Sonntag, 23.05.2010

Spiel um Platz 3: Schweden - Deutschland 3:1

Deutsche Helden ohne Medaille

Es hat nicht sollen sein: Deutschland hat zum Abschluss einer überragenden Heim-WM das Spiel um den dritten Platz gegen Schweden mit 1:3 verloren und damit die erste WM-Medaille seit 57 Jahren verpasst. Die phänomenale Leistung des gesamten Teams kann das aber nicht im Geringsten schmälern. Dank Rang vier in der Endabrechnung verbesserte sich die DEB-Auswahl in der Weltrangliste vom zwölften auf den neunten Platz.

DEB-Stürmer Marcel Müller im Zweikampf mit Schwedens Jungstar Oliver Ekman Larsson
© Getty
DEB-Stürmer Marcel Müller im Zweikampf mit Schwedens Jungstar Oliver Ekman Larsson

Schweden erwischte im Bronze-Match einen Blitzstart und ging schon in der dritten Minute durch das fünfte WM-Tor von Jungstar Magnus Pääjärvi Svensson in Führung.

Die DEB-Auswahl, die nach den Anstrengungen der letzten Tage verständlicherweise sichtbar müde war, wehrte sich nach Kräften und kam durch ein geniales Tor vom starken Alexander Barta in der 37. Minute zum Ausgleich.

Im Schlussdrittel brachte Jonas Andersson die Tre Kronor in der 44. Minute auf die Siegerstraße, als er aus schlechtem Winkel abzog und die Scheibe Dennis Endras zwischen den Schonern durchrutschte. Der deutsche Goalie zeigte aber dennoch wie im gesamten Turnier eine Weltklasse-Leistung und wehrte 40 Schüsse der Schweden teilweise spektakulär ab.

Dennis Endras zum MVP gewählt

In der Schlussphase versuchte das deutsche Team noch einmal alles, aber dann machte Andersson in der letzten Minute mit einem Empty-Net-Tor alles klar.

"Die Kraft war nicht mehr so da, wie wir sie gebraucht hätten. Um zu gewinnen, reicht ein Tor nicht aus. Aber die Mannschaft hat ein super Turnier gespielt. Die Spieler sind in jedem Spiel an ihre Grenzen gegangen", sagte Bundestrainer Uwe Krupp, der seine Zukunft weiter offen ließ: "Es wäre wenig klug, jetzt ein Statement abzugeben. Ich werde ein paar Nächte darüber schlafen und dann eine Entscheidung treffen, die für alle gut ist."

SPOX fasst die Lehren des Spiels zusammen.

Vor dem Spiel: Wie abgesprochen kehrt Super-Goalie Dennis Endras ins deutsche Tor zurück. Für Korbinian Holzer, der im Halbfinale gegen Russland von Nikolai Kulemin in die Bande gehämmert wurde und nicht mehr weiterspielen konnte, rückt Frank Hördler auf den Spielberichtsbogen. Ansonsten gibt es keine Umstellungen.

Erstes Drittel: Das DEB-Team kommt mit viel Schwung und Energie aus der Kabine, aber dann zeigen die Schweden sofort, was sie ausmacht. Sie spielen teilweise einschläfernd, haben aber eine unglaubliche Puck-Kontrolle in der neutralen Zone und dann geht es blitzschnell ins Angriffsdrittel. Jungstar Pääjärvi-Svensson nutzt die erste Möglichkeit der Tre Kronor zur Führung. Endras sieht dabei nicht sonderlich gut aus, aber dafür hält Deutschlands Super-Goalie sein Team in der Folge mit vielen Sensations-Saves alleine im Spiel. Die Krupp-Truppe hat zwei riesige Konterchancen durch Wolf und Schütz, aber beide scheitern an Gustavsson. Schweden insgesamt klar überlegen (16:4-Schüsse), immer wieder können sie im deutschen Drittel ihre Kreise ziehen und kommen zu leicht zum Tor.

