Ärgert die Torfabrik die ewigen Eisbären?

Von Liane Killmann
Donnerstag, 13.09.2012 | 15:03 Uhr
Thomas Greilinger (r.) führt die Torfabrik des ERC Ingolstadt an
© Getty
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Nach 170 Tagen Pause startet die DEL am Freitag in die neue Saison (19.30 Uhr im LIVESCORE). SPOX nimmt das Feld von den Titelfavoriten bis zu den Underdogs unter die Lupe. Wie lief die Vorbereitung? Was sagen die Verantwortlichen? Besonders im Blickfeld: Welcher Neuzugang kann gleich weiterhelfen?

Die Titelfavoriten

Eisbären Berlin: Der sechsfache Meister ist und bleibt der Top-Favorit. Daran können nicht einmal die schmerzhaften Ausfälle der Langzeitverletzten Sven Felski (Knie), Darin Olver (Hüft-OP) und Constantin Braun (Fuß) etwas ändern. Dazu muss das Team von Don Jackson ohne die vom Karriereende bedrohten Stefan Ustorf und Denis Pederson sowie den nach Schweden abgewanderten Top-Verteidiger Richie Regehr auskommen.

Völlig gleichwertig konnten die Berliner diese Lücken nicht füllen, in den ersten drei Spielen fehlt zu allem Überfluss der frisch gekürte Kapitän Andre Rankel mit einer Sperre. Doch der Klub profitiert in dieser Situation von seiner herausragenden Nachwuchsarbeit. In der Vorbereitung (5:2 Bilanz in den Testspielen) bekamen beispielsweise die Youngster Max Faber (19), Sven Ziegler (18) und Alex Trivellato (19) ordentlich Eiszeit.

Mit Mark Katic und Matt Foy haben die Hauptstädter zudem bemerkenswerte Verstärkungen getätigt. Beide konnten sich auf dem Weg zum überzeugenden Playoff-Einzug bei der European Trophy (Manager Peter John Lee: "Fast schon eine Champions League") ebenso wie Jamie Arniel in die Scorerliste eintragen. Fazit: Zeigen die Eisbären trotz ihres Muts zur Lücke die gewohnte Konstanz, sind sie wieder das Maß der Dinge.

ERC Ingolstadt: Eine 4:4-Testspielbilanz, und dennoch neben den ewigen Eisbären am häufigsten als Meisterkandidat auf den Zetteln der Liga. Mit neun Neuzugängen hat sich der ERC sehr gut verstärkt, zu den drei ERC- (und DEL-)Topscorern Jared Ross, Derek Hahn und Thomas Greilinger kam mit Wolfsburgs John Laliberte der nächste Starstürmer. In der Vorbereitung wusste sich der European-Trophy-Debütant international Respekt zu verschaffen. Dabei überzeugte vor allem die Offensive: 34 Tore hatte kein anderes Team aufzuweisen.

Obwohl es zuweilen im Spiel nach hinten noch hakt, hat diese Torfabrik zweifelsohne das Potenzial, ganz oben anzugreifen. Sportdirektor Jim Boni steht für seine Spielidee ein: "Meine Philosophie war schon immer, unseren Sport zu promoten. Die Fans haben doch viel mehr davon, wenn wir mit fünf geschossenen Toren gewinnen, als wenn wir nur eins schießen und keines kassieren." Das verspricht spektakulär zu werden. Der 8:5-Sieg gegen Göteborg in der European Trophy weist offenbar den Weg.

Adler Mannheim: Es lief nicht rund im Sommer, nur 2 Siege in 7 Tests standen für die Adler zu Buche. Dabei hat der Vizemeister kräftig investiert, um die Abgänge von Chris Lee (nach Färjestad/SWE) und Publikumsliebling Freddy Brathwaite in seine kanadische Heimat zu kompensieren. Mit Verteidiger Doug Janik (200 NHL-Spiele) und Nationalgoalie Dennis Endras zogen die Adler echte Hochkaräter an Land. Kurzum, der lückenlose Kader überzeugt!

