Sonntag, 16.05.2010

WM - Zwischenrunde, 3. Spieltag

USA nahe am Klassenerhalt - Kanada verliert

Nach der katastrophalen Vorrunde machen die Amis mit dem zweiten Sieg in Folge praktisch alles klar. Die Russen zaubern gegen Dänemark - Kanada verliert gegen Schweden.

T.J. Oshie traf in der 42. Minute zum 3:0
© Getty
T.J. Oshie traf in der 42. Minute zum 3:0

Abstiegsrunde

Frankreich - USA 0:4 (0:0, 0:2, 0:2)

Der Olympiazweite USA hat bei der WM in Deutschland den Ernst der Lage erkannt und mit zwei klaren Siegen den Klassenerhalt praktisch perfekt gemacht. Nach drei Niederlagen in der Vorrunde schossen sich die US-Boys mit einem 10:0-Kantersieg gegen Kasachstan am Samstag und einem 4:0 (0:0, 2:0, 2:0) gegen Frankreich am Sonntag den Frust von der Seele.

Letzte Zweifel am Klassenerhalt kann und wird der mit 20 NHL-Profis angetretene Olympiazweite, der zuletzt 1982 in die B-Gruppe musste, wohl im letzten Spiel gegen Aufsteiger Italien am Dienstag (12.15 Uhr) beseitigen.

Nach nur vier Toren in den ersten drei Spielen traf der zweimalige Weltmeister USA gegen Kasachstan in Köln nach Belieben. Vor allem Matt Gilroy von den New York Rangers mit drei Toren und sein Klubkollege Brendan Dubinsky mit einem Treffer und vier Assists stachen heraus. Gegen Frankreich waren zweimal Nick Foligno (25. und 54.), Dubinsky (34.) und TJ Oshie (42.) erfolgreich.

Italien - Kasachstan 2:1 (0:0, 0:0, 2:1)

Kasachstans Chancen auf den Klassenerhalt sind noch einmal gesunken. Der Weltranglisten-18. verlor durch ein 1:2 (0:0, 0:0, 1:2) im schwachen Aufsteiger-Duell gegen Italien auch sein zweites Relegationsspiel und hat es nicht mehr in eigener Hand, den drohenden Abstieg zu vermeiden.

Nur bei einem Sieg im letzten Spiel am Dienstag (12.15 Uhr) gegen Frankreich und einer gleichzeitigen Niederlage von Italien gegen die USA kann sich Kasachstan noch retten. Im ersten Abstiegsspiel hatte das Team eine 0:10-Klatsche gegen die US-Boys kassiert.

Die mit nur 1934 Zuschauern in der Mannheimer Arena bislang niedrigste Besucherzahl der WM passte zum niveauarmen Geschehen auf dem Eis. Die Kasachen präsentierten sich im Spiel "Not gegen Elend" defensiv zwar wesentlich stabiler als in den vier Begegnungen zuvor, in denen sie 24 Gegentreffer kassiert hatten. Nach vorne lief aber wie auch beim Gegner so gut wie gar nichts zusammen.

Nach dem Gegentreffer durch Roman Starschenko (45.) wachten die Italiener auf und sorgten innerhalb von drei Minuten durch Tore von Christian Borgatello (47.) und Michael Souza (50.) für die Wende.

Gruppe E

Dänemark - Russland 1:6 (0:2, 1:1, 0:3)

Russland hat auf dem Weg zum dritten Titel in Folge die nächste Hürde genommen und das Viertelfinale bei der WM in Deutschland erreicht.

Der Weltmeister kam am Sonntagnachmittag durch das überzeugende 6:1 (2:0, 1:1, 3:0) gegen das Überraschungsteam aus Dänemark erwartungsgemäß zum fünften Sieg im fünften Spiel, ist mit zwölf Punkten in der Gruppe E souveräner Spitzenreiter und hat den Gruppensieg vor Augen.

Dafür kommt es am Dienstag (20.15 Uhr) zum Showdown mit Finnland, sofern der Champion von 1995 sein zweites Zwischenrundenspiel am Montag gegen die Slowakei gewinnt. Dänemark hat sechs Zähler auf dem Konto und darf sich weiter Hoffnungen auf das erstmalige Erreichen der Runde der letzten Acht machen.

18 Stunden nach dem hart erarbeiteten 3:2 gegen die DEB-Auswahl griffen beim 25-maligen Weltmeister, der seinen 24. WM-Sieg in Folge verbuchte, erstmals zwei prominente Nachzügler ein.

Stürmerstar Jewgeni Malkin und Verteidiger Sergej Gontschar, die mit Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh Penguins vorzeitig in den NHL-Playoffs gescheitert waren, bildeten zusammen mit Dimitri Kalinin sowie Pawel Datsyuk und Kapitän Ilja Kowaltschuk den zweiten Block.

Und Malkin hatte in einem teilweise billanten Spiel einen Einstand nach Maß: Der Center war am 1:0 (16.) und 4:1 (48.) von Datsyuk beteiligt und erzielte mit traumhaftem Händchen das 3:1 (34.). Superstar Alexander Owetschkin gelang in Unterzahl das 2:0 (20.).

