Donnerstag, 05.01.2012

"Mister Eishockei" ist tot

Ex-Bundestrainer Xaver Unsinn gestorben

Der frühere Eishockey-Bundestrainer Xaver Unsinn ist tot. Er starb am Mittwochnachmittag im Alter von 82 Jahren in seinem Zuhause in Füssen, wie seine Frau am Donnerstag bestätigte.

Xaver Unsinn führte das deutsche Team bei den Olympischen Spielen 1976 zu Rang drei
© Imago
Xaver Unsinn führte das deutsche Team bei den Olympischen Spielen 1976 zu Rang drei

Der Pepitahut war sein Markenzeichen, ebenso sein unverwechselbarer Allgäuer Akzent - es war aber die Leidenschaft für die knallharte Puckjagd, die Xaver Unsinn in Deutschland zum "Mr. Eishockei" und zur Legende gemacht hat.

Unsinn verkörperte den knallharten Schlagabtausch auf dem Eis wie kaum ein anderer in Deutschland. Der gebürtige Füssener führte den Eishockey-Sport in Deutschland aus dem Schattendasein und sorgte mit dem Gewinn der Bronzemedaille 1976 bei Olympia in Innsbruck als Trainer und dem Vizeweltmeistertitel 1953 in der Schweiz als Spieler gleichzeitig für die größten Triumphe.

Auch wenn die Silbermedaille lediglich bei einem Viererturnier, in dem die deutsche Mannschaft aufgrund des besseren Torverhältnisses Zweiter wurde, zustande gekommen war.

Sportliches Multitalent

Bei insgesamt sechs Olympischen Spielen und zwölf Weltmeisterschaften war Unsinn dabei - über diese geballte Erfahrung verfügt kein anderer Deutscher im Eishockey-Sport. Bevor Unsinn aber den Weg aufs Eis gefunden hatte, zog es den Bayer zunächst auf den Tennis- und Fußballplatz.

Auch im Skispringen versuchte sich der am 29. November 1929 in Füssen geborene Unsinn. Sein Geburtsort verpflichtete jedoch, und so verschlug es den späteren Bundestrainer 1946 schließlich zum in den 40er- bis 70er Jahren dominierenden Eishockey-Klub Deutschlands, den EV Füssen. In der Eis-Halle schließlich fand Unsinn seine wahre Bestimmung.

Um flotten Spruch nie verlegen

Mit Füssen gewann er achtmal die Deutsche Meisterschaft, ehe er gegen Ende seiner aktiven Karriere noch zum ESV Kaufbeuren wechselte - seine publikumswirksamen Auftritte sollten aber erst später als Coach folgen. Um einen flotten Spruch war der Trainer Unsinn nämlich nie verlegen, er polarisierte gerne und häufig.

Zu sagen hatte der streitbare Eishockey-Fachmann immer etwas. Doch er ließ seinen Worten auch Taten folgen: Mit der Düsseldorfer EG gewann er 1972 die deutsche Meisterschaft, in Berlin beim Schlittschuhclub ließ er zwei weitere Titel folgen (1974, 1976). Den Schweizer Meistertitel feierte er 1979 in Bern.

In der Nationalmannschaft brachte es der Eishockey-Spieler Unsinn auf 72 Länderspiele, in denen er 24 Tore erzielte. Seine große Zeit brach aber als Nationaltrainer an, wo er in insgesamt 112 Partien als Verantwortlicher an der Bande stand. Erstmals 1964 zusammen mit Markus Egen und Engelbert Holderied, dann wieder von 1975 bis 1977 mit dem Höhepunkt Bronzemedaillengewinn in Innsbruck.

Auch nach dem Karriereende noch am Puck

Von 1981 an bis 1990 leitete Unsinn erneut die sportlichen Geschicke des international zwischen Erst- und Zweitklassigkeit schwankenden deutschen Eishockey - bis er noch während der WM 1990 in der Schweiz wegen gesundheitlicher Probleme vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) als Bundestrainer abgezogen und durch Erich Kühnhackl ersetzt wurde.

Trotz Rückschlägen ließ sich "Mr. Eishockei" auf seiner Mission aber nicht unterkriegen. Unsinn blieb am Puck. 1996 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, zwei Jahre später er selbst in die "Hall of Fame" des Internationalen Eishockey-Bunds IIHF im kanadischen Toronto aufgenommen. Und dort liegt auch heute noch sein berühmtes Markenzeichen - der Pepitahut.

"Ohne Xaver Unsinn kann man sich Eishockey in Deutschland in der heutigen Form überhaupt nicht vorstellen. Unsinn war immer ein sehr menschlicher Trainer, der stets ein offenes Ohr für seine Spieler hatte", sagte der Kapitän des Teams von 1976, Alois Schloder, der "Bild"-Zeitung.


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