Deutschland schrammt an der Sensation vorbei

SID
Samstag, 22.05.2010 | 21:43 Uhr
Toll gekämpft, aber es hat nicht gereicht: Deutschland verlor gegen Russland
© Getty
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Der Traum vom Finale im eigenen Land ist für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ausgeträumt. Der Traum von der ersten WM-Medaille seit 1953 lebt jedoch weiter. Das Halbfinale gegen Russland verlor das Team von Uwe Krupp trotz herausragender Leistung mit 1:2 und trifft nun am Sonntag im Spiel um Platz drei auf Schweden.

Die Sensation lag in der ausverkauften Kölner Arena bis kurz vor Schluss im Bereich des Möglichen. Marcel Goc hatte Deutschland in der 16. Minute in Führung gebracht. Der Vorsprung hielt bis zur 32. Minute - dann gelang Jewgeni Malkin der Ausgleich. 110 Sekunden vor Ende markierte Pawel Datsyuk den Siegtreffer der Russen.

"Jetzt ist man erstmal enttäuscht. Wir waren nah dran. Aber nah dran reicht leider nicht. Bitter, wenn man dann doch verliert", sagte Christian Ehrhoff unmittelbar nach dem Spiel, um dann den Blick gleich wieder nach vorn zu richten: "Wir können das Turnier noch mit einer Medaille beenden - und wer hätte das vor dem Turnier gedacht?"

Am Sonntag trifft die deutsche Mannschaft im Spiel um Platz drei auf Schweden (16.15 Uhr im LIVE-TICKER). Russland bekommt es im Finale ebenfalls am Sonntag mit Tschechien zu tun.

"Wir haben jetzt schon Historisches geschafft", sagte Bundestrainer Uwe Krupp. "Die Jungs marschieren jedes Spiel und laufen bis zum umfallen. Wenn am Ende keine Medaille herausspringt, kann trotzdem jeder Spieler stolz sein. Gegen Russland hatten wir Chancen, um das zweite oder dritte Tor zu machen. Die Russen haben ihre Chancen genutzt. Das war heute der Unterschied."

SPOX fasst die Lehren des Spiels zusammen.

Vor dem Spiel: Krupp gibt Erfolgstorhüter Dennis Endras nach dem Sieg gegen die Schweiz eine Verschnaufpause und bringt Rob Zepp.

Erstes Drittel: Deutschland von Beginn an aggressiv und hart in den Zweikämpfen. Trotzdem gleich in der zweiten Minute die Schrecksekunde: Malkin trifft allerdings nur den Pfosten. Gegen Mitte des Drittels spielt auch Russland körperbetonter - und bringt sich durch einige Undiszipliniertheiten - allen voran ein Bandencheck von Kulemin -  selbst in Bedrängnis. Marcel Goc nutzt eine 5-gegen-3-Aktion zum 1:0. Verdient, wie auch das Schussverhältnis zeigt: 13:9 für Deutschland.

Zweites Drittel: Die Russen kommen sichtlich angefressen aus der Kabine. Sie versuchen jetzt jeden Puck aufs Tor zu bringen. Deutschland jedoch weiter mit viel Einsatz und guter Organisation. Schütz vergibt in Unterzahl im direkten Duell mit Goalie Koschetschkin das 2:0. Dann passt einmal die Zuordnung nicht - ein Fehler, den die Sbornaja eiskalt zum Ausgleich nutzt. Russlands Coach Bykow stellt auf drei Reihen um, er will seinen Superstars mehr Eiszeit geben. Das DEB-Team lässt sich vom Ausgleich nicht schocken und spielt weiter mutig nach vorn, hat aber bei einem Schuss von Kulikow Glück, dass die Latte rettet.

Drittes Drittel: Russland nimmt immer mehr das Heft in die Hand - und bei den Deutschen schwinden die Kräfte. Trotzdem gelingt es dem DEB-Team, die Ordnung zu halten und den Raum vor dem eigenen Tor eng zu machen. Dietrich verhindert in der 44. Minute die Führung der Russen, als er sich vor dem einschussbereiten Suschinski vor dem eigenen Tor in den Puck wirft und blockt. Auch eine kritische Unterzahl-Situation nach einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Felski übersteht das Krupp-Team schadlos. Die Entscheidung knapp zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit: Fehlpass von Gogulla im eigenen Angriffsdrittel, Datsyuk schließt einen Konter zum 2:1 ab.

Star des Spiels: Wassili Koschetschkin. Dass der stärkste Russe im Halbfinale im Kasten stand, spricht für die Leistung der deutschen Mannschaft. Koschetschkin hielt 26 Schüsse (96,3 Prozent), parierte mehrere Male glänzend gegen Ehrhoff und verhinderte im zweiten Drittel im Eins-zu-Eins gegen Schütz das 2:0 der Deutschen.

Lehren des Spiels: Russland war vor dem Spiel der haushohe Favorit, hat ganz ohne Zweifel die deutlich besseren Einzelspieler. Und trotzdem zeigte das Team von Uwe Krupp, was auch gegen so einen Gegner möglich ist, wenn man als verschworene Einheit auftritt. Nach dem Kraftakt gegen die Schweiz im Viertelfinale agierte Deutschland erneut bissig und konsequent in den Zweikämpfen und überraschte die Russen damit vor allem zu Beginn sichtlich. Konsequenz war unter anderem ein ungewöhnlich schlampiges Passspiel der Sbornaja.

Die DEB-Auswahl ging die russischen Stars hart aber fair an, gab ihnen vor dem Tor wenig Raum und gewann die wichtigen Bullys. Zudem setzten sie immer wieder nach und machten selbst Druck aufs Tor. Russland stellte im zweiten Drittel auf drei Reihen um, um die individuelle Klasse stärker zum Tragen zu bringen. Und genau die gab am Ende auch den Ausschlag. Zudem mussten die Deutschen dem kraftraubenden Stil Tribut zollen.

Wenn es die deutschen Spieler am Sonntag gegen Schweden schaffen, noch einmal die letzten Kräfte zu mobilisieren, ist Bronze trotzdem auf jeden Fall drin. Unglaublich, aber wahr.

Das Spiel zum Nachlesen im Live-Ticker

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