Anerkennung für die Krieger

Von Alexander Mey
Samstag, 22.05.2010 | 09:50 Uhr
Das DEB-Team um Uwe Krupp (M.) feiert den 1:0-Sensationserfolg gegen die Schweiz
© Getty
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Deutschland hat mal wieder ein Märchen. Nach der Fußball-WM 2006 und der Handball-WM 2007 sorgt das deutsche Team nun bei der Heim-WM im Eishockey für Jubelstürme. Nach dem Viertelfinal-Sieg gegen die Schweiz warten im Halbfinale die übermächtigen Russen (17.45 Uhr im LIVE-TICKER). Aber der Beistand der deutschen Sport-Prominenz ist dem DEB-Team sicher.

Uwe Krupp hat geweint, als nach dem Sieg im WM-Viertelfinale gegen die Schweiz die deutsche Nationalhymne gespielt wurde. Auf einen Schlag fiel vom Bundestrainer die Last jahrelanger Querelen mit der DEL und sportlicher Misserfolge ab. Er und seine Jungs, wie er sie nennt, haben Geschichte geschrieben.

57 Jahre lang stand kein DEB-Team im Halbfinale einer WM. Bis zu diesem Abend in Mannheim, an dem für unmöglich Gehaltenes plötzlich Realität wurde. "Fuck, ist das geil", sagte Sven Felski nach dem Spiel. Krupp nennt ihn einen "Krieger".

Krieger sind sie alle. Sie haben gekämpft, sie haben gerackert und sie hatten auch endlich einmal ein bisschen Glück, als keiner der 41 Schüsse der Schweizer den Weg ins Tor fand. Manchmal war am Pfosten Schluss, meistens aber am überragenden DEB-Goalie Dennis Endras.

"Da wird etwas gerissen!"

"Das ist der größte Sieg in meiner Karriere", sagte Endras. Teamkollege Korbinian Holzer taufte ihn in Anlehnung an Oliver Kahn einfach mal schnell "Eis-Titan".

Endras wird im Halbfinale wohl eine Pause erhalten

Aber es gab noch mehr Parallelen zum Fußball. Oder auch zum Handball oder Basketball. Denn die Trainerstäbe aller Sportarten standen im Vorfeld dieser Heim-WM häufig in Kontakt und tauschten Erfahrungen aus. Handball-Bundestrainer Heiner Brand war sogar in Mannheim in der Halle.

"Wir haben in Deutschland eine Historie, dass Mannschaften bei Weltmeisterschaften im eigenen Land sehr gut spielen", sagte Krupp. Das führte bei seinen Kollegen Brand, Dirk Bauermann und auch den DFB-Coaches zu einer für das deutsche Eishockey ungewohnt selbstbewussten Erwartungshaltung.

Krupp beschreibt: "Der Einfluss von meinen Kollegen ist sehr, sehr positiv. Sie verfolgen das deutsche Eishockey nicht ganz so regelmäßig und sind deshalb auch nicht ganz so kritisch wie die Medien. Heiner Brand, Dirk Bauermann oder auch die DFB-Verantwortlichen sagen mir: 'Es ist WM im eigenen Land, da wird etwas gerissen!' Sie waren sich alle schon vorher sicher, dass es gut laufen wird."

Den Moment genießen

Sie hatten Recht. Aber trotzdem ist Vorsicht geboten. Deutschland ist im Eishockey bei weitem nicht so gefestigt wie im Fußball oder im Handball. Selbst im Basketball sind die Leistungen konstanter.

Ob daran der grandiose Erfolg bei der Heim-WM etwas ändern wird, ist fraglich. Auch für Krupp: "Das deutsche Eishockey wandelt seit Jahren auf einem sehr schmalen Grat zwischen Abstiegs-, Zwischenrunde und sogar Viertelfinale. Daran wird sich auch nichts ändern. Diese Mannschaft wächst hier mit der Unterstützung der Fans in jedem Spiel über sich hinaus."

Daher das Motto: den Moment genießen - und das noch viel Unmöglichere ins Auge fassen, den Finaleinzug gegen die übermächtig erscheinenden Russen um die Superstars Alexander Owetschkin, Jewgeni Malkin und Ilja Kowaltschuk.

"Jetzt holen wir uns auch noch Gold", flachste Felix Schütz in der Mixed Zone im Vorbeigehen. "Die Russen sind praktisch unschlagbar, aber es gibt nur ein einziges Spiel, alles ist möglich, darauf freuen wir uns", gab sich DEB-Generalsekretär und WM-Organisator Franz Reindl etwas nüchterner.

DEB-Team bereits jetzt Sieger

Auf jeden Fall wird das Spiel am Samstag in voraussichtlich ausverkaufter Lanxess-Arena in Köln noch einmal ein emotionaler Höhepunkt der WM werden. "Das Spiel wird ein großer Spaß", sagte Russlands Kapitän Kowaltschuk nach dem beeindruckenden 5:2-Sieg gegen Kanada.

Wenn ein NHL-Superstar und Kapitän das Weltmeisters der vergangenen beiden Jahre so etwas vor einem Spiel gegen Deutschland sagt, dann haben Uwe Krupp und seine Jungs schon einmal etwas ganz Wichtiges gewonnen.

Anerkennung.

Alexander Sulzers Slapshot

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