Roosters-Sportchef Karsten Mende im Interview

"Es wird viel über den Titel gesprochen"

Von Interview: Alexander Mey
Freitag, 16.09.2011 | 15:26 Uhr
Jassen Cullimore spielte in der NHL für Vancouver, Montreal, Tampa Bay, Chicago und Florida
© Getty
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Die DEL-Saison beginnt und die Iserlohn Roosters sind in aller Munde. Sieben Legionäre mit mehr als 2000 Spielen NHL-Erfahrung machen aus dem Underdog einen Titelkandidaten. Sportchef Karsten Mende im Interview über die Hintergründe der prominenten Neuverpflichtungen, Ambitionwen nach der holprigen Vorbereitung und die Angst vor großen Namen, die nichts leisten.

Die Iserlohn Roosters standen in ihrer Geschichte nur selten für großen Erfolg in der DEL. 2008 haben sie einmal das Viertelfinale der Playoffs erreicht, ansonsten war immer schon nach der Regular Season Schluss.

Das soll in der kommenden Saison anders werden. Die Roosters sehen sich selbst als sicheren Playoff-Kandidaten und werden sogar als Geheimtipp auf den Titel gehandelt.

Warum? Weil sich das Team aus dem Sauerland namhaft verstärkt hat. Sieben ehemalige NHL-Spieler mit mehr als 2000 Partien an Erfahrung sollen den Kader auf ein neues Level heben. Jassen Cullimore allein blickt auf mehr als 800 NHL-Spiele zurück und hat im vergangenen Jahr noch für die Chicago Blackhawks gespielt.

SPOX sprach mit Karsten Mende, dem Sportlichen Leiter der Roosters, über die Hintergründe der Transfers, die Ambitionen seines Teams und den Grund, warum Altstars aus Nordamerika ausgerechnet nach Iserlohn kommen.

SPOX: Die DEL-Gemeinde spricht im Vorfeld der Saison auffallend häufig über die Roosters. Haben Sie schon einmal vor einer Saison so viel Aufmerksamkeit genossen?

Karsten Mende: Nein, das hatten wir noch nie. Es wird in der Tat sehr viel über uns berichtet und man merkt, dass hier eine Euphorie entsteht.

SPOX: Ungewohnter Druck für einen Klub, der seit seiner Gründung im Jahr 2000 nur einmal die Playoffs erreicht hat.

Mende: Die Erwartungen im Umfeld des Klubs sind durch die große Aufmerksamkeit in den Medien in der Tat gestiegen. Aber Druck machen wir uns in erster Linie intern. Die Frage ist, wie wir damit umgehen.

SPOX: Und wie?

Mende: Wir wissen, dass wir viele neue Spieler haben. Die zu integrieren, geht nicht von heute auf morgen. Wir müssen also erst einmal ruhig bleiben.

SPOX: Ihre Fans auch?

Mende: Mit Sicherheit. Aber ich sehe im Moment auch keinen Grund, warum wir einen schlechten Saisonstart haben sollten. Von daher stellt sich diese Frage für mich nicht.

SPOX: Die mittelmäßige Vorbereitung könnte man als Indiz für einen möglichen Fehlstart werten.

Mende: Aber die Vorbereitung ist ja dafür da, um Dinge auszuprobieren. Wir wussten zum Beispiel, welcher unserer Spieler in der Vorsaison im Power Play und in Unterzahl gut war. Diese haben wir nun mit unseren neuen Spielern verglichen. Klar passieren da mal Dinge, die uns in der Saison nicht mehr passieren sollten. Aber das Entscheidende ist, dass wir nun wissen, welchen Spieler wir in welcher Situation einsetzen können.

SPOX: Sie haben sieben Spieler mit NHL-Erfahrung im Kader, das ist DEL-Spitze. Wie kam es zu solch namhaften Verpflichtungen?