In der zugegeben holprigen Vorbereitung setzte Trainer Harold Kreis auf einige Youngster: Mirko Höfflin, Dominik Bittner und Corey Mapes führten sich gut ein. Wenn dazu die Adler, die vor einem Jahr nach Europa kamen, den nächsten Schritt gehen, dann kann Mannheim wieder in den Top 3 mitspielen.

Die Herausforderer

Nürnberg Ice Tigers: 6 Siege, 4 Niederlagen. Die Vorbereitung nach dem Neustart lief ordentlich. Die Franken haben nach dem indiskutablen vorletzten Platz einen Cut gemacht, das Budget erhöht und mal so richtig groß eingekauft. Darunter zogen Thomas Sabo und Co. mit dem NHL erfahrenen Brett Festerling einen der spektakulärsten DEL-Zugänge des Sommers an Land.

"Am Ende haben wir praktisch alle unsere Wunschspieler auch bekommen", sagte Hauptsponsor Sabo den "Eishockey-News". Damit haben sich die Nürnberger gleich wieder in den Kreis der Herausforderer katapultiert.

Hamburg Freezers: 5:3. So lautet die postitive Testspielbilanz der Freezers, die bei der Konkurrenz als Überraschungskandidat gehandelt werden. Der Kader der Hamburger ist nicht sehr tief, aber wenn das Verletzungspech an den Elbestädtern vorüberzieht, kann das sehr gut verstärkte Team für die Startruppen zum Stolperstein werden - wie schon beim 3:0 gegen die Eisbären in der European Trophy.

Neuzugang Brandon Reid hat, wenn er an frühere Leistungen anknüpft, das Potenzial, einer der Top-Stürmer der Liga zu werden. In der Verteidigung ruhen die Hoffnungen auf Duvie Westcott. Zudem kehrt der deutsch-russische Goalie Dimitrij Kotschnew in seine Heimatstadt zurück.

Uwe Krupp im Interview

Kölner Haie: 6 Siege in 10 Testspielen. Die Haie sind DER Geheimtipp. Kaum jemand hat das Team von Uwe Krupp auf dem Zettel, dabei hat der Ex-Bundestrainer einen großen, starken Kader beisammen. Vor allem in der Abwehr kann Krupp mit acht Profis aus den Vollen schöpfen. Der Konkurrenzkampf um die Stammplätze zeigte im Sommer Wirkung. "Wir hatten eine sehr intensive Vorbereitung", so der Coach. "Jetzt ist es Zeit, zu spielen."

Besonders im Fokus: Das neue Schweden-Trio. Die Verteidiger Daniel Tjärnquist (Olympiasieger 2006) und Andreas Holmqvist (Weltmeister 2006) bringen eine Menge Erfahrung und Qualität mit. Zudem sind sie ein eingespieltes Duo, in der Vorsaison liefen beide für Djurgardens IF auf. Der dritte im Bunde ist Center Andreas Falk. Hinzu kam kurzfristig auch noch der Kanadier Nathan Robinson, der bereits für die Adler und Eisbären stürmte. Waren die Ausländerplätze in der Vorsaison noch die Schwachstelle, so sind sie diesmal ein großes Plus der Rheinländer.

Grizzly Adams Wolfsburg: Nur 1 Niederlage in 9 Tests. 39 geschossene Tore, kein Team erzielte mehr - die Grizzlys starten mit einer Menge Rückenwind in die neue Saison. Dabei mussten die Wolfsburger etliche Leistungsträger ersetzen. Kapitän Blake Sloan, Topstürmer John Laliberte und auch Nath Paetsch gingen. Dafür kamen elf Neue. Teambuilding war im Sommer daher ein großes Thema.

Ob Niko Dimitrakos und Greg Moore die Lücken im Sturm schließen können, bleibt abzuwarten. Die größte Baustelle tut sich nach dem Verletzungspech der vergangenen Wochen aber in der Abwehr auf. Nach Christopher Fischer und Armin Wurm muss nun auch Neuzugang Rainer Köttstorfer erst mal passen. Blitzkauf Martin Walter soll einspringen. Überstehen die Grizzlys diese Pechsträhne, kann was gehen. Das Motto der Vorbereitung erinnert an Ingolstadts Philosophie: Wenn wir ein Tor fangen, schießen wir ein Tor mehr.

Teil II: Von Straubing bis Hannover

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