Sonntag, 07.02.2010

DEG-Manager Lance Nethery im Interview

Nethery: "Holzer wird eine große Zukunft haben"

Düsseldorf ist Verfolger Nummer Eins der Eisbären Berlin. Unter ihrem Manager Lance Nethery steht Düsseldorf für Konstanz und Erfolg. Mit SPOX spricht der Kanadier über die NHL-Aussichten seines größten Talents, den problematischen Umzug aus der Brehmstraße und die aktuelle Krise bei Rekordmeister Mannheim.

Lance Nethery holte mit der DEG sowohl 2006 als auch 2009 den DEL-Vizemeistertitel
© Getty
Lance Nethery holte mit der DEG sowohl 2006 als auch 2009 den DEL-Vizemeistertitel

SPOX: Herr Nethery, mit dem bisherigen Saisonverlauf ist man in Düsseldorf sicher zufrieden, oder?

Lance Nethery: Ja, grundsätzlich schon. Aber am Anfang der Saison waren wir ehrlich gesagt nicht so gut, wie wir erwartet hatten. Vielleicht hatten wir da noch Kopfschmerzen wegen der unglücklichen Niederlage im Finale der Vorsaison. Oder wir haben gedacht, alles wird einfacher, nachdem wir im Jahr davor so weit kamen. Aber spätestens ab dem Deutschland-Cup haben wir dann wesentlich besser und stabiler gespielt. Da haben wir unser Potenzial dann richtig abrufen können.

SPOX: Welche Rolle spielen dabei Ihre - wenigen - Neuzugänge?

Nethery: Die spielen immer eine sehr wichtige Rolle. J.S. Aubin im Tor hat gleich von Anfang an einen sehr soliden und guten Eindruck gemacht. Er ist ein sehr ruhiger und sachlicher Torhüter und hat den besten Gegentorschnitt der Liga.

SPOX: Gerade die Torhüter-Position bereitete nach dem Rücktritt von Jamie Storr Ende der letzten Saison Kopfzerbrechen. Und jetzt haben Sie einen der besten Goalies der Liga. Oder sogar den Besten?

Nethery: Im Moment ist er sicher der konstanteste Torwart der Liga. Und insgesamt ist er sicher in der Top Drei.

SPOX: Wie sieht es mit den anderen Neuzugängen aus?

Nethery: Patrick Traverse ist auch ein solider Spieler. Er strahlt eine sehr starke Präsenz und Ruhe auf dem Eis aus und hat einen richtig guten ersten Pass. Inzwischen weiß er auch, wie in unserer Liga gespielt wird. Zuletzt hat er ja auch ein paar Tore geschossen, was am Anfang vielleicht noch gefehlt hat. Wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden mit ihm. Zu Craig McDonald braucht man nicht viel zu sagen. Ein sehr guter Zwei-Wege-Spieler, der uns auch in Überzahl extrem hilft. Jason Holland ist ein sehr robuster deutscher Verteidiger. Er hatte am Anfang größere Schwierigkeiten, sich in unser System einzufinden. Aber inzwischen spielt auch er genau das, was wir von ihm erwartet haben.

SPOX: Ein weiterer deutscher Verteidiger in ihren Reihen ist Korbinian Holzer. Wie bewerten Sie seine Entwicklung in dieser Saison?

Nethery: Die verläuft genau, wie ich es erwartet habe. Ich bin sehr, sehr froh, dass es uns gelungen ist, ihn noch ein weiteres Jahr halten zu können und glaube auch, dass das für ihn und seine Entwicklung die richtige Entscheidung war. So entwickelt er sich gerade zu einem der besten, vielleicht sogar zu dem besten deutschen Verteidiger der Liga. Er bringt alles mit, was ein Defensivspieler braucht: Er ist groß, hat sehr gute technische und läuferische Fähigkeiten. Bei uns bekommt er deswegen auch sehr viel Eiszeit, spielt Über- und Unterzahl. Er wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in Amerika eine große Zukunft haben.

"Harold ist zum einen fachlich ein sehr guter Trainer, zum anderen ist er aber auch einfach sehr ehrlicher Mensch, der seine Emotionen im Griff hat, auch wenn er mal unzufrieden ist. Er ist der Mannschaft gegenüber ehrlich und sachlich. So einen Umgang nehmen die Spieler gut an."

Nethery über Coach Harold Kreis

SPOX: Sie haben die NHL schon angesprochen. Wann wäre denn der richtige Zeitpunkt für ihn, den Sprung nach Nordamerika zu wagen?