Mende: Es war sicher keine bewusste Entscheidung, sich auf ehemalige NHL-Profis zu stürzen. Wir haben einfach Spieler gesucht, die in gewisse Anforderungsprofile gepasst haben. Wir brauchten zum Beispiel Spieler, die hart auf dem Eis arbeiten. Cowan und Cullimore sind solche Spielertypen. Sie brauchen sich nur deren NHL-Statistiken anzusehen. Beide waren nie große Scorer, aber sie waren hart. York kannten wir ja schon aus der Zeit, als er während des letzten NHL-Lockouts hier war. Ihm hat es in Iserlohn so gut gefallen, dass er zurück wollte. Das sieht man daran, dass er nicht hier wäre, wenn er das Gehalt aufgerufen hätte, das er woanders hätte verdienen können. Seinen wahren Wert hätten wir ganz bestimmt nicht finanzieren können.

SPOX: Was macht Iserlohn für diese Spieler so interessant?

Mende: (lacht) An der Stadt liegt es sicherlich nicht. So viel hat Iserlohn im Vergleich zu Berlin, Hamburg oder Köln natürlich nicht zu bieten. Aber wir sehen eben zu, dass das Umfeld passt und dass sich die Spieler hier wohl fühlen. Wir gehen immer mit jedem fair um, in guten und in schlechten Zeiten. Dazu kommen noch unsere Fans.

SPOX: Haben Sie den NHL-Spielern vorher das Iserlohner Umfeld gezeigt?

Mende: Nein. Wir nutzen unsere eigenen Spieler für die Mundpropaganda untereinander. Viele kennen sich und telefonieren miteinander, um zu erfahren, wie es hier zugeht.

SPOX: Welche Rolle spielt Ihr Co-Kapitän Michael Wolf mit seiner internationalen Erfahrung bei der Integration der Neuen?

Mende: Ein ganz wichtige natürlich. Er nimmt sich der neuen Spieler an und arbeitet darauf hin, dass sie sich möglichst schnell einleben. Schließlich will er ja mit diesem Team selbst Erfolg haben, deshalb ist er hier geblieben. Entsprechend wichtig ist ihm, dass hier alles funktioniert.

SPOX: Bleiben Wolf und Robert Hock die Leader im Team?

Mende: Natürlich bleiben sie auch jetzt Wortführer. Aber wichtig ist, dass sich diese Last der Verantwortung nun auf mehrere Schultern verteilt. Das ist für Wolf und Hock eine Erleichterung.

SPOX: Kritiker behaupten, sie hätten hauptsächlich Namen und keine Leistung gekauft.

Mende: (lacht) Da bin ich ja mal ganz anderer Meinung. Warum sollten diese Jungs keine Leistung mehr bringen? Das haben sie schließlich über viele Jahre in der NHL schon getan.

SPOX: Sie sind aber alle nicht mehr die Jüngsten. Was ist mit Verletzungs- oder Motivationsproblemen?

Mende: Verletzungen kann es immer geben, das ist klar. Und zum Thema Motivation: Ich glaube nicht, dass ein Jassen Cullimore es mit seiner NHL-Historie noch nötig hat, nur für die paar Euro, die er hier verdient, zu spielen. Er hat einfach immer noch Spaß an der Sache. Wobei Spaß nicht heißt, dass er keinen Ehrgeiz mehr hätte. Er will hier auf einem vernünftigen Niveau weiterhin professionell Eishockey spielen.

SPOX: Bei aller Motivation: Ewig werden Cullimore, Cowan und York nicht mehr spielen. Wie sieht der langfristige Plan für die Roosters aus?

Mende: Es geht um einen guten Mix aus Erfahrung und Jugend. Wir haben sehr gute und auch junge deutsche Spieler wie zum Beispiel Thomas Holzmann im Kader, von denen wir in Zukunft sicher profitieren können.

SPOX: Wie lautet Ihre kurzfristige Zielsetzung mit diesem gut besetzten Team?

Mende: Playoffs, ganz klar.

SPOX: Was ist mit dem Titel?

Mende: Darüber denken wir hier überhaupt nicht nach. Es wird zwar in der Region viel über den Titel gesprochen, aber das lässt uns völlig kalt.

Spielplan der neuen DEL-Saison

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