Eine neue Zeitrechnung bricht an

Von Christoph Köckeis
Dienstag, 29.01.2013 | 12:01 Uhr
Die Kölner Haie profitieren vom Ende des Lockouts in der NHL
© Getty
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Mit dem Ende des NHL-Lockouts brach im deutschen Eishockey eine neue Zeitrechnung an. Welches DEL-Team kompensierte die Star-Power am besten? Wer schlitterte in ein folgenschweres Dilemma? Vor den abschließenden zwölf Spieltagen der Regular Season beleuchtet SPOX die Playoff-Chancen.

Von 4 auf 1: Uwe Krupp verzichtete bewusst auf Verstärkungen mit Verfallsdatum, baute lieber auf das vorhandene Personal. "Für uns wird es erst interessant, wenn es die gesamte Saison betrifft. Eine Verpflichtung von Sidney Crosby für einige Wochen wäre allenfalls eine PR-Aktion", verkündete der frühere Stanley-Cup-Champion in der "Kölnischen Rundschau".

Entsprechend ließ ihn die Einigung im Tarifstreit eiskalt. Konzentriert spulten seine Schützlinge das Programm ab, pirschten sich gefährlich nahe an die Adler heran. Nach Verlustpunkten wurden diese überflügelt. Eindruck hinterließ das Kollektiv. Gleich zwölf Cracks haben die 20-Scorerpunkte-Marke geknackt.

Bis das Transferfenster am 31. Januar schließt, wünscht sich Krupp einen zusätzlichen Forward, um die Mission Meistertitel zu realisieren. Der größte Einschnitt betraf den Geschäftsführer-Posten: Lance Nethery ersetzt den neuen Werder-Manager Thomas Eichin.

Weiter auf 2: Großzügig langte Manager Teal Fowler auf dem Lockout-Markt zu. Dennis Seidenberg und Marcel Goc wurden im September verpflichtet. Zwei Monate später besserte man mit Jochen Hecht sowie Jason Pominville nach. Das Sabres-Gespann lehrte den Abwehrreihen mit zehn Treffern und 15 Vorlagen das Fürchten.

Dank der Kadertiefe wurde der befürchtete Einbruch ohne das prominente Quartett abgefedert. Nur unerwartete Pleiten gegen Iserlohn und Wolfsburg durchkreuzten den Feldzug. Topscorer Yanick Lehoux brilliert regelmäßig, doch besonders die Defense lässt die Adler von oben herab grüßen.

92 Gegentreffer sind DEL-Bestwert, zwischen den Pfosten überragt Dennis Endras. Das Comeback Ken Magowans nach überstandener Gehirnerschütterung beschert im Angriff zusätzliche Optionen.

Von 1 auf 3: Jamie Benn prägte die erste Saisonhälfte der Nordlichter. Er war die Hauptattraktion. Bis er sich zurück nach Dallas verabschiedete. Den Höhenflug vermochte dies anfangs nicht wesentlich zu bremsen. Nach 33 Runden lächelte man von der Spitze. Bis zur hartnäckigen Januar-Depression.

Seit Silvester erlitten die Freezers sechs Niederlagen, verspielten die Tabellenführung und rutschten auf Rang drei ab. Zum ersten Nicht-Playoff-Platz sind es sieben Zähler. Ein komfortabler Vorsprung, wäre da nicht die dünne Personaldecke. Angesichts dieser reagierte Manager Stephane Richer.

Altstar Eric Schneider soll das Hamburger Spiel bereichern. Der 35-Jährige löste erst im Sommer den Vertrag mit RB München wegen anhaltender Kniebeschwerden. Über seiner Fitness prangt ein dickes Fragezeichen. Mit 322 Punkten in 341 DEL-Einsätzen liest sich die Vita jedenfalls eindrucksvoll.

Von 3 auf 4: Hiobsbotschaften wohin das Auge reicht: Für Claude Giroux war der Gastauftritt in Berlin trotz vier Toren und 15 Assists von kurzer Dauer. Um den verletzten Franchise Player zu schonen, zogen ihn die Philadelphia Flyers ab. Kollege Danny Briere zwang indes das Handgelenk zur Auszeit.

