Dienstag, 15.05.2012

Eishockey-WM: Deutschland - Tschechien 1:8

Nächstes Debakel für die DEB-Jungs

Nicht einmal 48 Stunden nach der 4:12-Demontage durch Norwegen hat die deutsche Nationalmannschaft bei der Eishockey-Weltmeisterschaft aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch ihr Minimalziel verpasst. Durch die 1:8 (1:3, 0:3, 0:2)-Niederlage gegen Tschechien hat Deutschland auch die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst.

Nikolai Goc (r.) konnte mit dem DEB-Team auch im letzten Vorrundenspiel nicht überzeugen
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Nikolai Goc (r.) konnte mit dem DEB-Team auch im letzten Vorrundenspiel nicht überzeugen

Ales Hemsky (2. Minute), Lukas Krajicek (11.), Martin Erat (17.), Petr Koukal (26., 45.), David Krejci (30.), Jiri Novotny (35.) und Miroslav Blatak (47.) trafen für die Tschechen, Thomas Greilinger (8.) erzielte zwischenzeitlich den Ausgleich.

Tschechien hätte noch deutlich höher gewinnen können, nahm aber im letzten Drittel Fahrt aus dem Spiel.

Was wird aus Bundestrainer Kölliker?

"Ich kann nur auf mich sauer sein, nicht auf die Spieler", sagte Bundestrainer Jakob Kölliker, der nach der erneuten Blamage nicht mehr die uneingeschränkte Rückendeckung des DEB-Präsidiums genießt.

Präsident Uwe Harnos hatte dem Schweizer noch vor dem Turnier signalisiert, langfristig planen zu wollen, nach der Pleite gab er sich vorsichtiger: "Es ist zu früh, mich jetzt dazu zu äußern - das muss ich jetzt auch alles erstmal sacken lassen" sagte Harnos und schob auf Nachfrage hinterher: "Das muss man jetzt mit dem Direktorat besprechen und wenn man da dann einig ist, muss man das Notwendige auf den Weg bringen."

Die Mannschaft jedenfalls steht weiterhin hinter dem Trainer: "Köbi ist nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein netter Mensch. Solche Leute muss man halten", sagte Torhüter Dennis Endras und auch Kölliker selbst kann sich eine Zukunft beim DEB vorstellen: "Ich bin offen für alles. Wir führen Gespräche und dann sehen wir weiter."

Ob es dabei um den Trainerposten oder einen Job als Sportdirektor - wie vor der WM in Aussicht gestellt - geht, ließ der 58-Jährige offen.

Klägliche Abschiedsvorstellung

2.141 Zuschauer verfolgten im Stockholmer Globen die klägliche Abschiedsvorstellung der deutschen Mannschaft. Ein Tag Erholung nach der 4:12-Demontage durch Norwegen hatte der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) offensichtlich nicht gereicht, massive Defizite in der Abwehr mischten sich erneut mit Unkonzentriertheiten im Abschluss - am Ende konnten die Deutschen noch glücklich sein, dass Tschechien im Hinblick auf das kommende Viertelfinale gegen Schweden Fahrt aus dem Spiel nahm.

Die albtraumhaften 60 Minuten aus dem Spiel gegen Norwegen setzten sich am Dienstag nahtlos fort, als Dennis Endras schon nach 118 Sekunden hinter sich greifen musste: Wieder einmal wurde der Torhüter von der Verteidigung im Stich gelassen, als Tomas Mojzis zwei Gegenspieler umkurvte und mühelos einschob. Endras hatte sich nach sechs Gegentreffern im vergangenen Spiel noch selbst ausgewechselt, für ihn war dieser unverschuldete Start besonders bitter.

Diesmal ließ sich der 28-Jährige von dem frühen Gegentreffer aber nicht demoralisieren und hielt die DEB-Auswahl in den folgenden Minuten mit seinen Glanzparaden im Spiel. Lange genug jedenfalls, um Greilinger die Chance zu geben, mit seinem Ausgleich für Hoffnung im Team zu sorgen - auch wenn sein Schuss von der blauen Linie erst durch einen tschechischen Schlittschuh den Weg ins Tor fand.

Indiskutable Defensivleistung

Nicht einmal dieser Hoffnungsschimmer weckte allerdings den von Kölliker viel beschworenen "Kampfeswillen". Vor allem die Defensivleistung war gegen die Tschechen erneut indiskutabel, die Spieler wirkten komplett abwesend - allen voran Nikolai Goc, der bei den nächsten Gegentreffern dreimal entscheidend patzte: Krajicek ließ der Mannheimer völlig ungehindert zum Schuss kommen, im Unterzahlgewühl vor dem 1:3 agierte der Verteidiger orientierungslos und Koukals Privatsphäre respektierte Goc so vorbildlich, dass der Tscheche zum vierten Treffer einnetzte.

Die Tschechen fanden im weiteren Verlauf des Spiels sogar noch die Muße für ein paar Zaubereinlagen: NHL-Star Krejci (Boston Bruins) erschien nach einem Puckverlust von Alexander Barta wie im Penaltyschießen völlig allein vor dem Tor von Endras und trickste den Keeper elegant aus, Koukal fing die Scheibe beim 7:1 mit dem Schläger in der Luft und löffelte sie ins Tor.

Schließlich zeigten die Tschechen Mitleid mit ihrem waidwunden Gegner ab - einen tatsächlichen Penalty vertändelte Krejci gnädigerweise.

Jakob Kölliker nahm die Verantwortung teilweise auch auf seine Kappe. "Der Mannschaft kann man keine Vorwürfe machen", sagte der Nationaltrainer. Zu seiner persönlichen Zukunft wollte sich der Coach nicht äußern.

Seite 2: Das Spiel zum Nachlesen im Ticker

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