"Fühle mich einfach nur leer"

SID
Donnerstag, 08.04.2010 | 16:06 Uhr
Die Eisbären Florian Busch (r.) und Constantin Braun können das Aus gegen Augsburg nicht fassen
© Getty
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Nach dem Aus gegen Augsburg sind die Spieler immer noch fassungslos, auch der Trainer weiß keine Erklärung. Der Manager plant schon den Umbruch. Die Panther dagegen haben noch viel vor.

Bis nach Mitternacht betäubten die Spieler der Eisbären Berlin in der Kabine ihren Frust mit Bier. Doch auch Alkohol konnte die schmerzende Wunde nach dem sensationellen Viertelfinal-Aus des großen Titelfavoriten in den Playoffs gegen die Augsburger Panther nicht heilen.

"Ich fühle mich einfach nur leer", sagte der Ur-Berliner Sven Felski. Auch sein Kapitän Steve Walker konnte das Desaster nicht begreifen: "Ich bin geschockt."

Die verdiente 2:6-Heimniederlage im fünften und entscheidenden Spiel gegen die Panther stürzte den entthronten Titelverteidiger in ein Jammertal.

Nachdem die Eisbären die Liga in den vergangenen fünf Jahren mit vier Meistertiteln dominiert haben, wird sich in dieser Saison in jedem Fall ein Verein erstmals in die Meisterliste eintragen.

Aus eine der größten Sensationen der DEL-Geschichte

Bereits am Freitag gastiert Eisbären-Bezwinger Augsburg zum ersten Halbfinalspiel beim Vorrunden-Zweiten EHC Wolfsburg und die Hannover Scorpions empfangen den ERC Ingolstadt (beide Spiele ab 19.15 Uhr im LIVESCORE und in einer Konferenzschaltung auf Sky). Hannover setzte sich im Viertelfinal-Showdown am Mittwoch gegen die Nürnberg Ice Tigers knapp mit 4:3 durch.

Das frühe Aus der Berliner, die mit einem Etat von etwa 7,5 Millionen Euro mehr als doppelt so viel Geld in die Mannschaft gesteckt hatten wie Augsburg, ist eine der größten Sensationen in der Geschichte der DEL.

Zuletzt flog zwar erst vor zwei Jahren mit Rekordmeister Mannheim ein amtierender Champion bereits im Viertelfinale raus, doch angesichts der Dominanz des Hauptstadt-Klubs in der Vorrunde mit Rekordpunktzahl (123) und Rekordvorsprung (25) schien der Durchmarsch reine Formsache.

"Jetzt müssen alle in den Spiegel schauen, denn keiner hat seine Leistung gebracht", sagte Stürmer Stefan Ustorf und nährte die Vermutung, dass sich das Berliner Starensemble seiner Sache zu sicher war. Dabei hätten die vier hart umkämpften Spiele zuvor gegen die tapferen Panther Warnung genug sein müssen.

Jackson: "Es lag nicht an der Einstellung"

"Es lag nicht an der Einstellung. Vielleicht hat die Chemie nicht gestimmt", sagte Trainer Don Jackson, dem die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben stand. Statt Gründe für die Blamage zu finden, bedankte sich der Amerikaner lieber bei Fans und Spielern. Es klang fast wie eine Abschiedsrede.

Unumstritten ist Jackson in Berlin nicht mehr. Offensichtlich waren seine Spieler zum Saisonhöhepunkt nicht fit, zudem ließ der Meistertrainer der vergangenen zwei Jahre taktische Kniffe in der Krise vermissen. Hinter vorgehaltener Hand sagt man, Jackson habe lediglich das Erbe von Pierre Page verwaltet, dessen Nachfolge er 2007 angetreten hatte. Ob mit oder ohne Jackson - die Eisbären stehen vor einem Neuaufbau.

Die in der Vergangenheit viel gelobte Strategie, auf einen Mix aus erfahrenen NHL-Recken und hungrigen Talenten zu setzen, ist dieses Mal nicht aufgegangen. An den Routiniers wie Steve Walker oder Denis Pederson nagt der Zahn der Zeit, die Ausbildung neuer Spieler stockt gewaltig.

"Das Gute ist, dass ich jetzt etwas mehr Zeit habe, eine neue Mannschaft aufzubauen", sagte Manager Peter John Lee. Das Geld dafür dürfte nicht das Problem sein: Nur Minuten nach dem Spiel schickte Eisbären-Besitzer Philip Anschutz eine tröstende E-Mail mit einer Kampfansage für die kommende Saison.

Zach warnt vor Duell gegen Ingolstadt

Die Augsburger haben Blut geleckt und wollen nun auch für die Wolfsburger stürzen. "Wir können noch viel erreichen. Unsere Reise ist noch nicht beendet", sagte Trainer Larry Mitchell und schwärmte: "Ich weiß, dass das halbe Team schon Verträge bei anderen Teams in der Tasche hat, aber trotzdem legen sie sich zu einhundert Prozent ins Zeug. Das ist Charakter!"

Euphorie herrscht auch in Hannover nach dem vierten Halbfinal-Einzug in der Vereinsgeschichte. Doch Trainer-Fuchs Hans Zach dämpfte schnell die Erwartungen. "Wir dürfen nicht so viele Fehler machen", sagte der ehemalige Bundestrainer mit Blick auf das Duell gegen Ingolstadt.

DEL: Die Playoffs auf einen Blick

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