Nethery: Also wenn ich eigensinnig denke, sollte er natürlich auf jeden Fall noch ein Jahr bleiben (lacht). Aber ich glaube, er wird schon nach dieser Saison nach Amerika gehen. Er wird sicher ein bis zwei Jahre in den Farmteams spielen müssen, aber das ist ebenfalls wichtig für die Entwicklung. Das Spiel ist ja ein wenig anders dort, gerade mit der kleineren Eisfläche. Es ist auch schwierig zu sagen, was die Maple Leafs (Holzer wurde von Toronto gedraftet, Anm. der Red.) mit ihm vorhaben. Sie werden ihn bestimmt bei Olympia und der WM genau beobachten und dann entscheiden.

SPOX: Hierzulande ziehen die Eisbären einsam ihre Kreise, aber auch Düsseldorf hat sich als erster Verfolger schon etwas vom Feld abgesetzt. Läuft alles auf ein Finale Berlin - Düsseldorf hinaus?

Nethery: Sobald die Playoffs beginnen, werden die Karten neu gemischt. Ich denke vor allem an Ingolstadt und Nürnberg. Die werden sehr gefährlich sein. Vielleicht auch Hannover.

SPOX: Wenn es aber zum Traumfinale käme: Wie kann man die Eisbären in einer Best-of-Five-Serie schlagen?

Nethery: Da kommen viele Faktoren zusammen. Berlin ist natürlich eine sehr gute, eingespielte Mannschaft. Um gegen sie zu gewinnen, müssen alle Spieler eine überragende Leistung abrufen. Und ein bisschen Glück gehört auch dazu. Letztes Jahr mussten wir über sieben Spiele gegen Krefeld und fünf Spiele gegen Hannover gehen, während Berlin ausgeruhter ins Finale kam. Da hat uns dann auch die Kraft gefehlt. Auch der Heimvorteil, den Berlin natürlich haben wird, ist wichtig. Einmal müssten wir also in Berlin gewinnen, was nicht gerade einfach ist. Aber wie ich sagte, in den Playoffs werden die Karten neu gemischt.

SPOX: Dass Düsseldorf so klar auf Kurs liegt, ist auch Verdienst des Trainers. Unter Harold Kreis spielt Düsseldorf konstant oben mit. Was macht ihn aus?

Nethery: Harold ist zum einen fachlich ein sehr guter Trainer, zum anderen ist er aber auch einfach ein sehr ehrlicher Mensch, der seine Emotionen im Griff hat, auch wenn er mal unzufrieden ist. Er ist der Mannschaft gegenüber ehrlich und sachlich. So einen Umgang nehmen die Spieler gut an.

SPOX: Sportlich läuft die Saison also mehr als zufriedenstellend, weniger gut sieht es beim Zuschauerzuspruch aus. Woran liegt das?

Nethery: Mit dem Aufstieg der Fortuna haben wir diese Saison richtig starke Konkurrenz bekommen. Die spielen ja einen sehr guten Fußball und liefern uns somit einen kleinen Kampf um die Zuschauer. Wenn wir aber die Vorrunde erfolgreich abschließen und gut in die Playoffs starten, werden wir die Zuschauerzahl drehen können. Zuletzt gegen Krefeld und natürlich Köln hatten wir ja schon richtig gute Stimmung im Dome. Und in ein oder zwei Jahren bekommen wir auch den Straßenbahnanschluss, der die Situation weiter verbessern wird.

SPOX: Die Brehmstraße war ein Kult-Ort des deutschen Eishockeys. Trauern die Düsseldorfer Fans dem nach?

Nethery: Ja, ein wenig vielleicht schon. Aber andererseits gab es dort auch viele Probleme, nicht zuletzt mit den Toiletten. Und die neue Halle ist ja wirklich sehr schön. Ich glaube, wenn man die Fans heute fragen würde, würden die wenigsten wieder zurück an die Brehmstraße gehen wollen.

SPOX: In einer anderen modernen Arena ist die Stimmung derzeit erheblich schlechter als bei Ihnen, nämlich in Mannheim. Sie waren ja selbst lange dort tätig. Können Sie sich erklären, wie die Adler in eine solche Krise geraten konnten?

Nethery: Ich glaube, dass niemand eine Erklärung dafür hat. Wir hatten vor zwei Jahren hier in Düsseldorf eine ganz ähnliche Situation - wenn auch mit mehr Verletzten. Die Spieler haben bestimmt nicht das Eishockey spielen verlernt. Jetzt ist es natürlich wichtig, dass sie mindestens den zehnten Platz erreichen, um in die Playoffs zu kommen. Dann können sie ein ganz unbequemer Gegner werden. Mannheim hat eine sehr gute, tief besetzte Mannschaft, dazu einen hervorragen Torhüter. Wenn sie also rechtzeitig zum Playoff-Beginn noch eine positive Serie hinlegen, dann glaube ich, dass sie in der entscheidenden Phase eine richtig gute Rolle spielen können. Ich möchte auf jeden Fall nur sehr ungern gegen Mannheim in den Playoffs spielen.

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