Mitte Januar die nächste Schreckensnachricht: T.J. Mulock fällt vier bis sechs Wochen aus. Obwohl man die schlagkräftigste Offensive stellt, werden ihn die Eisbären schmerzlich vermissen. Daher brachte die Verpflichtung von Corey Locke nur bedingt Entspannung. Nun ist Andre Rankel in der Pflicht. Gut, dass sich der Nationalspieler in der Verfassung seines Lebens befindet.

Sorgen bereitet die Hintermannschaft, 112 Gegentreffer sind zu viel. Händeringend wird daher der begrenzte Markt nach einem Alleskönner mit Scoring-Punch sondiert.

Von 13 auf 5: Seit 2010 sehnen die Fans nunmehr die Playoffs herbei. Damals bejubelte man überraschend den Vize-Meistertitel. Dieser Tage stehen die Vorzeichen zur direkten Qualifikation besser denn je. Peter MacArthur kennt die Ausgangslage: "Für uns heißt es: Do or die."

Nach makellosem Saisonstart mit sieben Erfolgen en suite und zwischenzeitlichem Tief wurden die Schwankungen abgelegt. Derzeit hat Augsburg die siebente Position inne, durch Nullnummern am Wochenende ging aber das Momentum verloren. "Wir beschäftigen uns einzig mit dem Viertelfinale. Ob wir es direkt erreichen oder über die Wild-Card-Runde", macht MacArthur klar.

Erst im Juli heuerte der Spielgestalter bei den bayrischen Schwaben an, avancierte umgehend zum Eckpfeiler. Mit Derek Whitmore landete der Verein Ende November einen weiteren Coup in der AHL.

Weiter auf 6: Rich Chernomaz eckte gerne an. Er wurde seinem Spitznamen "Axt von Manitoba" mehr als gerecht. Keiner war vor den Wutausbrüchen gefeit. Zu Silvester fühlten sich die Ingolstädter Verantwortlichen schließlich veranlasst, die Notbremse zu ziehen. "Wir sehen einen negativen Trend und daher unsere sportlichen Ziele in Gefahr", erklärte GM Jim Boni.

Rick Nasheim, bisheriger Assistent Coach, rückte interimistisch auf. Die Fortschritte hielten sich in Grenzen, vielmehr stifteten Systemumstellungen zusehends Verwirrung. Nach dem 2:6 gegen Düsseldorf rang Boni nach Worten: "Dass es so schwer wird, hätte ich nicht gedacht. Ich war geschockt."

Thomas Greilinger und Derek Hahn sind von der Kritik auszunehmen. Ersterer mischte mit 44 Punkten um die Scoring-Krone mit. Bis zu seinem Mittelfußbruch, der ihn sechs bis acht Wochen lahm legt. Ein Schock für den ERC.

Von 11 auf 7: In Krefeld hält man es mit dem Gesetz der Serie. Ob vor dem Jahreswechsel mit einer imposanten Strähne von 14 Erfolgen in 15 Spielen. Oder eben in der Seuchenzeit danach. Seit dem 33. Spieltag wartete der Fünftplatzierte auf die Erlösung.

"Wir müssen das abhaken und unbedingt punkten", forderte Boris Blank, der treffsicherste Pinguin. Leichter gesagt, als getan. Hinter seiner Parade-Reihe mit Herberts Vasiljevs und Andreas Driendl lässt die Produktivität zu wünschen übrig. Daniel Pietta, Bester der Vorsaison, hadert mit anhaltender Ladehemmung.

Verheerende Fehler in der Rückwärtsbewegung kurbeln die Negativspirale an. Christian Ehrhoff, der zu den Buffalo Sabres zurückkehrte, fehlt überall. Die Achterbahnfahrt gefährdet den direkten Playoff-Einzug. Ein gutes Omen sollte das 4:3 gegen Augsburg sein. Stichwort Serie.

Platz 8-14: Von Hannover bis Düsseldorf

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