"Ich würde gerne in New York spielen"

Von Interview: Florian Regelmann
Mittwoch, 30.12.2009 | 10:35 Uhr
Marcel Müller hat sich bei den Kölner Haien zu einem Leistungsträger entwickelt
© Getty
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Seit dem Trainerwechsel von Igor Pavlov zu Bill Stewart läuft es bei den Kölner Haien hervorragend. Ein Hauptgrund für den Aufschwung: Marcel Müller. Der 21-jährige Stürmer ist der heißeste Spieler der Liga. Vor dem Clash bei den Eisbären spricht Müller im SPOX-Interview über Dany Heatley, die Hertha und Oli Pocher.

SPOX: Herr Müller, erstmal Gratulation zu der unglaublichen Serie, die Sie haben. Die Haie haben sieben der letzten acht Spiele gewonnen und Sie haben in Ihren letzten beiden Spielen acht Scorerpunkte erzielt. Verbrennt man sich, wenn man Sie derzeit anfasst?

Marcel Müller: (lacht) Danke. Es geht schon noch. Ich kann auch meinen Schläger noch anfassen, so heiß ist er noch nicht. Aber es stimmt natürlich, dass es für mich und die Mannschaft sehr gut läuft. Ich werde jetzt oft gefragt, warum es plötzlich klappt und ich habe nur eine Antwort: Der Spaß am Eishockey ist zurück.

SPOX: Und es hilft natürlich der Statistik, dass Sie nicht mehr Verteidiger spielen müssen, sondern als Stürmer ran dürfen.

Müller: Auf der Stürmerposition kann ich mich sicher ein bisschen besser entfalten, das sieht man ja auch jetzt. Außerdem funktioniert unsere Reihe mit Ivan Ciernik und Jason Jaspers zurzeit wirklich hervorragend. Wir ergänzen uns sehr gut.

SPOX: In der DEL-Scorerliste liegen Sie schon auf Rang sieben. Haben Sie immer gewusst, dass Sie so ein Potenzial als Scorer haben?

Müller: In den Nachwuchsligen habe ich zwar auch immer viel gepunktet, aber ehrlich gesagt hätte ich es mir nie erträumen lassen, dass ich mal mehr als 30 Punkte in einer Saison machen werde. Von mir aus kann es gerne so weitergehen.

SPOX: Man muss gar nicht so lange zurückblicken, da war die Stimmung in Köln noch ganz anders. In zwei Heimspielen in Folge hatte das Team jeweils acht Gegentore bekommen. Zu diesem Zeitpunkt muss etwas grundlegend falsch gelaufen sein, was war das Problem?

Müller: Das war eine ganz andere Haie-Mannschaft. Ich muss ehrlich zugeben, dass der Spaß unter Igor Pavlov nicht mehr so vorhanden war. Man ist nicht mehr mit Freude zum Training gefahren zum Schluss - deshalb war es die richtige Entscheidung der Geschäftsführung, den Trainerwechsel vorzunehmen. Der hat uns richtig gut getan.

SPOX: Was macht Bill Stewart anders? Als entspannter Coach gilt er nicht gerade, eher als harter Hund und etwas verrückt.

Müller: Ich weiß, aber im Moment ist er noch ganz in Ordnung (lacht). Aber vielleicht müssen wir mal abwarten, bis wir ein oder zwei Spiele verlieren. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall sehr positiv. Er ist ein sehr guter Motivator und es macht Spaß, unter ihm zu spielen. Er stellt uns auf die Gegner taktisch super ein und insgesamt spielen wir jetzt viel defensiver als vorher. Tore zu schießen war nie unser Problem - wir waren offen wie ein Scheunentor, das war der Knackpunkt und das ist jetzt ganz anders geworden.

SPOX: Wenn man mal die Eisbären wegnimmt, scheint in der DEL alles möglich. Es geht unglaublich ausgeglichen zu. Was ist für die Haie in dieser Saison drin?

Müller: Ich denke, dass wir bis zum Ende der regulären Saison unter die Top 6 kommen sollten. Das muss mit unserer Mannschaft drin sein. Und dann geht es in den Playoffs wieder von vorne los. Ich traue uns zu, dass wir bis Ende April Eishockey spielen.

SPOX: Vielleicht erreichen Sie schon davor ein wichtiges Ziel. Stichwort Olympia-Nominierung.

Müller: Das hoffe ich. Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet, ich bin gespannt, was passieren wird. Meine Chancen stehen Fifty-Fifty. Ich habe alles gegeben, was ich konnte und habe versucht, es dem Bundestrainer so schwer wie möglich zu machen, mich nicht zu nominieren. Jetzt liegt es an Uwe Krupp und ich lasse mich überraschen. Klar ist, dass ich liebend gerne dabei wäre. Außer einem Stanley-Cup-Finale gibt es nichts Größeres für einen Eishockeyspieler als das Olympische Eishockey-Turnier.

SPOX: Mal angenommen, Sie sind im Kader. Haben Sie einen Wunsch, gegen wen Sie gerne spielen würden?

Müller: Mein Traumgegner wäre Kanada. Dany Heatley ist ein großes Vorbild von mir, er kämpft, schießt Tore, er macht einfach alles richtig - gegen ihn spielen zu können, wäre sehr cool.

SPOX: Wenn Sie es in die NHL schaffen würden, könnten Sie regelmäßig gegen Heatley, Thornton und Co. antreten. Warum wurden Sie eigentlich nicht gedraftet? Haben die Scouts geschlafen?

Müller: (lacht) Das ist eine gute Frage, die ich nicht beantworten kann. Das müssen Sie die NHL-Scouts fragen. Es hat nie jemand mit mir gesprochen. Inzwischen gibt es weitläufig ein paar lose Kontakte, aber nichts Konkretes. Wenn ich die Chance bekommen würde, in ein Trainigscamp zu gehen und mich über die Minor Leagues hochzuarbeiten, würde ich diese aber sicher wahrnehmen.

SPOX: Auch wenn es kein Wunschkonzert ist: Haben Sie ein Lieblingsteam, für das Sie gerne spielen würden?

Müller: Die New York Rangers. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich gerne im Madison Square Garden für die Rangers spielen. Ich war vor zwei Jahren im Urlaub in New York, die Stadt ist der Hammer, da würde ich gerne leben.

SPOX: Verfolgen Sie die NHL?

Müller: Ich bekomme relativ wenig mit. Ich schaue mir ab und zu im Internet die Highlights an, aber ich würde nie nachts um 4 Uhr aufstehen, um ein Vorrundenspiel zu sehen. So verrückt bin ich dann auch nicht.

SPOX: Aber immerhin sind Sie so verrückt, dass Sie in Köln als Hertha-Fan herumlaufen.

Müller: Was soll ich machen? Die Hertha ist mein Verein. Auch in schweren Zeiten muss man dazu stehen. Im Moment sieht es bitter aus, aber noch ist alles möglich, wenn wir in der Rückrunde eine Aufholjagd starten.

SPOX: Zu lachen gibt es bei der Hertha aktuell wenig. Wen schauen Sie sich im Fernsehen an, wenn Sie lachen wollen?

Müller: Es gibt drei Leute, die bei mir ganz oben stehen. Stefan Raab, Oliver Pocher und Simon Gosejohann. Seine Sendung "Comedystreet" finde ich überragend.

Augsburg-Manager Max Fedra im SPOX-Interview

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