger Konzern wie Red Bull für Eishockey interessiert. Davon profitieren meiner Meinung nach letztendlich alle. Im Fußball wird Red Bull ja richtig angegangen. Ich habe keine Probleme mit denen, sondern sehe das sehr positiv.

Seite 1: Fliegauf über den VfL, Red Bull und Wolfsburgs Charme

Seite 2: Fliegauf über das Halbfinale, den DEB und NHL-Stars

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