Marcel Goc am Knackpunkt der Karriere

"Er ist überragend"

Von Für SPOX in Köln: Alexander Mey
Donnerstag, 13.05.2010 | 18:09 Uhr
Marcel Goc ist bei der WM der unumstrittene Anführer des DEB-Teams
© Getty
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Marcel Goc ist im Moment ganz weit oben. Der Kapitän des DEB-Teams hat eine Wandlung vom talentierten NHL-Legionär zum absoluten Leader durchgemacht. Die trägt er bei der WM im eigenen Land zur Schau - mit Erfolg.

Es ist nach jedem Spiel, nach jedem Training das gleiche Bild. Viele der deutschen Spieler halten kurz bei den Journalisten an und geben einige Statements ab. Manchmal auch längere, wenn sie zum Beispiel ein gutes Spiel gemacht haben.

Nur einer steht immer eine halbe Ewigkeit da. Erst beim Fernsehen, dann bei der ersten Journalisten-Traube, dann bei der zweiten Journalisten-Traube, dann, wenn kaum noch jemand in der Mixed Zone ausharrt, steht er immer noch mit dem letzten Journalisten da, der irgendetwas wissen will, und beantwortet mit einem Lächeln und einer Engelsgeduld jede Frage.

Rampenlicht für Goc kein Problem

Es ist Marcel Goc. Er ist der Star aus der fernen NHL, er ist der Kapitän des Teams. Man könnte sagen, er muss diesen Medienmarathon über sich ergehen lassen. Vielleicht, aber bei ihm wirkt es nicht wie eine lästige Pflicht. Er macht es gerne. Rampenlicht ist für den gebürtigen Schwarzwälder kein Problem.

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Vielleicht liegt es daran, dass er jahrelang in den USA vergeblich um die angemessene Aufmerksamkeit gekämpft hat. 2001 von den San Jose Sharks an 20. Stelle der ersten Runde gedraftet - so früh wie kein anderer deutscher Spieler - konnte er sich in Kalifornien nie richtig durchsetzen.

Relativ wenige Minuten Eiszeit in der dritten oder vierten Reihe, nicht das, was den einst zum größten deutschen Eishockey-Talent ausgerufenen Goc hätte befriedigen können.

Wechsel nach Nashville zahlt sich aus

"Ich habe dort eben nie die Chance bekommen, in den wichtigen Situationen zu spielen, und konnte nicht zeigen, was ich wirklich drauf habe", sagt Goc in einem der beschriebenen Journalisten-Gespräche, diesmal mit SPOX. "Das ist nun anders. Das Jahr in Nashville hat mich ein großes Stück weiter gebracht. Ich bekomme dort einfach mehr Eiszeit und mehr Verantwortung, das gibt mir natürlich mehr Selbstbewusstsein."

Goc wechselte vor der noch laufenden NHL-Saison zu den Nashville Predators und entwickelt sich seitdem zu einer ganz neuen Persönlichkeit auf dem Eis.

Das ist auch Bundestrainer Uwe Krupp nicht entgangen. Goc war der einzige NHL-Spieler, dem er vor der WM eine Einsatzgarantie aussprach. Er wusste, warum.

Großes Lob von Uwe Krupp

"Marcel ist ein echter Führungsspieler. Er hat sich bei den Olympischen Spielen in Vancouver ganz nach vorne gearbeitet", sagt Krupp. "Er führt die anderen Spieler auf und neben dem Eis."

Auf dem Eis führt Goc seine Mitspieler durch große Präsenz und das Übernehmen von Verantwortung. Er glänzt nicht als großartiger Scorer, das 1:1 gegen Dänemark war sein erster Punkt, aber das muss er auch nicht, solange er seine Kollegen zu Höchstleistungen animiert.

"Der Bundestrainer hat mir gesagt, dass ich viel mit den Jungs reden und ihnen die Nervosität nehmen soll. Ich versuche mein Bestes", sagt Goc ganz bescheiden.

Für das Loben sind andere zuständig. Der erfahrene Daniel Kreutzer zum Beispiel, der schon einige Turniere mit Goc zusammen gespielt hat. Er sagt auf Nachfrage von SPOX: "Er ist überragend. Er hängt nicht den Superstar raus, sondern ist der Mannschaft ein Vorbild. So einen Kapitän brauchen wir."

Das nächste Ziel: NHL-Führungsspieler

Wenn Goc in der Nationalmannschaft so weiterspielt, dann könnte sich das, so hofft er, auch auf die kommende Saison in Nashville auswirken.

"Dann will ich noch mehr auf dem Eis stehen und noch mehr in Unter- oder Überzahl spielen. Die Scorerpunkte kommen dadurch von ganz alleine. Je mehr Eiszeit ich bekomme, desto mehr finde ich auch zu meinem Spiel", sagt Goc.

Mit 26 Jahren könnte er vor einem Knackpunkt in seiner Karriere stehen. Talent, NHL-Stammspieler, DEB-Kapitän. Der nächste Schritt wäre NHL-Führungsspieler. So einer wie sein Bundestrainer Uwe Krupp war. "Ich will es hoffen", sagt Goc und lächelt dabei.

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