DEB-Präsident Uwe Harnos im Interview

"Würden jetzt ohne DEB-Team dastehen"

Von Interview: Richard J. Flohr
Montag, 14.11.2011 | 13:09 Uhr
DEB-Präsident Uwe Harnos musste den Pokal beim Deutschland Cup an die Slowakei übergeben
© Imago
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DEB-Präsident Uwe Harnos spricht im Interview über seine Buhmann-Rolle und erklärt, warum das Produkt "deutsches Eishockey" so nicht mehr funktioniert. Weitere Themen: Die Sportdirektor-Suche und der Einstand von Jakob Kölliker als neuer Bundestrainer.

Hockeyweb: Herr Harnos, nach der Einigung mit der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) über einen neuen Kooperationsvertrag im Sommer, der keinen geregelten Auf- und Abstieg vorsieht, wurden Sie zum Buhmann der Bundesliga-Klubs und aller Fans zumindest unterklassiger Vereine, die Ihnen 'Verrat' vorwerfen. Was entgegnen Sie diesen?

Harnos: Wir sind heute Leidtragende der Weichenstellungen des Jahres 1994, als der DEB die Entscheidungshoheit über die DEL völlig aus der Hand gab. Mit diesem Fehler müssen wir heute leben und versuchen, ihn zu begradigen. Hätten wir im Sommer dem Kooperationsvertrag nicht zugestimmt, würden wir jetzt vermutlich ohne Nationalmannschaft dastehen. Kein Spieler hätte seinen Arbeitsplatz in der DEL aufgegeben, um für deutlich weniger Geld in der Bundesliga zu spielen, nur um den Adler auf der Brust zu tragen.

Hockeyweb: Die deutschen Eishockey-Fans, mit denen Sie sich zu einem Forum trafen, eint die Sorge um ihren Sport. Sie fordern einhellig die Verzahnung aller Ligen und zwingende Auf- und Abstiege. Inwiefern teilen Sie deren Ansicht?

Harnos: Ich halte es für zwingend notwendig, das deutsche Eishockey wieder unter dem Dach des DEB zu vereinen. Das betrifft sowohl die DEL, als auch die ESBG (Eishockey Spielbetriebsgesellschaft der Bundesliga, Anm. d. Red.). Das Produkt funktioniert so nicht mehr. Natürlich kann man sich jede Zuschauerentwicklung schön rechnen, tatsächlich aber haben die Spieler weit mehr Zuspruch verdient: Wir hatten die erfolgreiche Heim-WM mit dem Halbfinaleinzug und den Viertelfinaleinzug in diesem Jahr; wir haben zweimal hintereinander den Deutschland Cup gewonnen - wir sehen Woche für Woche tollen Sport in den Stadien aller Ligen. Dennoch geht der Zuspruch der Öffentlichkeit zurück. Wir Handelnden müssen aufhören, nur Lippenbekenntnisse zu leisten und uns im Sinne des Sports wirklich 'committen'.

Hockeyweb: Das klingt nach einer Herkules-Aufgabe. Wie viel Energie haben Sie denn noch, diesen Kampf zu führen?

Harnos: Meine Brust ist noch lange breit genug, um diesen Weg zu gehen.

Hockeyweb: Ein zweites wichtiges Thema, bei dem man dem DEB den Schwarzen Peter für Entscheidungslosigkeit zuschiebt, ist die Berufung eines Sportdirektors. Das Kompetenzteam Sport aus je zwei DEL- und DEB-Vertretern habe einen inhaltlichen und personellen Vorschlag abgegeben, von dem man nun nicht einmal wisse, wer neben den DEL-Beauftragten Jürgen Arnold und Gernot Tripcke seitens des DEB neben Ihnen darüber befindet.

Harnos: Also zweiter DEL-Beauftragter im Direktorat ist nicht Herr Tripcke, sondern Daniel Hopp. Und wer den DEB in diesem Gremium vertritt, ist ziemlich unerheblich. Das DEB-Präsidium trifft seine Entscheidungen gemeinsam und vertritt diese dann auch nach außen, egal welche Personen dann am Verhandlungstisch sitzen.

Hockeyweb: Und warum geht es dann nicht voran in dieser Frage, wenn man sich doch einig scheint, so schnell wie möglich einen Sportdirektor zu installieren und das zuständige Kompetenzteam Sport seinen inhaltlichen und personellen Vorschlag mit dem Namen Bernd Truntschka auf den Tisch gelegt hat?

Harnos: Der personelle Vorschlag kommt allein von den beiden DEL-Vertretern im Kompetenzteam. Eine ordentliche Evaluierung muss aber anders laufen. Da muss man von drei, vier oder mehr Kandidaten Konzepte abfordern, diese vergleichen und abklopfen, zu welchen Bedingungen eine Zusammenarbeit möglich wäre. Das fehlt mir hier völlig, und das werde ich in der nächsten oder übernächsten Woche auch mit den Herren Arnold und Hopp so besprechen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es in Deutschland nur eine Person gibt, die für diesen Posten in Frage kommt.

Hockeyweb: Und wie geht es dann weiter, falls Arnold und Hopp Ihre Meinung teilen sollten? Geht die Angelegenheit dann wieder zurück ins Kompetenzteam oder kümmern Sie sich dann selbst um die Evaluierung?

Harnos: Ich denke, das habe ich gesagt.

Hockeyweb: Gibt es denn Ihrerseits einen Zeitplan, bis wann ein Sportdirektor installiert sein soll?

Harnos: Nun, er soll die neue Saison gestalten. Dazu braucht er vermutlich drei Monate Einarbeitungs- und Vorbereitungszeit. Also sollte er im Februar anfangen.

Hockeyweb: Abschließend: Wie sind Sie mit dem Einstand Ihres neuen Bundestrainers "Köbi" Kölliker zufrieden?

Harnos: Sehr! Wir haben immer gesagt, die Plazierung bei diesem Turnier kann nicht der Gradmesser sein. Entscheidend ist, wie sich die Mannschaft präsentiert. Die Kommunikation zwischen Trainer und Spielern funktioniert. Und wie das Team auch gegen die Slowakei bis zuletzt gekämpft und versucht hat, das Spiel trotz aller Rückschläge noch mal zu drehen, das hat mir sehr imponiert. Letztlich entscheidet im Sport aber immer der Erfolg. Und wenn sich der mit dem Viertelfinaleinzug bei der nächsten WM wieder einstellt, wären wir doch dumm, dem Trainer keinen neuen Vertrag zu geben.

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