Der Direktschuss des Kapitäns der Washington Capitals war so scharf, dass die Schiedsrichter zunächst weiterspielen ließen. Erst der Videobeweis zeigte, dass das Geschoss nicht am Pfosten, sondern im Tor landete. Es war der fünfte Treffer Owetschkins im fünften Spiel.

Überragender Mann war allerdings Datsyuk, der mit einem verwandelten Penalty (51.) sein drittes Tor erzielte und noch einen Assist hatte. Nikolaj Kulemin erhöhte auf 6:1 (53.). Für Dänemark traf Mads Christensen in Überzahl (26.), womit Russland in jedem Spiel mindestens einen Gegentreffer kassierte.

Gruppe F

Lettland - Norwegen 5:0 (0:0, 0:0, 5:0)

Lettland hat seine Mini-Chance auf das Erreichen des Viertelfinals bei der WM in Deutschland gewahrt. Der Olympiazwölfte gewann sein zweites Zwischenrundenspiel gegen Norwegen dank eines famosen Schlussdrittels 5:0 (0:0, 0:0, 5:0) und darf mit drei Punkten weiter auf die K.o.-Runde hoffen.

Allerdings müssen die Balten in ihrem letzten Spiel am Montag (20.15) in Mannheim gegen Tschechien gewinnen, um theoretisch im Endklassement der Gruppe F den vierten Platz noch zu erreichen.

Diese Chance haben auch noch die Norweger (3 Punkte), die durch die 1:12-Klatsche gegen Olympiasieger Kanada am Freitag aber sichtlich aus dem Tritt gerieten. Zum Abschluss am Montagnachmittag (16.15 Uhr) gegen die bislang ungeschlagenen Schweizer (9) ist das Team ebenfalls zum Siegen verdammt. Der Sieg der Letten über die Norweger machte derweil den vorzeitigen Viertelfinal-Einzug der Schweizer perfekt.

In einem schwachen Spiel vor nur 1925 Zuschauern in der Mannheimer Arena war beiden Teams die Bedeutung der Partie anzumerken. Torchancen resultierten anfangs fast nur aus Überzahlspielen. Im Schlussdrittel trafen dann Lauris Darzins (43.), Martins Cipulis (49.), zweimal Janis Sprukts (58. und 59.) und Guntis Galvins (59.) für die am Ende dominierenden Letten.

Die Norweger mussten ohne Kapitän Tommy Jakobsen und Stürmer Martin Laumann Ylven auskommen. Der ehemalige DEL-Profi Jakobsen bekam für das Beleidigen und leichte Berühren der Schiedsrichter im Spiel gegen Kanada eine Sperre für das gesamte Turnier aufgebrummt. Laumann Ylven, der gegen Frankreich eine Zweispielsperre wegen eines Checks gegen Kopf und Nacken kassierte, ist gegen die Schweiz wieder spielberechtigt.

Schweden - Kanada 3:1 (1:0, 2:0, 0:1)

Schweden hat mit einem Prestigesieg letzte Zweifel am Viertelfinaleinzug bei der WM beseitigt und seine Titelambitionen eindrucksvoll untermauert. Das Drei-Kronen-Team gewann am Sonntagabend in Mannheim das mit Spannung erwartete Top-Duell gegen Olympiasieger Kanada völlig verdient mit 3:1 (1:0, 2:0, 0:1) und hat anders als der Rivale aus Nordamerika weiterhin Chancen auf den Sieg in der Zwischenrundengruppe F. Die Kanadier, die praktisch ebenfalls bereits für die K.o.-Runde qualifiziert sind, können keinen der ersten beiden Plätze mehr belegen.

Den Sieg in der Gruppe machen die Schweden und Schweizer im direkten Duell am Dienstag (20.15) unter sich aus. Kanada will in seinem letzten Spiel gegen Tschechien (16.15) zumindest den dritten Platz retten.

"Wir sind mit vielen guten Vorsätzen ins Spiel gegangen, aber der Start war verdammt schlecht. Wir sind heute im Kollektiv schuld an der Niederlage", sagte Kanadas Trainer Craig MacTavish.

Die Schweden, für die es der 25. Sieg im 70. WM-Duell mit den Ahornblättern war, setzten den Gegner zu Beginn mit aggressivem Forechecking unter Druck und nutzten die daraus resultierenden Abwehrschwächen eiskalt. Nach dem frühen Führungstreffer durch Johan Harju (3.) suchten die erneut ohne ihren verletzten Top-Torjäger Steve Stamkos (leichte Gehirnerschütterung) angetretenen Kanadier vergeblich nach ihrem Rhythmus.

Als Jonas Andersson im zweiten Drittel mit einem Doppelschlag (22. und 25.) auf 3:0 erhöhte, führten die Skandinavier die Nordamerikaner in einigen Szenen sogar vor. Als Konsequenz nahm Kanadas Trainer Craig MacTavish seinen Torhüter Chris Mason nach nicht einmal einer halben Stunde vom Eis. Stellvertreter Chad Johnson machte seine Sache besser, auch weil Schweden einen Gang zurückschaltete. Brooks Laich gelang aber nur noch der Ehrentreffer (47.) für Team Canada.

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