Greilinger: "Brutal gefährliche Situation"

Von Interview: Florian Regelmann
Sonntag, 01.05.2011 | 13:18 Uhr
Thomas Greilinger erzielte den Game-Winner zum Sieg gegen Russland
© Getty
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Zwei Tage nach dem sensationellen Sieg gegen Russland trifft Deutschland in seinem zweiten WM-Spiel auf Gastgeber Slowakei (20 Uhr im LIVE-TICKER). SPOX sprach mit DEB-Stürmer Thomas Greilinger über den Eishockey-Wahnsinn von Bratislava, die Gefahren der Euphorie und die Schönheit der deutschen Sprache.

Im Vergleich zum Russland-Spiel wird Bundestrainer Uwe Krupp eine Änderung vornehmen. Wie schon vor der WM abgesprochen wird DEB-Star-Keeper Dennis Endras gegen die Slowakei eine Pause bekommen und durch den in der Vorbereitung glänzend haltenden Dimitri Pätzold ersetzt.

Die Slowaken taten sich bei ihrem 3:1-Auftaktsieg gegen Slowenien unglaublich schwer und wissen, dass sie sich gegen Deutschland steigern müssen. Und weil sie wohl auch einen ziemlich großen Respekt vor dem DEB-Team haben, ziehen sie für das Spiel noch zwei Trümpfe aus dem Ärmel. Mit Superstar Marian Hossa und Michal Handzus werden zwei weitere NHL-Legionäre zum ersten Mal zum Einsatz kommen.

Thomas Greilinger galt als Youngster einst auch als zukünftiger NHL-Star. Für eine Karriere in der besten Liga der Welt hat es zwar nicht gereicht, aber der 29-Jährige ist einer der wenigen echten Goalgetter im DEB-Team. Beim Sieg gegen Russland erzielte Greilinger den Game-Winner zum 1:0. Mit SPOX sprach der Flügelstürmer des ERC Ingolstadt über den grandiosen WM-Auftakt.

SPOX: Deutschland: 2. Russland: 0. Herr Greilinger, das müssen Sie uns noch einmal genauer erklären, was da passiert ist. Haben Sie es selbst schon begriffen?

Thomas Greilinger: (lacht) Das denke ich schon. Wir wollten das Spiel gewinnen, das haben wir uns vorgenommen und das ist uns gelungen. Wir waren natürlich alle überglücklich über den Sieg, der auch eine gute Werbung für das deutsche Eishockey war, aber ein paar Stunden später ging schon die Vorbereitung auf das Spiel gegen die Slowakei los.

SPOX: Das klingt alles so brutal abgeklärt. Deutschland hat Russland geschlagen. Im Eishockey. Zum ersten Mal bei einer WM. Zum ersten Mal seit den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer. Und Sie haben ein Tor geschossen. Wie haben Sie die Szene erlebt?

Greilinger: Ich habe von Constantin Braun in der neutralen Zone einen Querpass bekommen, wir sind eine 3-3-Situation gelaufen. Nach der blauen Linie habe ich mich dann entschieden, in die Mitte zu ziehen und habe geschossen. Zum Glück war Verkehr vor dem Tor und die Scheibe ist durchgerutscht.

SPOX: Russlands Goalie Evgeny Nabokov sah dabei nicht wirklich gut aus. Er ist zwar ein ehemaliger NHL-Star, aber Deutschland hatte mit Dennis Endras den deutlich besseren Torwart im Kasten.

Greilinger: Dennis hat mit Sicherheit wieder eine sensationelle Leistung gezeigt. Du kannst einen so großen Gegner nur schlagen, wenn du einen überragenden Torwart hast. Sonst geht es nicht. Man muss aber auch sagen, dass wir nicht viel zugelassen und sehr viele Schüsse geblockt haben. Nabokov ist ein Weltklasse-Torwart, aber er hat ja sehr lange nicht mehr gespielt. Beim ersten Tor war es sicher unglücklich für ihn, aber das zweite Tor war unhaltbar. Ich denke nicht, dass der Torwart das Problem bei den Russen war.

SPOX: Was war dann das Problem der Russen?

Greilinger: Unsere Taktik ist einfach sehr gut aufgegangen. Wir hatten uns vorgenommen, die neutrale Zone dicht zu machen und sie nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Das Ziel war, ihnen möglichst wenige Chancen zu ermöglichen. Und das ist uns richtig gut gelungen. Das Wichtigste war aber, dass wir auch offensiv so gut gespielt haben. In den ersten zwei Dritteln hatten wir ja sogar ein Chancenplus.

SPOX: Hat man auf dem Eis gemerkt, wie der Frust bei den Russen immer mehr gestiegen ist?

Greilinger: Sie waren auf jeden Fall überrascht von unserer offensiven Spielweise. Dass wir so offensiv agieren, hatten sie bestimmt nicht erwartet. Wir waren kompakt, wir haben unsere Checks fertig gefahren, wir haben die Verteidiger unter Druck gesetzt - das ist alles super aufgegangen und das hat sie sicher alles etwas frustriert. Uwe Krupp hat uns gut auf Russland eingestellt. Der Sieg ist deshalb sicher auch ein Verdienst vom Bundestrainer.

SPOX: Würden Sie sagen, der Sieg war mehr das Resultat der deutschen Stärke oder eher der russischen Schwäche und Arroganz?

Greilinger: Es ist klar, dass sich die Russen im Turnierverlauf noch steigern werden. Trotzdem haben wir auch sehr gut gespielt, darauf können wir stolz sein. Wir dürfen den Sieg aber auch nicht überbewerten. Wenn wir jetzt die nächsten beiden Spiele verlieren, sind wir in der Abstiegsrunde. Dann bringt uns der Sieg gegen Russland auch nichts. Wir müssen noch den letzten Punkt holen, um die Qualifikation für die Zwischenrunde perfekt zu machen. Am besten holen wir den gleich gegen die Slowakei. Dann haben wir unser Zwischenziel erstmal erreicht.

SPOX: Also wurde am Abend nach dem großen Sieg wirklich kein bisschen gefeiert?

Greilinger: Nein, eigentlich gar nicht. Wir sind zurück ins Hotel und haben zu Abend gegessen. Einige sind dann noch in die Halle, um sich die Slowaken anzuschauen, aber sonst ist nichts passiert. Es ist schwierig für uns, weil jetzt durch den Sieg gegen Russland eine Euphorie entstanden ist, aber wir haben dafür keine Zeit. Wir müssen uns total auf die nächsten Spiele konzentrieren. Wir haben im Sommer noch genug Zeit, um zu feiern und um uns darüber zu freuen, dass wir Russland besiegt haben. Jetzt geht das nicht. Wir müssen weiter hart arbeiten, damit wir in die Zwischenrunde kommen. Es ist eine brutal gefährliche Situation.

SPOX: Der Teamgeist ist offensichtlich eine ganz große Stärke im deutschen Team. Beschreiben Sie doch mal, was die Stimmung bei der Nationalmannschaft so besonders macht?

Greilinger: Die meisten Jungs kennen sich schon seit Jahren. Das ist ein großes Plus. Und ein weiteres großes Plus ist, dass man bei der Nationalmannschaft endlich mal Deutsch sprechen kann. In der DEL wird ja leider nur Englisch gesprochen, das macht hier einfach gleich noch viel mehr Spaß. Schon traurig, dass man in die Slowakei fahren muss, um Deutsch sprechen zu können. (lacht)

Der Spielplan der Eishockey-WM in der Slowakei

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