Zweites Drittel: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Deutschland will und wehrt sich nach Kräften, aber so wahnsinnig viel Kraft ist eben nicht da. Es ist nicht zu übersehen, dass die Jungs extrem müde sind. Wer will es ihnen verdenken. Schweden verpasst es aber, mit dem 2-0 so was wie einen K.o.-Schlag zu setzen. Krupp stellt alle Reihen um, um neue Energie ins Spiel zu bekommen - und es funktioniert. Barta sorgt mit einem überragenden Move für den Ausgleich. Der Bronze-Traum lebt plötzlich wieder. Vor allem auch deshalb, weil Endras schon wieder wie ein Irrer hält (29 Saves nach 40 Minuten) und die jetzt wütend angreifenden Schweden zur Verzweiflung treibt.

Die besten Bilder zum Eröffnungspiel GER - USA
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Drittes Drittel: Schweden kommt energisch aus der Kabine und drängt sofort auf die erneute Führung. Wie diese dann zustande kommt, ist einfach nur bitter. Andersson erwischt Endras aus ganz schlechtem Winkel zwischen den Schonern. Das DEB-Team beweist aber wieder Charakter, gibt nie auf und kommt noch zu einigen Halb-Chancen. Mehr lassen die unglaublich starken Schweden einfach nicht zu. Die einzige Powerplay-Chance lässt Deutschland auch liegen. So kommt es, wie es kommen musste. Andersson macht mit einem Empty-Net-Tor den Deckel drauf. Dass Schwedens Coach Bengt-Ake Gustafsson eine Sekunde vor Schluss noch eine Auszeit nimmt, gehört in die Kategorie "lächerlich".

Star des Spiels: Das gesamte deutsche Team. Es ist an dieser Stelle nicht angebracht, einen einzelnen Spieler aus dem Spiel gegen Schweden herauszuheben. Es ist es jetzt an der Zeit, eine überragende deutsche Mannschaft für eine überragende Heim-WM zu würdigen. Was dieses Team in den letzten Wochen geleistet hat, war phänomenal. Gegen Schweden war das Team sichtbar hundemüde, aber sie haben nie aufgegeben, sich ins Spiel gebissen und fast Bronze geholt. Aber ob Bronze oder Vierter, es macht keinen Unterschied: SPOX zieht alle Hüte der Welt.

Lehren des Spiels: Was soll man zu dieser WM sagen? Dass Deutschland überhaupt im Halbfinale dabei war, ist und bleibt unfassbar. Deutschland gehört sicher nicht zu den vier besten Eishockey-Nationen der Welt, aber dennoch hätte die Mannschaft für ihren bedingungslosen Einsatz und Willen eine Medaille verdient gehabt.

Kurioserweise war man im Halbfinale gegen Russland näher an der riesengroßen Sensation als im Spiel um Platz 3 gegen Schweden. Das DEB-Team spielte im neunten WM-Spiel zum neunten Mal an der absoluten Grenze seines Leistungsvermögens - aber gegen gut aufgelegte Schweden wurden der Mannschaft auch klar die Grenzen aufgezeigt.

Deutschland ist nur aufgrund der überragenden Defensive (14 Gegentore in 9 Spielen) so weit gekommen, offensiv (13 Tore in 9 Spielen) fehlt nach wie vor die Durchschlagskraft. Das kann aber alles nicht die herausragende Leistung des Teams schmälern. Die Spieler haben Heldenhaftes vollbracht, auch wenn die Medaille als äußerlicher Beweis und zur Krönung jetzt fehlt.

Es bleibt nur zu hoffen, dass es nicht bei einem zweiwöchigen Märchen bleibt, sich nichts ändert und Deutschland im nächsten Jahr wieder in der Abstiegsrunde spielt. Liga und Verband stehen in der Pflicht, die WM als Vorlage zu nutzen und das deutsche Eishockey gemeinsam in die richtige Richtung zu entwickeln. Bessere Werbung für den Sport konnten Krupp und Co. jedenfalls nicht machen. Mehr geht nicht.

Das Spiel zum Nachlesen im Live-Ticker


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